Kapitel 3. Art der Behandlung der Lektüre.
Bei der geringen wöchentlich zur Verfügung ſtehenden Zeit von 135 Minuten war es durchaus unmöglich, der von den meiſten Methodikern geforderten rein ſprachlichen Belehrung beſondere Stunden zu widmen. Auch Glauning verlangt ja(a. a. O. Kap. 22) etwa drei Semeſter, die neben der Lektüre ausſchließlich dieſem Zwecke gewidmet ſein ſollen. Obwohl eine ſolche Vorwegnahme viel für ſich haben mag, bin ich der Anſicht, daß die hierfür ange⸗ ſetzte Zeit nicht genügt. Oder wenn ſie zweckentſprechend ſein ſoll, müſſen günſtige Vor⸗ bedingungen namentlich aber hinreichende Stundenzahl vorausgeſetzt werden, denn ich fürchte, die Gefahr liegt nahe, daß ſonſt beide(Grammatik und Lektüre) zu kurz kommen. Es galt alſo, die Lektüre möglichſt fruchtbringend zu geſtalten. Dies führte zu einem Grundſatze, der zu der Unterrichtsweiſe Klinghardts in einem gewiſſen Gegenſatze ſteht. Der genannte Reformer ſchreibt(a. a. O. p. 109):„Nachdem die Lektüre in IIIb ausgeſprochen ſtatariſch, in IIIa ausgeſprochen kurſoriſchh behandelt worden war, ließ ich jetzt in IIb einen mehr oder weniger regelmäßigen Wechſel zwiſchen beiden Formen des Unterrichtsbetriebes eintreten.“ Dem entgegen halte ich die ſtatariſche Behandlung der Lektüre dieſer Stufe, mindeſtens auf Realſchulen, vielleicht auch auf Vollanſtalten, für durchaus notwendig. Im übrigen war mir ein derartig raſches Vorgehen, wie es dort geſchildert wird, nicht möglich. Das Penſum be⸗ trug durchſchnittlich eine bis anderthalb Seiten, und Masterman Ready l bonnte nicht in einem Semeſter bewältigt werden, er wurde zur Jahreslektüre.
Grund hierfür waren einerſeits die bei uns in Heſſen geltenden ſtrengen Beſtimmungen über die einzuhaltende Arbeitszeit der Schüler, andererſeits auch das geringere Maß der geiſtigen Klärung und ſprachlichen Schulung, das der Realſchüler dieſes Alters dem Realgymnaſiaſten gegenüber hat. Klinghardt geſteht es ja ſelbſt zu(p. 58), daß ein Schüler der Tertia nicht einmal des Deutſchen recht mächtig ſei, und dabei waren ſeine Schüler den meinigen voraus ſowohl durch die Bekanntſchaft mit dem Lateiniſchen wie ſie auch durch eine höhere Stunden⸗ zahl(IIIb und IIIa je 4 Stunden, bei uns je 3) begünſtigt waren.
Wertvolle Fingerzeige für die eigentliche Behandlung verdanke ich den Darſtellungen von Münch und Glauning und insbeſondere den trefflichen Weiſungen der beiden Schriften: „Ein Jahr Erfahrung“ und„Drei weitere Jahre Erfahrungen“. Daß das übliche alte Schema, welches uns aus der Schülerzeit noch in freundlicher Erinnerung ſteht, Präparation— Er⸗ klären und Überſetzen— Repetition, nicht beibehalten werden konnte, lag auf der Hand. Dem


