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gewonnen! Doch wir wollen dieſe Prinzipienfrage auf ſich beruhen laſſen und die modalen Kategorieen Trendelenburgs innerhalb ihres eigenen Prinzipes beurtheilen.
Die mit großem Scharfſinne geführten Unterſuchungen kommen zu dem negativen Reſultat, daß die Kantſche und Hegelſche Auffaſſungsweiſe der Kategorieen der Modalität als gleich einſeitig verworfen werden müßten und zu dem poſitiven, daß die richtige Löſung der Frage durch Ver⸗ ſchmelzung beider Anſichten gewonnen würde.
Was zunächſt Kant betrifft, ſo unterſcheiden ſich nach ihm die Kategorieen der Modalität von den verwandten Kategorieen der Quantität, Qualität und Relation dadurch, daß ſie durchaus nichts zum Inhalte des Urtheils beitragen, ſondern nur eine engere oder loſere Verbindung zwiſchen dem Objecte und dem denkenden Subjecte ausdrücken. Denn außer Größe, Qualität und Verhältniß ſei nichts mehr vorhanden, was den Inhalt eines Urtheils ausmachen könne, wohl aber ſei es denk⸗ bar, daß man von dem ſchon ganz vollſtändigen Begriffe frage, ob er blos möglich oder auch wirklich oder, wenn das letztere der Fall, ob er nicht gar nothwendig ſei. Dadurch würden die Beſtim⸗ mungen des Objectes nicht im mindeſten alterirt, ſondern es würde nur eine größere oder geringere Innigkeit in der Verbindung des Objectes mit dem denkenden Geiſte ausgedrückt.
Die Hegelſche Anſicht ſteht der Kantſchen diametral entgegen. Will Kant die Kategorieen der Modalität nur als Beſtimmtheiten des Denkens gelten laſſen und ihnen alle und jede Ojectivität abſprechen, ſo ſoll nach Hegel auch nicht eine Spur des hineinſcheinenden ſubjectiven Geiſtes in ihnen zu finden ſein. Es bedeutet hiernach der Begriff Wirklichkeit die unmittelbar gewordene Ein⸗ heit des Weſens und der Exiſtenz oder des Inneren und des Aeußeren. Die Wirklichkeit ent⸗ wickelt alsdann die in ihr liegenden Beſtimmungen.„Als Identität überhaupt iſt ſie zunächſt die Möglichkeit, die Reflexion in ſich, welche als der concreten Einheit des Wirklichen gegenüber als die abſtracte und unweſentliche Weſentlichkeit geſetzt iſt. Die Möglichkeit iſt das Weſentliche zur Wirklichkeit, aber ſie iſt zugleich nur Möglichkeit.“ Die Möglichkeit befaßt alſo das Weſen oder das Innere des Seins mit Ausſchluß ſeiner äußeren Exiſtenz.„Das Wirkliche aber in ſeinem Unter⸗ ſchiede von der Möglichkeit als der Reflexion in ſich iſt ſelbſt nur das äußerliche Concrete, das un⸗ weſentliche Unmittelbare.“ Wir denken uns alſo hier das Aeußere aus dem Wirklichen herausge⸗ hoben. Die Reflexion in ſich ergibt den Begriff des Zufälligen. Dieſe Aeußerlichkeit des Wirklichen beſteht näher darin, daß ſie als Vermittlung iſt Möglichkeit eines Anderen, Bedingung. Wenn man ſich nun die an und für ſich geſetzte Möglichkeit und Zufälligkeit in einander bewegen läßt, ſo erhält man den Begriff der Nothwendigkeit. Dieſe iſt die entwickelte Wirklichkeit, der in Eins fallende Wechſel des Inneren und Aeußeren, der Wechſel ihrer entgegengeſetzten Bewegungen, die zu einer Bewegung vereint ſind.
Die eben kurz dargelegte Hegelſche Auffaſſung der modalen Kategorieen verwirft Trendelenburg mit vollem Rechte, da die durch mühſame Deductionen herangezogene Objectivität der in Rede ſtehenden Begriffe doch nur eine ſcheinbare iſt. Hegel läßt zunächſt die beiden das Wirkliche con⸗ ſtituirenden Begriffe des Inneren und des Aeußeren ſich trennen und in ſich reflectiren. Wie ſoll ſich indeſſen dieſe Scheidung der eng verwachſenen Begriffe und ſodann das auf ſich ſelbſt Zurückwerfen derſelben objectiv vollziehen? Das iſt ein Vorgang, den unſer Denken ſich vorzaubern muß, der aber nimmer Anſpruch auf Realität erheben kann. Demnach hat die Hegelſche Objectivität der Möglichkeit und Zufälligkeit in ſich ſelbſt keinen Halt. Endlich entſpricht die von Hegel gegebene


