Aufsatz 
Vermischte pädagogische Aufsätze, von den Lehrern der mittleren Bürgerschule
Entstehung
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nehme Erfahrungen machen. Manche Eltern nehmen es darin nicht ſo genau und pflegen in der Regel den Maßſtab ihrer eigenen häuslichen Erziehungsmaximen anzulegen. Sie halten darum zuweilen Ausnahmen von dieſen Pflichten für ihre Lieblinge zuläſſig. Wie kommen dieſelben dazu, ſolche zu verlangen? Es iſt wohl Liebe zum Kinde, aber jene ſchwächliche, die zwar das Vergehen nicht gutheißt, aber nicht die Thatkraft zuläßt, die Ausſchreitungen ihrer Kinder zurück⸗ zuweiſen. d

Tritt daher die Schule z. B. dem Leichtſinne, der Flüch⸗ tigkeit und Unreinlichkeit in den Arbeiten mit der ſchärfſten Mißbilligung entgegen, begegnet ſie der Verſpätung, der Ord⸗ nungsloſigkeit mit energiſchen Mitteln, ſo erfährt ſie von ſolchen Eltern, die da meinen, es werde ihren Kindern da⸗ mit zu viel zugemuthet, zuweilen Undank.

Soll die Schule aber deshalb hierin Ausnahmen ge⸗ ſtatten? Wenn überhaupt der Individualität jedes Einzelnen Rechnung getragen werden muß, ſo hat ſie auch hier auf wirklich ſchwächliche und kränkliche Kinder beſondere Rückſicht zu nehmen, auf andere aber nicht. Wenn dieſes ſchon um des Gewiſſens willen der Mitſchüler, an welche dieſelben An⸗ forderungen geſtellt werden, nicht ſtatthaft iſt, wenn der Schule dadurch der Standpunkt der Parteilichkeit zugemuthet wird, ſo hätte dies gewiß auch für den betreffenden Günſtling ſelbſt die ſchlimmſten Folgen. Denn auf der Gewöhnung in den jungen Jahren des Menſchen beruht weſentlich die Denk⸗ und Handlungsweiſe im ſpäteren Alter und er wird in ſein künftiges Berufsleben alle jene ſchlimmen Neigungen und Gewohnheiten mit hinübernehmen, die dann dazu beitragen, ſein Leben zu einem verfehlten zu machen. Wohin würde es führen, wenn an die Stelle des Ernſtes und der Strenge, womit die Schule auf obige Anforderungen an den Schüler halten muß, die Nachſicht, die Schlaffheit treten würde? Das