Aufsatz 
Kritik des Abschnittes "Die modalen Kategorien" in Trendelenburgs logischen Untersuchungen
Entstehung
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Ueber der Wirklichkeit ſteht die Nothwendigkeit. Dieſen höchſt ſchwierigen Begriff hat Trendelenburg nur umſchrieben und erläutert, nicht aber definirt. Er zeigt uns, wie etwas nothwendig wird, aber was die Nothwendigkeit ſelbſt iſt, begreifen wir nicht; ihr Warum iſt eben ſie ſelbſt, die Nothwendigkeit. Aus dieſem Cirkel kommen wir trotz allen Scharfſinnes, den Trendelenburg aufbietet, nicht heraus. Zur Verdeutlichung des Begriffes Nothwendigkeit nimmt er zwei Erklärungen zu Hilfe, eine nega⸗ tive und eine poſitive, welche ſich gegenſeitig ergänzen und unterſtützen ſollen. In der negativen Er⸗ klärung des in Rede ſtehenden Begriffes geht er von der gewöhnlichen Definition der Nothwendig⸗ keit aus, welche beſagt, daß ſie die Unmöglichkeit ihres Gegentheils bedeute. Obwohl er dieſelbe nun ungeachtet ihres beſonderen logiſchen Scheines, indem ſie durch die Negation der Negation, alſo durch das reine Denken, hervorgebracht wird, an und für ſich verwirft, weil ſie das Nothwendige durch ſich ſelbſt erklärt und dies mit vollem Recht, denn es iſt offenbar ein Cirkel, zu ſagen, noth⸗ wendig iſt das, deſſen Gegentheil nothwendig nicht iſt will er dieſe negative Fixirung der Noth⸗ wendigkeit doch nicht ganz miſſen; er faßt ſie vielmehr als die Unmöglichkeit jedes beliebigen Anderen und glaubt, daß ſie in dieſer Form verwerthbar ſei. Begrifflich iſt natürlich durch dieſe Erklärung eben ſo wenig gewonnen wie durch die eben verworfene, da ſie ſich in demſelben Cirkel bewegt. Des⸗ halb legt ihr Trendelenburg auch nur einen praktiſchen Werth bei. Damit tritt er aber aus dem Bereiche der abſtracten Begriffsbeſtimmung heraus und ſtatt zu erklären, was das Nothwendige iſt, verſucht er zu zeigen, wie es in natura entſteht. Um das Nothwendige hervorzubringen iſt ein zweifaches erforderlich: eine erzeugende und eine bewahrende, behütende Thätigkeit. Als dieſe letz⸗ tere gilt die negative Seite der Nothwendigkeit, welche der hervorbringenden Thätigkeit ſchützend beiſteht, jeden fremden Einfluß von ihr abhält, damit die Sache weder nach rechts, noch nach links abirre, ſondern ſtets ihren geraden Weg verfolge. Die Wichtigkeit dieſer verhütenden Macht ver⸗ anſchaulichen uns paſſend gewählte Beiſpiele aus der Natur: die Vorſorge in dem Bau des Auges, das ſchützende Diaphragma der Iris, das ſchwarze Pigment der Augenwände, die verhütete Farben⸗ zerſtreuung der Medien u. ſ. f. Allein durch alles das begreifen wir nichts von dem Weſen der Nothwendigkeit. Mag die verhütende Macht ein Stoß oder Druck äußerer Verhältniſſe ſein, oder mag, wie in der Nothwendigkeit der Freiheit, unſere eigene Freiheit im Hinblick auf einen höheren Zweck ſich einen äußeren Zwang erborgen, immer ſteht hinter der verhütenden Macht die Noth⸗ wendigkeit im Hintergrund, bewirkend, daß jene Macht immerfort verhütet. Laſſen wir die Noth⸗ wendigkeit ſchwinden, ſo wird auch bald das Verhüten ſein Ende erreicht haben. Wir können dem⸗ nach nur mit Hilfe des Nothwendigen das Verhüten begreifen, nicht aber fällt umgekehrt aus die⸗ ſem auch nur ein mattes Streiflicht auf jenes. Die negative Macht hat aber, wie ſchon bemerkt keinen ſelbſtändigen Werth. Sie ſoll nur eine Hilfe der das Nothwendige erzeugenden poſitiven Thätigkeit ſein. Worin beſteht nun dieſe? Hören wir Trendelenburgs eigene Worte:Wenn auf jenem erſten Wege der Verſuch angeſtellt wurde, ob ſich der betreffende Begriff auch anders ver⸗ halten könne, ſo verſagt der Geiſt zuerſt die Anerkennung, bis ihm dieſe abgenöthigt wird. Es iſt dies ſein Intereſſe, in der Anerkennung ſich ſeiner bewußt und gewiß zu ſein, und dies geſchieht in dem Verſuche des Gegentheils. Daher iſt das Nothwendige als dasNicht nicht zu denkende be⸗ ſtimmt worden. Die Anerkennung iſt darin als etwas Weſentliches angedeutet und der Sprachge⸗ brauch beſtätigt ſie. Wir ſprechen zwar von einem nothwendigen Verhängniß, in dem, wie es ſcheint, nur die blinde Gewalt herrſcht...... aber wir nennen es doch erſt nothwendig, wenn ſich das Denken, das eine Ausflucht der Freiheit ſucht, gefangen ergibt. Erſt wenn die Ereigniſſe