Aufsatz 
Studien zu Schillers Wallenstein. I
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«Schnell fertig ist die Jugend mit dem Wort,

Das schwer sich handhabt, wie des Messers Schneide; Aus ihrem heißen Kopfe nimmt sie keck

Der Dinge Maß, die nur sich selber richten. Gleich heißt ihr alles schändlich oder würdig,

Bös oder gut und was die Einbildung Phantastisch schleppt in diesen dunkeln Namen,

Das bürdet sie den Sachen auf und Wesen.»

So stimmt das theoretische Bild des Realisten in der Abhandlung Zug für Zug überein mit dem des wirklichen Wallenstein im Drama, und mit dem ldealisten ist es ebenso.

Er wird zunächst ganz allgemein dahin charakterisiert, daß Schiller ihm am Schlusse von«Naive und sentimentalische, Dichtung» einen«unruhigen Spekulationsgeist, der auf das Unbedingte in allen Erkenntnissen dringt», zuschreibt; und im Handeln einen«moralischen. Rigorismus, der auf dem Unbedingten in Willenshandlungen be- stehet». Dabei ist er«durch die Notwendigkeit der Vernunft bestimmt» und nimmt «aus sich selbst und aus der bloßen Vernunft seine Erkenntnisse und Motive». Wir brauchen uns nur der eben angeführten Worte Wallensteins über Max zu erinnern, um die Ähnlichkeit zwischen Abhandlung und Drama(gewissermaßen zwischen Theorie und Praxis!) klar zu erkennen und zugleich uns zu vergegenwärtigen, daß Max das Unternehmen Wallensteins garnicht aus seinen natürlichen Bedingungen, etwa aus dem Zwange der Lage, wie Wallenstein es tut, beurteilt, sondern es«unbedingt» als Verrat verwirft und ein dementsprechendes Handeln vom Herzog verlangt. Während Wallenstein fragt:«Wozu ist der Krieg mit dem Kaiser mir gut?», fragt Max:«Ist er überhaupt gut?» Und er verneint natürlich die Frage.

Wenn Schiller sagt:«Was er(der Realist) liebt, wird er zu beglücken, der Idealist wird es zu veredeln suchen», so gibt er uns zwar für den ersten Teil des Satzes in Bezug auf Wallenstein in unserm Auftritte dafür keinen Beleg, doch wissen wir aus andern Stellen, daß die Behauptung für den Herzog zutrifft, aber daß Max den Freund mit seinen Mahnungen zu veredeln strebt, ist klar: er will ihm das Grundschlechte seines Tuns zu Gemüte führen und ihn davon zurückhalten. Und dabei zeigt er sich nicht etwa eng; er geht bis an eine äußerste Grenze, indem er dem Sichauswirken Wallensteins große Zugeständnisse macht, getreu seinem Bilde in der Abhandlung:«Der Idealist ist ein geschworener Feind alles Kleinlichen und Platten und wird sich selbst mit dem Extravaganten und Ungeheuren versöhnen, wenn es nur von einem großen Vermögen zeugt.» Damit vergleiche man eine getilgte Stelle:

«Was menschlich ist, geb ich dem Menschen zu, Und dem gewaltig strebenden Gemüt

Verzeih ich gern das Übermaß. Dir aber Besonders räum ich Großes ein vor andern; Denn du mußt herrschend eine Welt bewegen, Dich tötet, was zur Ruhe dich verdammt.»