kommen lassen, Wallenstein wolle— veranlaßt durch Maxens eindrucksvolle Worte— die Verhandlungen mit den Schweden wieder aufnehmen, vielleicht gar den Abschluß des Vertrages rückgängig machen und— zum Kaiser zurückkehren. Eine besonnene Erwägung der Folgen einer Rückberufung Wrangels und einer Wiederaufnahme der Verhandlungen zeigt m. E. die Unmöglichkeit dieser Auffassung.
Vergegenwärtigen wir uns doch nur, was inzwischen geschehen ist! Der Herzog hat Boten nach Eger und Prag geschickt, eilende Boten; denn Wrangel hat am Schlusse seines Gesprächs mit ihm die ganze Angelegenheit als recht eilig bezeichnet. Sie einzuholen hat schon Wallenstein im Verlaufe seiner Unterredung mit Max für un- möglich erklärt, und inzwischen sind diese Eilenden immer weiter geritten, und die Möglichkeit, sie zurück zu rufen, ist demnach immer geringer geworden. Ehe nachge- sandte Reiter sie eingeholt hätten, wäre sicher schon etwas geschehen, was unter keinen Umständen hätte ungeschehen gemacht werden können, ohne die größten Verwicklungen herbeizuführen. Aber vor allem: was in Maxens Worten hätte denn eine so um- stimmende, die tiefsten Erwägungen Wallensteins und seine daraus hervorgehenden Entschlüsse und Handlungen erschütternde Wirkung hervorbringen sollen? Ich finde, Max hat nichts Neues zur Sache vorgebracht! Alles, was er sagt, wird vom Herzog leicht zurückgewiesen auf Grund seiner Weltanschauung und schließlich auf Grund der vollzogenen Tatsachen: der eingeleiteten Schritte zum Abfall. Was weiß denn Max anzuführen, um die im tiefsten Grunde des Wallensteinschen Wesens verankerten An- schauungen zu stürzen? Den Vorwurf des Verrates, den Hinweis auf eine furchtbare Gefahr und den gutgemeinten Vorschlag, nun auch einmal sich selber zu leben.
Daß er einen Verrat und damit—«vor dem ganz gemeinen moralischen Urteil»— vielleicht ein Verbrechen beging, wußte der Herzog selber; denn er hatte es sich noch kurz vorher klar gemacht. Er hatte aber zugleich das Furchtbare daran, wenn auch erst nach heftigem Kampfe, überwunden, nachdem ihm die Gräfin mit unerbittlicher Logik sein wahres Verhältnis zum Kaiser ins richtige Licht gerückt hatte. Auch wir werden der Gräfin im wesentlichen zustimmen und damit zugeben müssen, daß Wallensteins Tat in dieser durchaus nicht unberechtigten Beleuchtung sehr den Wesenszug des Verbrechens verliert und eher in die Kreise der großen, entscheidungsvollen Taten des weltgeschicht- lichen Verlaufs rückt, zumal wenn wir die Minderwertigkeit der kleinlichen, eigen- süchtigen, katholisch-unduldsamen Politik des Hauses Habsburg an der großgedachten Friedenspolitik Wallensteins und seiner religiösen Weitherzigkeit messen. Wir sehen dann im Herzog viel weniger den Abtrünnigen als vielmehr den ebenbürtigen Gegner, den Vollzieher von folgenschweren Geboten einer höheren sittlichen Weltordnung.
Daß er sich ferner mit seinem Unternehmen in eine furchtbare Gefahr begab, wußte Wallenstein auch: er hatte es sich ebenfalls vorher— in seinem Selbstgespräche vor der Unterredung mit Wrangel— selbst gesagt und es ausgesprochen, sogleich nach- dem er sich zu dem entscheidenden Entschlusse hindurchgerungen hatte; denn jeder Vernünftige wird wissen, daß mit Unternehmungen von solcher Größe auch immer die größten Gefahren unauflöslich verknüpft sein müssen: also auch der Gedanke war ihm nichts Neues und mußte seine Schrecken für ihn verloren haben. Und das mit Recht;


