Leſen war keine eigne Stellung eingeräumt, es fehlte die dialogiſche Behandlung des Textes, vor allem aber die übende Verwendung und dazu für meine Zwecke der Nachweis über den Erwerb grammatiſcher Kenntniſſe. Das von Klinghardt(p. 103 aufgeſtellte Programm) hat den Nachteil, daß hierbei die Überſetzung nicht zur Geltung kommt. Das völlige Fallenlaſſen derſelben mag ein Zeitgewinn ſein für das Erlernen der fremden Sprache, ein Verluſt iſt es unter allen Umſtänden für die Mutterſprache; denn wie Münch ſagt:„trotz alledem iſt das Erlernen der fremden Sprache nicht das eigentliche Ziel des Unterrichts!“
Obwohl ich von Anfang an gar nicht gewillt war, Klinghardt blindlings zu folgen, kam ich mit der Zeit doch immer wieder auf die von ihm aufgeſtellten Grundſätze zurück. Und in der That erweitert ſich auch das alte Schema zu denſelben Stufen. ¹) Die Präparation ward zur Interpretation, die Repetition ſchied ſich in mehrere Teile: Wörterabhören, Überſetzen, Leſen und Sprechübungen mit event. freier Erzählung oder ſonſtiger Verwendung des erworbenen Sprachmaterials.
Was den eigentlichen Verlauf der Lektüre betrifft, ſo wurde der jedesmal neu zur Prä⸗ paration kommende Abſchnitt ohne Rückſicht auf die Seitenzahl fortlaufend nummeriert, was den Überblick über die in Frage kommenden Einheiten nicht unerheblich erleichterte. Das Neue wurde ſtets von mir zunächſt vorgeleſen, dann von einem der beſſeren Schüler wiederholt. Dabei war es den Schülern geſtattet, ſich kurze Notizen über die Ausſprache zu machen(ob Länge oder Kürze, offen oder geſchloſſen, verſtummende Endkonſonanten, Accent u. ſ. w.). Ein Schüler überſetzte ſodann, oftmals zuerſt wörtlich, bei nicht zu ſchwierigen Stellen auch gleich in gutes Deutſch. Wie ich mich dabei bemühte im Anſchluß an Münchs vortreffliches Muſter möglichſt Vollkommenes in Wort⸗ und Periodenüberſetzung zu leiſten, wird an reichem Material in dem von der Üüberſetzung handelnden Kapitel weiterhin ausgeführt werden. Dabei war ich beſtrebt, die Präparation in ſofern zur Interpretation werden zu laſſen, als ich die Wort⸗ erklärung— der knappen Zeit wegen leider nicht immer!— in engliſcher Sprache zum guten Teil nach Webſter gab. Daß auch unvorbereitet überſetzt wurde, brauche ich wohl nicht hinzu zu fügen. Gelegentlich ließ ich die Überſetzung eines nicht beſprochenen Abſchnittes auch di Klaſſenarbeit niederſchreiben. Auch zur Hausaufgabe wurde ſie verwandt. Zur übung
des Ohres vollzog ſich die Präparation mitunter bei geſchloſſenem Buche. Viel Zeit konnte ich darauf nicht verwenden, im Durchſchnitt waren es etwa 15—18 Minuten, ein Zeitraum, der eben ſo wenig ein für alle Mal feſtgehalten wurde, als er für die übrigen Aufgaben, Repetition und Grammatik galt. Die Zahl der Wörter, anfänglich etwa 25, ſank ſpäter bis zur Hälfte oder noch darunter.
An das Überſetzen ſchloß ſich ein ſorgfältiges Leſen an. Sehr gute Winke hierüber fand ich außer bei Münch(Kap. 59) und Glauning(Kap. 19, 42 u. a.) namentlich bei Beck⸗ mann ²)§ 21—§ 50. Allerdings ſchwankte ich, ob das Leſen der dialogiſchen Behandlung
¹) A. Repetition. a. Dialog oder freie Erzählung beiſpielsweiſe von Nr. 20. b. Leſen von Nr. 21. 2. Überſetzen von Nr. 22. 4 Wörterabhören von Nr. 23. B. Präparation des Neuen(Nr. 24). C. Grammatik. 2) Beckmann: Die Behandlung franz. und engl. Schriftwerke. Dresden und Leipzig, Kochs Verlag.


