ladung hin unter den Mitgliedern Platz nehmen durften, und Dumas machte ihnen in seinem Laboratorium in eigener Person eine Dampfdichtebestimmung nach seiner berühmten Methode:). Zwei Jahre darauf(1835) machte Wöhler in Gemeinschaft mit Gustav Magnus und dessen jüngerem Bruder, dem Arzte, eine Reise durch England. Die Freunde besuchten viele technische Etablissements in Worcester, Birmingham und Manchester. Von hier nach Liverpool fuhren sie, und zwar zum erstenmal in ihrem Leben, auf der Eisenbahn, die damals noch die einzige in England war und ihr lebhaftes Erstaunen erregte*). Auch auf dieser Reise machten Wöhler und seine Begleiter eine Reihe von interessanten Bekanntschaften. In dem Laboratorium der„Royal Institution“³)(sprich: roöiel institjuschen) in London besuchten sie den damals schon hochbe- rühmten Chemiker und Physiker Michael Faraday“), der sie auf das liebenswürdigste aufnahm, sie persönlich in mehrere Fabriken führte, auch mit Empfehlungen versah. Dabei kam noch das Komische vor, daß er unseren Freund anfangs für den Sohn des ihm als Chemiker bekannten Wöhler hielt,„weil ich,“ sagt Wöhler,„wegen meiner Dünnheit noch sehr jung aussah.“(Die schlanke Figur behielt Wöhler bis ins Alter. Wie er bereits 70 Jahre alt war, schrieb er einmal an Liebig:„lch bin so mager, das man an mir Anatomie studieren könnte.“) In London be- suchten die Reisenden auch den schwerhörenden Chemiker William Prout und in Manchester
Académie des Beaux-Arts; 5. Klasse, Académie des sciences morales etpolitiques. Die Sitzungen des Instituts finden statt in dem auf dem linken Seineufer, am Pont des Arts dem Louvre gegenüber, gelegenen Palais de l'Institut. Die einzelnen Klassen sind selbständig und ergänzen sich durch freie Wahl. Ganz unabhängig vom gustitut ist die Académie de médecine. Wöhler wohnte der Sitzung der 3. Klasse bei.
¹) Die Dumas'sche Dampfdichtebestimmung beruht, im Gegensatze zur Gay-Lussac'schen und Hofmann'- schen Methode, darauf, daß ein genau zu messendes Volum des betreffenden Dampfes bei bestimmter Temperatur und bestimmtem Druck gewogen wird. Da das Gewicht eines gleichgroßen Volums Luft(bzw. Wasserstoff) leicht zu berechnen ist, hat man alle Elemente zur Ermittelung der Dichte jenes Dampfes. Dumas konstruiert 1826 einen Apparat für diese Dampfdichtebestimmung und berechnet mit Hilfe der Dampfdichte der Chloride (und Fluoride) die Atomgewichte des Phosphors, Arsens und Bors. Für das Chloroform, OHCI,, und das Chloral, CCl.CHO, die Liebig 1831 bzw. 1832 entdeckt hat(der erstgenannte Stoff wird gleichzeitig auch von Eugène Soubeiran entdeckt), gibt Dum as 1834, gestützt auf die Dampfdichtebestimmung, erst die richtigen Formeln und die Umsetzungsgleichung für die Entstehung des Chloroforms aus Chloral. (Näheres über Dumas: Hofmann,„Zur Erinnerung usw.“, Bd. II).
²) Man bezeichnet oft als die erste Eisenbahn die im Sept. 1825 eröffnetelBahn zwischen Darlington und Stockton (in Nordengland am Tees). Doch war diese, unter Georg Stephensons Leitung erbaute, Bann eigentlich nur zur Befôrderung von Gütern, hauptsächl. Kohien, bestimmt und wurde anfangs meist noch mit Pferden betrieben, nur zum Ziehen grôßerer Wagenreihen dienten drei Lokomotiven. Wenngleich der Verkehr auf der Bahn sich bald auch auf Personen erstreckte, so war es dennochi bei der geringen Bedeutung und Ent- fernung(etwa 30 km) der beiden Orte nur ein bescheidenes Unternehmen. Als Geburtstag unserer heutigen Eisenbahnen darf der 15. Sept. 1830 gelten, an dem die erste größere Eisenbahnstrecke, die obenerwähnte von Manchester nach Liverpool, in Gegenwart des Herzogs von Wellington, eröffnet wurde. Auch beim Bau dieser Bahn war Georg Stephenson Oberingenieur, und es wurden nur von ihm und seinem Sohne Robert gebaute Lokomotiven benutzt(„Rocket“,„Northumbrian“,„Phönix“ usw.). Auf der ganzen Bahnstrecke waren 63 Brücken und Durchlässe zu bauen, außer dem großen Sankey-Viadukt, der in 70 Fuß Hôhe mit neun, 50 Fuß weiten Bogen über den Sankey⸗Kanal hinwegführte. Ein großer, 2000 Fuß langer Tunnel mußte dicht vor Liverpool angelegt werden.— Die erste Eisenbahn in Deutschland wurde 1835 eröffnet. Es war die nur 6 km lange Strecke Nürnberg-Fürth.
³) Die Royal Institution in London ist eine Anstalt, deren Hauptzweck es ist, die Kenntnis der Naturwissenschaften durch leichtfassliche, von Experimenten begleitete Vorträge in mõglichst weite Kreise zu tragen. In Frankreich entspricht ihr in gewissem Sinne das Collège de France und in Deutschland die Volkshochschule. Die Royal Institution darf nicht verwechselt werden mit der Royal Society(sprich roiel Foßaieti), einer gelehrten Ge- sellschaft, die dem Institut de France und der Berliner oder Münchener Akademie der Wissenschaften entspricht.
⁴) Michael Faraday(sprich färräde), Chemiker und Physiker, geb. 1791 als eines Grobschmieds Sohn, gest. 1867, ein tiefer Denker und genialer Experimentator, einer der Großen der Menschheit. Von 1804—1813 Buchbinder. Hört in der Royal Institution Davys Vorlesungen über Chemie, die er ihm ausgearbeitet und mit Zeichnungen versehen einsendet mit der Bitte, ihm weiterzuhelfen. Wird daraufhin von Davy am 13. März 1813 als Assistent am chem. Laborat. der Royal Institution angenommen und begleitet ihn auf seiner Reise nach dem Kontinent (Frankreich, ltalien, Schweiz, Tirol usw.), die von Okt. 1813 bis April 1815 dauert. Wird 1827, als Nachfolger Davys, Prof. der Chemie an der Royal Institution. Macht besonders in seinen jüngeren Jahren viele chemische Untersuchungen, er verflüssigt 1823 das Chlor, entdeckt 1825 das Benzol. Von 1831 ab wendet er sich physik. Arbeiten zu, die das Gebiet des Magnetismus und der Flektrizität betreffen: er entdeckt 1831 die Volta- und Magnetinduktion, die Grundlage der Elektrotechnik, und 1833 das elektrolytische Grund- gesetz, führt die Begriffe Elektrolyse, Elektrolyt, Elektroden, Anode, Kathode, Anion, Kation, Jonen in die Wissenschaft ein, entdeckt 1835 den Extrastrom, 1846 und 47 die Drehung der Polarisations- ebene des Lichts durch den Magnet und durch den elektr. Strom, spricht den Gedanken der Einheit von Licht, Wärme und Elektrizität aus, entdeckt 1849 den Diamagnetismus, 1852 und 53 die Magnet- und elektr. Kraft- linien, untersucht 1842 die Bestandteile der Flamme, indem er ihre einzelnen Schichten absaugt, verdichtet 1845 den Jod- und Bromwasserstoff und entdeckt 1857 ein Goldhydrosol. Von seinen Schriften ist die berühmteste gdie Naturgeschichte einer Kerze,“ sechs Vorlesungen für die Jugend, die nach seiner Absicht das Eingangstor in das Studium der Natur bilden sollen.
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