XI
zur Verteidigung des Vaterlandes in das Heer drängte, fanden Notprüfungen und be- schleunigte Reifeprüfungen statt, in denen 12 Primaner bestanden und sogleich die Schule verließen, um in das Heer einzutreten.
Aus dem Lehrerkollegium trat Oberlehrer Berge als Kriegsfreiwilliger ein, wäh- rend Professor Dr. Wiebrecht als Oberleutnant d.L. eingezogen wurde. Er wurde am 24. Oktober bei Dixmuiden verwundet, Ende November mit dem Eisernen Kreuze ausgezeichnet und zugleich zum Hauptmann der Landwehr befördert. Auch Pastor Oelker wurde zum Dienst im Lazarett einberufen, jedoch bis zum 10. November wieder entlassen. Am 17. Dezember verließ Professor Klügel, der gleich mit Beginn des Krieges sich zur Verfügung gestellt hatte und wiederholt zu militärischer Dienstleistung herangezogen war, für die Dauer des Krieges die Anstalt, um in Han- nover beim Hauptbekleidungsamt als Hauptmann und Kompagnieführer beschäftigt zu werden.
Am 2. September wurde der Sedantag mit einem Te Deum in der Aula festlich begangen.
Am 26. September wurde das Sommerhalbjahr mit einer Andacht in der Aula geschlossen. Die Andacht hielt der Direktor, Schulrat Professor Dr. Müller, ab und nahm darauf, da er zum 1. Oktober in den von ihm erbetenen und von der vorgesetzten Behörde bewilligten Ruhestand zu treten beabsichtigte, in herzlichen und bewegten Worten von dem Kollegium und der ihm so teuren Anstalt Abschied, die er seit dem 1. Oktober 1885, also 29 Jahre, geleitet hatte. Er schloß mit dem berzlichen Wunsche, daß die Anstalt stets eine rechte Pflegestätte christlicher Frömmigkeit, vaterländischer Gesinnung und der humanistischen Studien bleiben möge. Darauf trug der Sängerchor Albert Beckers Motette«Du gabst uns alles, was uns not» wirkungsvoll vor. Nach dem Chorgesange ergriff Professor Dr. Liesenberg das Wort, um dem scheidenden ge- "liebten und verehrten Direktor im Namen des Kollegiums den gebührenden Dank aus- zusprechen für alle die Mühe und unermüdliche Treue, mit der er so viele Jahre seines Amtes als Lehrer gewaltet und das Gymnasium als Direktor geleitet habe. Besonders betonte er den vorbildlichen Pflichteifer, den er, durch eine glückliche Gesundheit unterstützt, ohne jede Unterbrechung als Lehrer betätigt habe. Ausgerüstet mit einer gründlichen und umfassenden philosophischen, theologischen und philologischen Bildung habe er den Schülern der Prima im Religionsunterrichte und in der Lektüre der Klassiker, des Homer, Thukydides, Plato, Demosthenes und Horaz das Beste gegeben, was eine humanistische Anstalt ihren Zöglingen bieten könne: sie mit dem Geiste christlicher Liebe und echter Humanität erfüllt und für das Leben und das Vaterland zu tüchtigen Männern erzogen. Mit der Versicherung, daß dankbare Erinnerung für diese segens- reiche Tätigkeit des Scheidenden bei Lehrern und Schülern stets lebendig bleiben werde, wünschte der Sprechende zum Schlusse, daß es dem Schulrat Müller vergönnt sein möge, noch eine schöne Reihe von Jahren ungetrübten Glückes inmitten seiner Familie in bisheriger Gesundheit und freier Muße zu genießen. Darauf dankte Schulrat Müller herzlichst für alle ihm bewiesene Freundlichkeit sowie auch für die Abschiedsworte, die der Oberprimaner Otto Dützschhold als primus omnium dem scheidenden


