lichung? Aus den beiden kurzen, hingeworfenen Fragen des Herzogs, denen ein weiteres Eingehen auf die Sache und ein Sichäußern über die Sache gar nicht folgt, solche Schlüsse zu ziehen, wie Bulthaupt z. B. tut, halte ich für ganz unberechtigt. Was aber haben denn nun die Bemerkung einerseits und die beiden kurzen Fragen anderseits zu bedeuten? Die Bemerkung fasse ich so auf, daß Wallenstein Max deshalb«verwundert» und«betroffen» nachsieht, weil er auf eine solche Entscheidung und solche Entschiedenheit Maxens nicht gefaßt war. Das müßte kein Wallenstein sein, der seinen Worten nicht das allergrößeste Gewicht, seinen Gründen nicht die über- zeugendste Kraft beimäße; und nun gar diesem Jüngling gegenüber, den er als seinen begeisterten Verehrer, als«sein Geschöpf» kennt, den er zwar liebt, aber doch für einen jungen Menschen hält, mit dem man nicht überlegt und berät, sondern den man kurzer Hand vor die vollendete Tatsache stellt: «... Nicht eher wollt’ ich dir’s eröffnen, Als bis des Handelns Stunde würde schlagen.»
Wallenstein kann es sich nicht denken, daß auf diesen halben Knaben, dessen Worte in des Herzogs Schätzung so leicht wiegen, seine bedeutungsvollen, aus tiefster Welt- anschauung geschöpften Worte so gar keinen Eindruck gemacht haben sollen! Deshalb ist er— und mit Recht—«verwundert und betroffen», nicht aber erschüttert oder etwas dem Ähnliches: die vom Dichter gewählten Worte sprechen hier m. E. eine selır deutliche Sprache.
Seine tiefen Gedanken, in die der Dichter ihn nun«verloren» sein läßt, wage ich natürlich nicht zu deuten; aber daß sie sich nicht um Wrangels Rückberufung drehen können, das ist mir keinen Augenblick zweifelhaft. Vielleicht malt er sich aus, was die Abwendung Maxens von ihm für Folgen für ihn haben kann, wie sie sich voll- ziehen wird, ob sie sich überhaupt vollziehen wird.
Und nun zu den Fragen(II, 3)!
Wir könnten ja einfach annehmen, daß dem Herzoge noch etwas eingefallen wäre, was er Wrangel gern gesagt oder gefragt hätte; er läßt es fallen, da es nicht wichtig genug war, um ihn deshalb zurückrufen zu lassen. Auch Terzky hatte Wrangel ja noch zu sprechen und war ihm nachgegangen, wie Wallenstein ihm nachfragt— auch vergeblich! Man könnte vielleicht auch meinen, der Dichter habe gern das wunder- bare Verschwinden Wrangels dem Leser zum Bewußtsein bringen und damit der weit- verbreiteten Anschauung Ausdruck geben wollen(wie es auch im«Lager» geschieht!), daß der Herzog mit geheimnisvollen Mächten in Verbindung stehe, vielleicht gar mit solchen, die es darauf angelegt hätten, ihn zu verlocken und dann zu verderben. Man könnte dann Terzkys Worte mit denen Maxens im Gespräch mit Wallenstein in Ver- bindung bringen:«Fürchte diese falschen Mächte»—«es sind Lügengeister, die dich berückend in den Abgrund ziehen». Hier taucht nun solch ein Lügengeist in der Ge- stalt Wrangels auf; meint doch auch Terzky— aber der ist freilich etwas einfältig!— es sei«der Schwarze» selbst gewesen. Doch auch dieser Gedanke scheint mir nicht der Erörterung wert— ich will ihn nur angedeutet haben. Ich denke mir eine andere Bedeutung der Fragen. Terzky stürmt mit dem Ausruf herein:«Max Piccolomini ver-


