Aufsatz 
Studien zu Schillers Wallenstein. I
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11 anderstellung dieser beiden Briefstellen scheint mir klar zu beweisen, daß mit der ersten, im Februarbriefe, unser Gespräch, mit der zweiten, im Briefe an Iffland, das Buttler- Gordon-Gespräch IV, 2 gemeint sein muß.

Das moralische Urteil oder die sittliche Verurteilung spricht Max in II, 2 nicht

einmal sondern öfters scharf und nachdrücklich aus: «Ist das ein guter Krieg, den du dem Kaiser Bereitest mit des Kaisers eigenem Heer?» und:«Sieh, deine reinen, edlen Züge wissen Noch nichts von dieser unglückselgen Tat!» und:«Wirf ihn hinaus den schwarzen Fleck, den Feind!» und ganz besonders: «Nur zum Verräter werde nicht!» und:«Wär es auch soweit, Daß ein Verbrechen nur vom Fall dich rettet!»

Diese Stellen genügen wohl, um die sittliche Verurteilung des Wallensteinschen Unternehmens durch Max zu beweisen.

Auch Gordon spricht IV, 2 von«Verräter» aber in ganz anderem Tone: er fragt, ob es wahr ist, daß der Herzog ein Verräter sei. Er zweifelt also noch daran, und als er es dann doch einsehen muß, beklagt er den Herzog und sucht ihn zu entschuldigen.

«Zum Fallstrick ward ihm seine Größ und Macht.» und:«O schad um solchen Mann!»

Auch dem Gefallenen hat dieser schlichte, einfältige, subalterne Geist seine Be- wunderung noch bewahrt; wie begeistert zeichnet er das noch immer königliche Bild des Gewaltigen, wie schmerzt ihn der Undank der Tausende, die ihn verlassen haben, trotzdem er sie reich gemacht und mit einem Seitenblicke auf Buttler«vom Staube aufgelesen» hat; wie schwer wird es ihn endlich, dem entschlossenen Buttler die geforderte Hilfe zu leisten; wie furchtbar ist es ihm, diese Hilfe leisten zu müssen.

«Ja, dann ist

Nicht Rettung mehr für ihn; doch es ist hart, Daß unter allen eben mich das Los

Zum Werkzeug seines Sturzes muß erwählen.»

Ich kann in allen diesen Worten keine Verurteilung des«Wallensteinschen Ver- brechens» finden; wohl aber scheint mir in dem ganzen Auftritte«die Moral, die Empfindung» des Stückes ausgesprochen zu werden, und besonders an einer Stelle; nämlich:«O schad um solchen Mann; denn keiner möchte

Da feste stehen, mein ich, wo er fiel.»

Das ist der scharfe, treffende Ausdruck für das allgemeine Menschenschicksal, das uns der Fall Wallensteins in so ergreifender Weise predigt.

Das scheint auch Bellermann zu fühlen, wenn er, freilich an ganz anderer Stelle und in ganz anderem Zusammenhange, sagt:«Der Dichter steigt in den tiefsten Schacht des menschlichen Herzens, und wir fühlen überall den verwandten Ton des allgemeinen