Aufsatz 
Über die Methode und die Grundlagen der Arristotelischen Ethik
Entstehung
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es 1099 b 14 auf die Frage, ob die Eudämonie eine Gabe der Götter sei: dld roöro Hb 1Gοςασ έe‿dα ei Geaαενικνεές lατεον) und will die Probleme nicht weiter füh- ren, als sie aus der Betrachtung der menschlichen Natur und des menschlichen Lebens zu lösen sind. Selbst wenn sich daraus kein durchaus befriedigendes Resultat ergibt, so wird lieber eine Lücke gelassen, als dass anders woher Hülfe gesucht wird. So z. B. bleibt, so ausgezeichnet auch das Verhältniss der Tugend zur Lust grundsätz- lich erklärt ist, immer doch die Schwierigkeit, dass der einzelne Tugendhafte durch übergrosse Leiden von der Glückseligkeit ausgeschlossen werden kann. Die Ver- söhnung war nur vom religiösen Standpunkt aus zu finden, und so bleibt, da Aristo- teles über die Thatsachen des menschlichen Lebens nicht hinausgehen will, die Frage eine offene. Die wissenschaftlichen Vortheile, die ein solches Verfahren mit sich bringt, sollen nicht verkannt werden, aber es kommt doch vor allem darauf an, ob es vollständig zum Ziel führe, d. h. ob die Thatsachen des sittlichen Lebens sich durch die blosse Erfahrung erklären lassen. Wir werden unsere Meinung darüber im dritten Abschnitt näher zu begründen suchen, jedenfalls verleiht gerade die angegebene Methode der Aristotelischen Ethik für die Gegenwart ein besonderes Interesse. Eben jetzt, wo viele die verschiedenen Lebensgebiete möglichst von der Religion trennen wollen, wird das Studium einer Sittenlehre an der Zeit sein, die lediglich auf der Natur des Menschen beruht, und die mit der Erfahrung des menschlichen Lebens auch der Wissenschaft ein Ziel setzt. Wenn sich herausstellen sollte, dass die Ari- stotelische Forschung einerseits trotz des entgegenstehenden Scheines doch religiöse Grundlagen voraussetzt, andererseits aber, dass sie eben deswegen, weil sie diese Grundlagen nicht zu einer consequenten Weltanschauung ausbilden konnte und wollte, ihr Ziel nicht vollkommen erreichte, so wird dies auch für die allgemeinere Beur- theilung des Verhältnisses der Ethik zur Religion nicht ohne Bedeutung sein.

Auch noch in einer andern Hinsicht könnte man an der Begründung der Ethik auf die Erfahrung Anstoss nehmen. Die sittlichen Ideen finden in ihr nicht ihre adäquate Verwirklichung, wird daher nicht ihre Reinheit verloren gehen, werden sie von der Forschung nicht nur annähernd zum Ausdruck gebracht werden können? Es wäre dieser Einwand gerechtfertigt, wenn die Betrachtung der Erfahrung nicht von der Zweckidee

geleitet würde. Aber das Suchen nach dem innewohnenden und gestaltenden Zweck 3