Aufsatz 
Studien zu Schillers Wallenstein. I
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ließ dich eben?» Und Wallenstein fürchtet denn er kennt die Abneigung seiner nächsten Umgebung gegen die Piccolomini und ihre Freude daran, sie ihm fortdauernd verdächtig zu machen nun wieder eine Erörterung über seine Lieblinge; er mag aber nicht fortwährend über sie klagen hören, hat ja schon vordem solche Klagen und Ver- dächtigungen ärgerlich zurückgewiesen(Picc. II, 6) und will deshalb Terzky ablenken. Es gelingt ihm Terzky beißt an den ihm hingeworfenen Köder an und berichtet von dem rätselhaften Verschwinden Wrangels. Da aber kommt Illo, und der unglück- liche Feldherr entgeht seinem Schicksal doch nicht, über die Piccolomini, wenigstens über Octavio, noch allerlei ihm Unerquickliches anhören und zu seiner Verteidigung kraftvoll das Wort nehmen zu müssen. So ist die Erwähnung Maxens, die noch glück- lich von Wallenstein pariert wird, nur die Überleitung zu dem inhaltreichen, für die Analysis der Handlung höchst bedeutungsvollen(vergl. Kühnemann, die Komposition des Wallenstein!) Gespräche über Octavio. Einen anderen Sinn kann ich in den Worten nicht sehen und ich wiederhole es nochmals halte eine Wiederaufnahme der Verhandlungen aus sachlichen und dramatisch-technischen Gründen für ausgeschlossen und unmöglich; demgemäß kann ich auch dem Gespräche II, 2 keine, ein letztes Schwanken vorbereitende oder hervorbringende Bedeutung zuschreiben. M. E. hat es eine dreifache andere Bedeutung und zwar zunächst die:«das ganz gemeine moralische Urteil über das Wallensteinsche Verbrechen auszusprechen.» Diese Bedeutung will, wie ich mit Bellermann und Kühnemann annehme, Schiller selbst dem Gespräche bei- gelegt wissen, wenn er die eben angeführten Worte an Goethe schreibt.

Aber diese Worte werden nicht allgemein auf das Gespräch II, 2 bezogen: Fielitz und später auch Düntzer, der anfangs anders darüber dachte, beziehen sie auf einen anderen Auftritt.

Hören wir zunächst die verschiedenen Meinungen! Fielitz stützt seine Auffassung auf einige Bemerkungen Schillers zur Entstehung seines Dramas, besonders zu dem Ge- danken der Teilung der Gesamttragödie in zwei Stücke. Goethe habe schon am 2. Dezember 1797 die Teilung angeregt; dann hätten die beiden Dichter diese Aufgabe besprochen, als Schiller vom 10.15. September 1798 bei Goethe in Weimar war, und endlich habe Schiller nach einer weiteren Besprechung mit Goethe vom 22. September bis 1. Oktober in Jena den Entschluß der Teilung gefaßt. Schiller schreibt nämlich am 30. September 1798 von«zwei letzten Stücken», von denen jedes fünf Aufzüge habe; er fährt fort:«und dabei ist der glückliche Umstand, daß zwischen den Akten die Szene nie verändert wird». Ähnlich schreibt er auch an Iffland am 15. Oktober. «Die Dichtung wird in allen drei Stücken nicht anders als zwischen den Akten ver- ändert.» Auf diesen Worten Schillers baut nun Fielitz seine Behauptung auf und führt den Beweis folgendermaßen. Die Bemerkung Schillers treffe heute nur noch auf die Piccolomini zu, für Wallensteins Tod werde sie durch II, 4; II, 13; IV, 9 und V, 3 widerlegt. Folglich hätten am 15. Oktober 1798, als der Brief an Iffland geschrieben wurde, im 2. Aufzuge noch die Auftritte fehlen müssen, die die Einheit der Szene störten; also entweder die Auftritte Wallenstein mit Octavio, Wallenstein mit Illo und Terzky und Wallenstein mit Max oder die Octavio mit Isolani, Octavio mit Buttler