Aufsatz 
Über die Methode und die Grundlagen der Arristotelischen Ethik
Entstehung
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Lebenserfahrung verlangt, s. 1095 a 2: rijg xoltrixiss oux goriu oixstos dæοοuris 6 veéog dreloοsdo ονν aurd rdνν l0" αeςιεεανν 00 46" α rourov zœd eot rou- rov, und es wird daher auf das Urtheil älterer, weiser Männer grosser Werth gelegt, s. 1143 b 11: det οοσeενν τν εαμεεοσννναν πρεντεουνᷣ ρφο%αουν ratg duνaro- deiurois gdded val dösals oux rrou νννσdεtεeον dudo xeir ex ris eu- xεοεανς dεριμια σισρν ⁶οσνσσ. Abgesehen nämlich von allem sonstigen Nutzen ist die Frucht einer solchen Erfahrung ein feiner sittlicher Tact, der auch dort das Richtige findet, wo die Begriffe dem Leben gegenüber nicht ausreichen. Die Beobachtung, worauf sich nun aber bei Aristoteles die ethische Theorie stützt, ist die umfassendste. Vor allem ist er ein genauer Kenner des menschlichen Herzens, der auch die ge- heimsten Regungen beachtet, den wahren Werth der Gefühle und Bestrebungen er- kennt, auch wo der äussere Schein zu täuschen sucht, der endlich die complicirtesten Vorgänge des Seelenlebens auf einfache Gesetze zurückzuführen weiss. Aber er be- schränkt sich trotzdem nicht auf seine persönliche Erfahrung. Die Thatsachen der Geschichte, die Einrichtungen der Staaten, die in der Sprache ruhende Weisheit der Alten, die Mythen und Sentenzen der Dichter, die Vorfälle des täglichen Lebens, die Meinungen des Volkes, die Sprichwörter und Erzählungen, worin dieselben zum Aus- druck kommen, alles weiss er für den Zweck seiner Wissenschaft zu verwenden. Wie die Natur(s. de gener. an. 744 b 16) einem guten Haushalter gleich nichts wegwirft, woraus sich noch etwas Gutes machen lässt, so achtet auch der Philosoph keine That- sache der Beachtung unwürdig, auch das anscheinend Unwichtige gewinnt durch den Zusammenhang, in den er es zu bringen weiss, Bedeutung. Namentlich fällt es uns auf, dass so grosser Werth auf die Meinung des Volkes gelegt wird; wo sie voll- kommen einstimmig ist, erhält sie auf ethischem Gebiet fast den Werth eines wissen- schaftlichen Beweisgrundes, s. 1172 b 36: d ασ ϑe roꝰr' iuat paßey. Wir sind eben in der neuern Zeit einigermassen daran gewöhnt, die philosophischen Theorien mit dem allgemeinen Bewusstsein in Widerspruch treten zu sehen, so dass uns das Verfahren des alten Philosophen, der in der Uebereinstimmung Aller ein †νόσαeν sieht, befremdet. Die Aristotelische Ethik nimmt so das Resultat des ganzen grie- chischen Lebens in sich auf, nicht die Erfahrung eines Mannes, sondern die des ge-

sammten Hellenenthums scheint ihr zu Grunde zu liegen. Indem ferner der Zusam- 2