Aufsatz 
Über die Methode und die Grundlagen der Arristotelischen Ethik
Entstehung
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sondern auch im zweiten Kapitel stehen die Abschnitte 1103 b 26 1104 a 11 und 1104 a 11 27 an einer verkehrten Stelle. Im neunten Buche wird die Frage wegen des Zusammenlebens der Freunde zuerst ausführlich im neunten, dann weit kürzer im zwölften behandelt. Kleinere Wiederholungen, Umstellungen einzelner Sätze, Aus- lassungen von Wörtern und ähnliches finden sich öfter.

Werfen wir nun einen Blick auf das über das wissenschaftliche Verfahren des Aristoteles Bemerkte zurück. Es wird seinem Grundzuge nach bestimmt durch die breite Grundlage der Erfahrung, worauf die Untersuchung beruht, durch die strenge Gesetzlichkeit im Fortschreiten, den unermüdlichen Eifer die vorliegenden Fragen zu erweitern und zu vertiefen, durch das Streben in universaler Weise allen Seiten ge- recht zu werden. Die Person des Forschers tritt vor der Sache überall zurück. So kommt es, dass, wenn wir einer Erörterung des Aristoteles bis zu Ende gefolgt sind, wir nicht nur überzeugt sind, die Meinung eines bedeutenden Mannes gehört zu haben, sondern uns des Gefühls nicht erwehren können, als sei nunmehr die Sache endgültig für immer entschieden. Sehr viel trägt dazu auch die Unbefangenheit der Stimmung bei, die sich unser Philosoph stets zu bewahren weiss. Gerade in der Ethik, wo das Gemüth beim Suchen der Wahrheit mit betheiligt ist, liegt die Gefahr nahe, dass einseitige Stimmungen, lediglich in persönlichen Erfahrungen begründete Sympathien und Antipathien die Unbefangenheit der Untersuchung beeinträchtigen. Namentlich haben extreme Ansichten hier etwas Verlockendes. An sich schon ist eine gewisse Gefahr vorhanden bei Untersuchungen, die lebhafte Theilnahme bei uns erwecken, über das in der Sache liegende Mass hinauszugehen. Dazu kann auch leicht eine fast unwillkürliche Rücksicht auf die Wirkung der eignen Theorien kom- men. Denn zahlreicher als die, denen die schlichte einfache Wahrheit gefällt, sind ja stets die gewesen, welche nur durch schroffe, allem Herkömmlichen feindlich ent- gegentretende Ansichten zu einem gewissen Interesse an philosophischen Fragen ver- anlasst werden können. Die Schroffheit reizt zum Widerspruch und setzt also den Willen aus persönlichen Gründen in Bewegung, auch wenn die Sache an sich gleich- gültig bleibt. Dem Beifall solcher entgeht die Aristotelische Philosophie durch ihr streng sachliches Verfahren. So sehr tritt in der Ethik die persönliche Stimmung des

Philosophen zurück, dass es schwer wäre zu sagen, ob man ihm hier eine mehr opti-