Neuhausen bei Schaffhausen, wo die billige Wasserkraft des Rheinfalls zur Erzeugung der Elektrizität zur Verfügung steht, den Preis für das Kilogramm, der bereits 1890 nur noch 14 ℳ betrug, auf 5 ℳ berabsetzte. Im Jahre 1900 kostete das Kilogramm bloß noch 2 ℳ.. Die Welt- produktion des Metalls, die 1888 30 Tonnen betragen hatte, steigerte sich bis zum Jahre 1908 auf etwa 19 000 Tonnen und betrug 1918 196 700 t. Hierzu trugen bei: Ver. Staaten 102000 t, Kanada 15000 t, Deutschland, Oesterreich-Ungarn und Schweiz zusammen 34 000 t, Frankreich 12000 t, England 14000 t, ltalien 1700 t, Norwegen 18000 t¹). Die Aluminiumfabrikation lohnt nur dort, wo man durch Benutzung großer Wasserkräfte oder billiger Brennstoffe(Braunkohle) elektrische Ströme erzeugen kann.
In Deutschland bestand vor dem Weltkriege nur ein Aluminiumwerk in Rheinfelden (Baden) mit einer jährlichen Leistung von etwa 800 t, hierzu kamen im Kriege die Aluminium- werke bei Bitterfeld(4000 t), bei Grevenbroich an der Erft(14000 t) und das Lautawerk bei Hoyerswerda, ILausitz(14000 t). 1923 begann man mit dem Bau eines Werkes am Inn bei Mühldorf. Nur bei diesem und dem Rheinfeldener Werk liefern Wasserkräfte die nötigen Energiemengen, bei den anderen Werken Braunkohle. 1923 war die gesamte deutsche Erzeugung auf rund 50000 t Aluminium gestiegen. 1 kg Aluminium braucht 30 KWsSt.
Wegen seiner Leichtigkeit(seine Dichte oder spezifisches Gewicht beträgt 2,7, d. h. 1 com des Metalls wiegt 2,7 g), seiner Festigkeit und Luftbeständigkeit findet das Aluminium vielseitige Verwendung: zu— aus einem Stück gestanzten— Kochgeschirren, Militärfeldkesseln und Feld- flaschen, zu Löffeln und Gabeln, wegen seiner Widerstandsfähigkeit gegen Salpetersäure zur Herstellung großer autogengeschweißter Gefäße für verschiedene Zwecke der chemischen Industrie, als Blech in der Reproduktionstechnik(Algraphie oder Aluminiumdruck), in der Stahlindustrie— die die Hauptmenge des Aluminiums verbraucht— zur Reduktion des die Güte des Stahls be- einträchtigenden gelösten Eisenoxyduls, zur Herstellung kohlenstoffreier Metalle, wie Mangan und Chrom, und zur bequemen Erzeugung von flüssigem Eisen für das Verschweißen von Schienen, gebrochenen Schiffswellen u. s. w.(Verfahren von Hans Goldschmidt:) oder Aluminothermie, auf dem großen chemischen Energieinhalt oder der großen Verbrennungs- wärme des Aluminiums beruhend), als Draht zu elektrischen Leitungen, als Folie an Stelle von Stanniol, in Form feinsten Pulvers zur Herstellung von Sprengstoffen(Ammonal), ferner in? der Feuerwerkerei. Das Zeppelinluftschiff erhält die starre Form durch ein Gitterwerk von Aluminiumträgern, das mit Leinwand überspannt ist. Im Innern befinden sich dann als wirkliche Träger des Fahrzeugs nebeneinander 17 einzelne unstarre, mit Wasserstoff- oder Heliumgas ge- füllte Ballons, die sog. Ballonetts. Besondere Bedeutung besitzen für die Technik auch die Aluminiumlegierungen. Die wichtigste ist die Aluminiumbronze, eine Legierung aus Kupfer und Aluminium(5— 8%); sie hat goldähnliche Farbe, läßt sich sehr gut verarbeiten und erreicht Festigkeiten wie Stahl. Eine andere Legierung, das Magnalium, ist eine Mischung mit gewöhnlich 2-3% Magnesium; sie läßt sich, zum Unterschied vom Aluminium, feilen, drehen, polieren und findet unter anderm Verwendung in der Zahntechnik bei der Herstellung künstlicher Gebisse. Die jüngste Legierung ist das Duralumin(Hartaluminium) mit 0,5% Magnesium, 3,5(bis 5,5% Kupfer, 0,5 bis 0,8% Mangan. Das Duralumin wird für Klanginstrumente und für Luftschiff-, Flugzeug- und Kraftwagenbau verwendet.
Der Name Aluminium rührt übrigens her von dem lateinischen Worte„alumen“, was Alaun bedeutet; in diesem lange bekannten Salze ist Aluminium als wichtigster chemischer Bestandteil enthalten.—
Nach demselben Verfahren, nach dem Wöhler das Aluminium isoliert hatte, gelingt es ihm 1828 in Berlin auch, das seltene Metall Beryllium zu entdecken, das er aus der von Vauquelin 1797 entdeckten Beryllerde, BeO, ausscheidet indem er sie nach der Oersted'schen Methode in Chlorberyllium, BeCla, überführt und dieses durch Kalium reduziert. Alle übrigen Arbeiten der Berliner Periode werden aber in den Schatten gestellt durch die von Wöhler im Jahre 1828 gefundene künstliche Darstellung(Synthese) des Harnstoffs. Der Harn- stoff wurde im Harne entdeckt von Guillaume François Rouelle(1703— 1770), dem Lehrer Lavoisiers. Antoine François de Fourcroy:) und sein Mitarbeiter Louis
¹) Vgl. Lehrbuch der chem Technologie u. Metallurgie von Dr. Bernh. Neumann, 2. Aufl., S 345 ff. ²) Dr. Hans Goldschmidt(1861—1923), Chemiker in Essen, geborener Berliner.
³) Antoine François de Fourcroy(1755— 1809), Apothekenbesitzer und Prof. der Chemie in Paris, wirkte ganz besonders kräftig durch Wort und Schrift für die Verbreitung der neuen antiphlogistischen Lehre Lavoisiers. (Antoine Laurent Lavoisier, 1743— 1794, Mathematiker und Physiker, in seiner Eigenschaft als General- pächter während der großen franzôs. Revolution durch das Fallbeil hingerichtet. Er stürzte durch die Anwendung der Wage, und sich Stützend auf die 1774 erfolgte Entdeckung des Sauerstoffes, die von Ernst Stahl in Halle(1660— 1734) im Jahre 1697 entwickelte sog. Phlogistontheorie und erklärte die Verbrennungser- scheinungen richtig als Oxydationsvorgänge).
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