Aufsatz 
Der Rochusberg bei Bingen in seiner Bedeutung für den naturgeschichtlichen Unterricht
Entstehung
Einzelbild herunterladen

24 b

ſträucher(Ligustrum vulgare) mit ſchwarzen Beeren und mit lanzettförmigen Blättern, auf denen ſich die bekannte, hellgrüne, halbweiß⸗halblila ſchräggeſtreifte Schwanzhornraupe des Liguſterſchwärmers findet.

Ferner finden ſich zahlreiche Haſelſträucher(Corylus avellana) mit paarweiſe oder zu dreien bei einander hängenden Kätzchen und ebenfalls nicht ſelten der Alpen⸗Johannisbeerſtrauch(Ribes alpinum) und der Spindelbaum oder das Pfaffenhütlein(Evonymus europaeus) mit ſcharlachroten, vierkantigen Kapſel⸗ früchten, deren Samen einen gelbroten Samenmantel beſitzen(Farbe der Früchte und Samen Anlok⸗ kungsmittel:Rotkehlchenbrot), weniger häufig der Faulbaum oder das Pulverholz(Rhamnus fran- gula) mit anfangs roten, dann ſchwarzen Beeren und der Kreuzdorn(Rhamnus cathartica) mit ſchwarzen Beeren. Häufig wächſt auf dem Scharlachkopf der wollige Schneeball(Viburnum lan- tana), auf deſſen weißen Blütenſtänden der Gold⸗ oder Roſenkäfer(Cetonia aurata) ſehr ge⸗ wöhnlich anzutreffen iſt, und deſſen abgeplattete Beeren anfangs weißlich, dann rot und zuletzt ſchwarz ausſehen. Ebenſo häufig ſind auf dem Scharlachkopf der Hartriegel oder rote Hornſtrauch (Cornus sanguinea) mit weißen Blüten und ſchwarzen Früchten und die beiden Geißblattarten, das ſchlingende Geißblatt(Lonicera periclymenum), deſſen langröhrige Blüten gern vom Liguſterſchwär⸗ mer beſucht werden, und das Heckengeißblatt oder die Heckenkirſche(Lonicera xylosteum), auf deſſen Zweigen ſich oft eine wollige Blattlausart findet, beide Geißblattarten mit roten Bceren. In der Nähe der Schützenhalle findet ſich die an Bäumen emporkletternde, die Lianen der Tropenwelt in unſern Wäldern repräſentierende Waldrebe, auch Teufelszwirn genannt(Clematis vitalba), deren Früchte durch die nach dem Verblühen fortwachſenden, ſeidenglänzenden, gefiederten Griffel ein eigenartiges Ausſehen erhalten. In dem Kiefernwäldchen auf dem Kempter Eck kommt der Sauerdorn oder die Berberitze (Berberis vulgaris) vor, mit ſchöngelben Blüten und roten Früchtchen. Weißdorn oder Hagedorn (Crataegus oxyacantha) mit fiederförmig gelappten, glänzenden Blättern und roten Apfelfrüchten und Schwarzdorn oder Schlehe(Prunus spinosa) mit ganzen, am Rande geſägten Blättchen und blauen Steinfrüchten finden ſich, ebenſo wie die bekannte Brombeere(Rubus), auf deren Laub die Raupe des Brombeerſpiuners, die ſogen.Bärenraupe, lebt, auf dem ganzen Berge. Der ſchwarze Hollunder(Sambucus nigra) mit ſchwarzen Beeren(beliebtes Vogelfutter) iſt, wie überall, ſo auch⸗ hier gemein, der ſeltenere Berg⸗ oder Traubeuhollunder(Sambucus racemosa) mit roten Beeren findet ſich im Steinbruch am Kempter Eck. Ebendaſelbſt wächſt auch eine intereſſante wilde Roſe, die Wein⸗ oder Roſtroſe(Rosa rubiginosa), deren Blätter ſtark nach Äpfeln oder nach Eſſig⸗Ather riechen. End⸗ lich treffen wir in der Nähe der Kapelle und in den Hiſſeln unter derſelben zwei Felſenſträucher an, die unſere Aufmerkſamkeit durch ihre hübſchen Blüten erregen, die Felſenbirne(Aronia rotundifolia) mit anſehnlichen, weißen Blüten und ſchwarzen, an Heidelbeeren erinnernden Früchtchen, und die Stein⸗ miſpel(Cotoneaster vulgaris) mit kleinen roſaroten Blüten und kirſchroten Früchtchen.

Von den niedrigen Pflanzen, den Kryptogamen und den phanerogamiſchen Krautgewächſen, die auf dem Rochusberge wachſen, werden in folgendem hauptſächlich diejenigen erwähnt werden, die für die Schule, ſei es durch ihr maſſenhaftes Auftreten, oder ſei es durch ihre morphologifchen oder bio⸗ logiſchen Eigentümlichkeiten, Intereſſe haben. Kein vollſtändiges Verzeichnis, ſondern nur eine Ausleſe ſoll alſo geboten werden. Der Waldboden iſt an den lichteren Stellen mit Gräſern mannigfaltiger Art bewachſen und an den ſteinigen, quarzitigen Stellen, beſonders des Scharlachkopfs, mit Heidekraut (Calluna vulgaris) bedeckt, deſſen roſarote, honigreiche Glöckchen im Spätſommer einen artigen Schmuck der felſigen Hänge bilden. Unter das Heidekraut miſcht ſich die allbekannte und allbeliebte Heidelbeere, deren rote kugelrunde Blüten bereits im Mai und Juni erſcheinen, um bald von dem unterſtändigen, bei der Reife ſich ſchwarz färbenden Fruchtknoten, der ſpäteren Heidelbeere, abzufallen.

Den vorhin erwähnten Gräſern müſſen wir noch für einige Augenblicke Beachtung ſchenken. Ueberall häufig finden ſich Riſpengras(Poa), Straußgras(Agrostis), Knäuelgras(Dacty- lis glomerata). Im Kiefernwäldchen auf dem Kempter Eck wächſt das hübſche Zittergras(Briza media) mit violetten, herzförmigen Ahrchen, die an langen, dünnen Stielchen hin und herſchwanken, und an der äußeren Seite der Mauer des Scharlachrondells findet ſich das ſonſt ziemlich ſeltene ge⸗ wimperte Perlgras(Melica ciliata), deſſen dicht beieinanderſtehende Ährchen mit langen, weißen, ſei⸗ denartigen Haaren beſetzt ſind.

Wir wenden uns zu den Kryptogamen des Rochusberges. An feuchten Stellen des Schar⸗