Aufsatz 
Vermischte pädagogische Aufsätze, von den Lehrern der mittleren Bürgerschule
Entstehung
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tägliche Leben bietet hiefür traurige Belege. Ein Blick in die Geſchichte einzelner Familien, ja ſelbſt ganzer Völker zeigt uns die verderblichen Wirkungen derſelben. Als man anfing, die einfachen und ſtrengen Sitten, wie ſie von den Römern in der Blütezeit ihres Staates geübt wurden, zu verlaſſen, da wurde derſelbe in ſeinen ſolideſten Grundpfeilern erſchüttert und ſein Verfall ſteht wohl in enger Beziehung mit dem Verfall der alten, ſtrengen Zucht, wie ſie im Staate ſowohl als auch in Schule und Haus herrſchte. Aus dem Leben des Hohenprieſters Eli iſt wohl bekannt, wie ſich die Nachſicht und Schwäche desſelben gegen ſeine Söhne, die Frevel und Gewaltthaten an heiliger Stätte verübten, an Haupt und Gliedern ſchwer rächte. Wie häufig ſind die eigentlichen Urſachen des verfehlten Lebenszweckes mancher Menſchen zurückzuführen auf die laxen Erziehungsprinzipien im elterlichen Hauſe. Dagegen lehrt die Erfahrung reichlich, daß das Gedeihen und Emporblühen der Schulen wie der Familien ſtets die Frucht ſtrenger und ernſter Erziehungs⸗ grundſätze ſind. An unſerm großen Reformator Luther haben wir einen ſprechenden Beleg. Unter der ſtrengen Erziehung, die er im elterlichen Hauſe genoß, reifte der eiſenfeſte Cha⸗ rakter heran, der mit unerſchütterlichem Mannesmuthe das große Werk der Reformation durchführte.

Es ſcheint, um auf einzelne der oben erwähnten Pflich⸗ ten des Schülers näher einzugehen, pedantiſch, wenn der Lehrer mit Strenge und Konſequenz auf Pünktlichkeit hält und den Schüler an die Minute bindet. Iſt es denn allein die Gewöhnung an dieſe äußere Pflicht, oder hat die Schule dabei noch einen tiefer gehenden, ſittlichen Grund im Auge? Wird nicht dadurch frühzeitig das Bewußtſein geweckt, daß es dem Unterricht, der Arbeit gilt, die eine beſtimmte, feſt⸗ geſetzte Zeit in Anſpruch nimmt; daß ſie allein es iſt, die ihn rechtzeitig auf ſeinen Poſten ruft? Welchen Segen bringt