Aufsatz 
Vermischte pädagogische Aufsätze, von den Lehrern der mittleren Bürgerschule
Entstehung
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es ein Fehler, wollte man das Kind anleiten, ſo zu ſprechen oder zu ſchreiben wie es einem Manne natürlich iſt. All dies gibt ſich mit den Jahren.

Aber wie iſt es mit ſittlichen Fehlern, wie Naſchhaf⸗ tigkeit, Unreinlichkeit, Lügenhaftigkeit? Geben ſich auch dieſe mit den Jahren? Ich habe dieſe Hoffnung zwar auch ſchon von Eltern ausſprechen hören.Mit den Jahren, wenn der Verſtand kommt, ſo heißt es wohl,wird er dies ſchon ablegen. Wer ſo ſpricht, den möchte ich auf ſein Gewiſſen fragen, ob er ſelbſt nur irgend eine einzige Untugend auf dem Wege des Verſtandes abgelegt habe. Vielleicht wird dieſe Frage bejaht und wird geſagt: O ja, ich habe über legt, wie viel mir dieſe häßliche Gewohnheit ſchadet, wie ſie mein Vermögen verringert, meine Geſundheit untergräbt, meine Ehre mindert, und da habe ich ſie abgelegt. Wenn aber dies allein der Grund war, ſo iſt die böſe Luſt geblieben und es wird nur, um äußerer Vortheile willen, die äußere That gemieden, ſo iſt das Uebel nicht gehoben, ſeine Quelle nicht verſtopft; und ſobald eine neue Ueberlegung zu dem Ergebniſſe führen würde, jetzt ſei kein Schaden mehr für Vermögen, Geſund⸗ heit, Ehre zu fürchten, ſo wird auch die That wieder be⸗ gangen werden. Wenn auch übrigens wirklich ein Mann, ein Erwachſener, auf dieſem Wege des Verſtandes ſich von einem Fehler entwöhnt hätte, ſo daß ihm dieſer fremd ge⸗ worden und auch die böſe Luſt verſchwunden wäre, ſo können wir doch bei einem Kinde nicht darauf warten, und bei einem ſolchen ſich mit dieſem Sprichworte zu tröſten, be⸗ kundet Schwäche und Trägheit und müſſen wir zuſetzen Mangel an Liebe zu dem Kinde. Was für ein Gärtner wäre es, der ſagen würde: Auf dieſem Beete iſt allerdings viel Unkraut, aber ich will nichts thun, das gibt ſich mit der Zeit. Er verſteht nichts von ſeinem Geſchäfte, würden wir ſagen, oder er hat keine Luſt und Liebe dazu, er iſt träge