Aufsatz 
Kritik des Abschnittes "Die modalen Kategorien" in Trendelenburgs logischen Untersuchungen
Entstehung
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des AbſchnittesDie modalen Rategorieen in Trendelenburgs logiſchen Anterſuchungen.

Das Prinzip, von welchem Trendelenburg in ſeinen logiſchen Unterſuchungen ausgeht, iſt die Bewegung. Die Bewegung iſt nach ſeiner Auffaſſung die erſte und urſprüngliche Thätigkeit des Seins nicht nur, ſondern auch des Denkens, deshalb muß in ihr der Punkt liegen, in welchem Geiſt und Materie ſich vereinigen und ihre Gegenſätze überwinden. Die Einwirkung der Außenwelt auf unſere Sinne vermittelt die Bewegung und die von außen kommende wird von der im Geiſte thätigen ergriffen und geordnet. Durch dieſe erſte ſchöpferiſche That unſeres Denkens entſtehen für den Geiſt die Grundbegriffe oder Kategorieen. Sie heißen reale, wenn das Denken durch ſie das Weſen der Dinge ausdrückt, modale, wenn ſie Momente der erkennenden Thätigkeit zu ihrem In⸗ halte haben. Während Trendelenburg in der Behandlung der realen Kategorieen das Prinzip der Bewegung conſequent durchgeführt hat, hat er an die Spitze der zweiten Häfte der Kategorieen den Begriff des Zweckes geſetzt, ſucht denſelben jedoch auf die Bewegung zurückzuführen und mit derſelben für identiſch zu erklären.

Das Trendelenburg'ſche Prinzip der Bewegung hat an Ulrici einen energiſchen Gegner gefun⸗ den, der nachzuweiſen ſucht, daß nicht die Bewegung das Urſprüngliche ſei, ſondern daß dieſe viel⸗ mehr an der unterſcheidenden, beſtimmenden, beziehenden Thätigkeit ihr Prius, ihren Grund und ihr Prinzip habe. Deshalb müßte jener unterſcheidenden Thätigkeit in der Logik der Vorrang vor der Bewegung eingeräumt und aus ihr müßten auch die Kategorieen abgeleitet werden.

Dieſe Andeutungen über das Prinzip Trendelenburgs und über den entgegengeſetzten Standpunct Ulrici's mögen hier genügen, zumal eine Beurtheilung dergleichen ſubjectiven Anſichten mißlich iſt und ſchließlich keinen weiteren Vorzug haben würde, als daß ſie ſelbſt eine ſubjective Anſicht wäre. Das Eine muß allerdings jedem Unbefangenen an dem Trendelenburg'ſchen Prinzip der Bewegung verdächtig erſcheinen, daß es zu Anfang des zweiten Bandes der logiſchen Unterſuchungen aufgegeben und der Begriff des Zweckes ſubſtituirt wird. Freilich wird an hervorragenden Thatſachen der Er⸗ fahrung der Nachweis verſucht, daß Zweck und Bewegung identiſch ſeien; doch wird der Widerſpruch zwiſchen beiden Prinzipien nur ſcheinbar gehoben; denn ſteht es einmal feſt, daß die Bewegung allein nicht zulangt, um die ganze Erfahrung zu beherrſchen, ſo kann doch unmöglich das neue Element, deſſen wir bedürfen, ebenfalls wieder Bewegung ſein; wir hätten ja dadurch gar nichts