Aufsatz 
1) Ansprache bei der Übernahme des Direktorats. 2) Ansprache beim Jubiläumsfeste der Anstalt
Entstehung
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Herabminderung des toten Rechenwerks durch Einführung vierſtelliger Logarithmentafeln erzielt. Ebenſo hat ſie ſtets die Forderungen der Lehrpläne erfüllt:Gewiſſenhafte Strenge in der Mathe⸗ matik bleibt eine dringende Pflicht gegen die Schüler.

In der Naturkunde iſt für eine zweckentſprechende Ausſtattung der Kabinette reichlich Sorge getragen. Wiederholt iſt der Lehrapparat verſtärkt worden, elektriſche Anlagen ſind gemacht und Mittel zur Einrichtung praktiſcher phyſikaliſcher Schülerübungen ſind hergegeben worden. Auch für Präziſionsinſtrumente, z. B. Theodolithe für Feldmeſſung und andere Inſtrumente der praktiſchen Geometrie, die ganz beſonders in unſerer Anſtalt gepflegt wird, ſind außerordentliche Gelder bewilligt worden. Alle dieſe Übungen ſind geeignet, befähigten Schülern in einzelnen Fächern den Korderungen der Neuzeit entſprechend eine über das Ziel des Gymnaſiums hinaus⸗ gehende Belehrung zu geben und die Ziele der ſogenannten Bewegungsfreiheit in gewiſſem Maße zu verwirklichen. Die Erdkunde hat dadurch, daß ſie enſprechend den Forderungen der Gegenwart häufig in die hand der Mathematiker und Naturwiſſenſchaftler gelegt wurde, im Gegenſatz zu der früheren mehr ſtatiſtiſchen Behandlung einen mehr naturwiſſenſchaftlichen Charakter gewonnen. So iſt auch hier den Forderungen der Heit entſprechend Beſſerung eingetreten. Und ſo werden wir allen verſtändigen Forderungen der Gegenwart gerecht, nicht nur denen der Hygiene im Turnen, Schwimmen, Wandern, ſondern auch denen des Sports im Rudern, Ballſpiel und anderen Spielen der Meuzeit..

Nicht kann man uns alſo nachſagen, daß wir uns gegen die Außenwelt abſchließen und mit der Umgeſtaltung aller Formen des Lebens und den gewaltigen Fortſchritten auf allen Gebieten des Wiſſens und des Könnens in unſerer Zeit nicht gleichen Schritt halten.

So glaube ich das Gymnaſium gegen alle Anfeindungen, die es in den letzten 25 Jahren über ſich hat ergehen laſſen müſſen, ſoweit dies im Rahmen einer Feſtrede möglich iſt, gerecht⸗ fertigt und vor allem die Notwendigkeit des griechiſchen Unterrichts auf unſeren Gymnaſien nach⸗ gewieſen zu haben. Mit ihm ſteht und fällt das Gymnaſium. Da gilt kein Paktieren und kein Kompromiß. Deshalb wehren wir uns auch, das Griechiſche auf den Gymnaſien wahlfrei zu machen und es mit dem Engliſchen zu vertauſchen, weil wir wiſſen, daß dann bald ſein letztes Stündlein geſchlagen hätte. Das hieße, ſelbſt den Aſt abſägen, auf dem wir ſitzen, und dem Feinde eine Brücke in unſer Lager bauen.

In unſerem Kaiſer⸗Friedrichs⸗Gymnaſium ſind in den 25 Jahren ſeines Beſtehens unſere Schüler ſtets in dem von mir geſchilderten Geiſte unterrichtet worden. Von den Lehrern, die heute vor 25 Jahren in unſer Gymnaſium eintraten, zieren noch vier heute unſere Schule. Sie feiern mit dieſer heute ihr 25jähriges Jubiläum. Von herzen wünſchen wir ihnen Glück zu dieſem Feſte und ſprechen die Hoffnung aus, daß ſie unſerer Anſtalt noch lange in Friſche und Geſundheit des Uörpers und des Geiſtes erhalten bleiben mögen. Unſer erſter Direktor, der die ſchwierige Aufgabe übernommen hatte, in unſerer Stadt das erſte ſtaatliche Gymnaſium einzurichten und dieſe Aufgabe mit ſeltenem Geſchick gelöſt hat, er iſt durch ſein warmes Eintreten für die Sache des humaniſtiſchen Gymnaſiums weit und breit bekannt. Wie er ſchon heute vor 25 Jahren hier an dieſem Platze das Betreiben des Griechiſchen als die Hauptaufgabe des humaniſtiſchen Gymnaſiums hingeſtellt hat, ſo hat er es 18 ½ Jahre bis zu ſeinem letzten Wirken in unſerer Schule hochgehalten.

In demſelben Geiſte führte unſer zweiter Direktor ſein Amt. So ſehr er auch den Forderungen der Gegenwart und des Zeitgeiſtes gerecht zu werden beſtrebt war, als echter humaniſt wahrte er doch dem Griechiſchen ſein Stellung.