18 Wie stimmt dieser Schlußsatz mit Wallensteins eigenem Urteil überein: «Wenn ich nicht wirke mehr, bin ich vernichtet!»—
Damit kommen wir endlich zu dem Schicksal des Realisten und Idealisten. Auch es ist verschieden, der Dichter zeigt es uns in der Abhandlung und im Drama. Dort heißt es:....«er(der Realist) ist im Besitze, die Erde ist sein, und es ist Licht in seinem Verstande, und Zufriedenheit wohnt in seiner Brust!» Das trifft auf Wallenstein zu; er ruht selbstsicher in sich und seiner Anschauung, die ihm festen Boden unter die Füße gibt, er fühlt sich geborgen in der Abhängigkeit von der Naturnotwendigkeit. Darum die wundervolle Ruhe und Ergebung in alles, was kommen mag, in sein Schicksal:«Laß uns das Notwendige mit Würde,
Mit festem Schritte tun». Und:«Gib mir sein(Cäsars!) Glück, das andre willich tragen!».
Und demgegenüber Max, der Idealist!.«Der Idealist hat lange kein so gutes Schicksal. Nicht genug, daß er oft mit dem Glücke zerfällt, weil er versäumte, den Moment zu seinem Freunde zu machen, er zerfällt auch mit sich selbst, weder sein Wissen noch sein Handeln kann ihm Genüge tun. Was er von sich fordert, ist ein Unendliches, aber beschränkt ist alles, was er leistet.» Gewiß, auch der Herzog zerfällt mit dem Glücke, aber er zerfällt nicht mit sich selbst, wenigstens nicht dauernd: auch er muß kämpfen, aber er überwindet und findet Frieden in seiner Weltanschauung; vielleicht einen Frieden, um den wir ihn nicht beneiden werden! Aber Max zerfällt mit sich selbst, zerschellt an dem Unendlichen, das er von sich fordert. Das zeigt einmal der Auftritt, der ihn in einen«schmerzvollen Kampf» stürzt; das zeigt vor allem sein Ausgang: er kann aus dem Konflikte, in den ihn das Leben gestürzt hat, nur durch den selbstgewählten Tod heraus:«beschränkt ist, was er leistet!»—
Endlich hat der Auftritt II2 auch noch eine Bedeutung für die Handlung als solche. Kühnemann sagt, daß Max in ihm die Gewißheit erhält, sich von Wallenstein losreißen zumüssen. Das ist richtig. Von diesem Standpunkte aus betrachtet reiht sich der Auftritt an die zwischen Oktavio—Buttler und Oktavio—Isolani an und steht im engsten Zusammenhange mit den Auftritten 18, 21 und 23 im III. Aufzuge.
Einmal gehört er also in die Reihe derer, in denen uns Schiller den Abfall der Generale zeigen wollte— und er konnte den Abfall des ganzen Heeres nur in dem einiger besonders Herausgegriffener zeigen. Er wählt Isolani, den Leichtsinnigen, nur auf«Fortune» Bedachten, und Buttler, den Rachsucht auf Wallensteins Seite trieb, und den Rachsucht nun zurück zum Kaiser reißt, und Max, den Idealisten, der aus sitt- lichen Beweggründen die Sache des Herzogs verläßt. Dies durfte im Drama unter keinen Umständen fehlen. Die Loslösung jener vom Feldherrn ist rein äußerlich; Wallenstein selbst vergleicht den Abfall Isolanis mit dem Auffliegen des Vogels vom Zweige und sagt:«Mit meinem Glücke
Schloß er den Bund und bricht ihn, nicht mit mir.» Die Loslösung Maxens vollzieht sich innerlich und äußerlich, die innerliche in unserm Auftritte. Sie wird aufs tiefste als notwendig begründet: dem Vater und seinen


