Aufsatz 
Marryats Masterman Ready als Lesestoff der dritten Realschulklasse : 1. Teil
Entstehung
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aber ebenfalls um ſo ſicherer den Erfolg garantierten, auf je tieferer Ausbeute der Schrift⸗ ſteller ſie beruhten, d. h. je reichere Vorarbeiten dem Lehrer zur Verfügung ſtünden.

Sehen wir uns nun einmal einige Äußerungen der Unterrichtslitteratur zu dem von Münch berührten wunden Punkte an. Mangold findet ſich leicht mit der Schwierigkeit des zu beſchaffenden Anſchauungsſtoffes ab. Er ſagt(p. 6 und 7):Sobald eine grammatiſche Erſcheinung in einer genügenden Anzahl von Fällen in der Lektüre vorgekommen iſt, werden dieſe zuſammengeſtellt und daraus die allgemeine Form oder Regel abſtrahiert. Wir prokla⸗ mieren etwa: Durchnahme von naire; ſofort finden ſich 20 Sätze, in welchen faire vorkommt, in dem Gedächtnis der Schüler ein, und die Konjugation dieſes Verbs ſitzt nach kurzer übung feſt. Ebenſo iſt es mit der Syntax auf der Mittelſtufe. Erſt zur Ergänzung und Über⸗ ſchauung des Ganzen wird die Grammatik benutzt und hier wird nun auch der deduktive Weg durchlaufen. Dazu bemerkt Péronne(p. 17):Allerdings können wir dieſes in⸗ duktive Verfahren nur dann ſyſtematiſch durchführen, wenn die mit dem grammatiſchen Lehrſtoff verbundenen Leſeſtücke durch Darbietung eines überſichtlichen, reichlich bemeſſenen Anſchauungs⸗ materials für die Formenlehre wie für die wichigſten ſyntaktiſchen Erſcheinungen in wünſchens⸗ wertem Maße Unterſtützung gewähren. Wo der Anſchauungsſtoff nur ſpärlich vorhanden, wo er überall zerſtreut liegt, ſo daß er mühſam und unter beträchtlichem Zeitverluſt zuſammen⸗ getragen werden muß, da ſtellen ſich der induktiven Behandlung der Grammatik naturgemäß erhebliche Schwierigkeiten entgegen. Und weiterhin(p. 18):Die zwanzig Sätze, in denen die betr. Formen irgendwo vorgekommen ſind, finden ſich nicht ſo ohne weiteres auf Kommando ein. Das Gedächtnis läßt leider den Schüler(den Lehrer nicht? der Verf.) meiſt im Stich, und der Lehrer ſieht ſich oft zu unfreiwilligem Verzicht auf eine Lehrweiſe gezwungen, die er nach wie vor für die allein zweckmäßige hält.

Wenn ferner Mangold ſagt(a. a. O. p. 6):Wir gehen von Anfang an von der Lektüre zuſammenhängender Stücke aus, wir bringen originales Franzöſiſch und Engliſch, nicht unnatürlich zurechtgemachtes, ſo iſt das bei dem heutigen Sprachbetrieb doch nur teilweiſe zutreffend. In Wirklichkeit ſind eine große Menge der in den Übungsbüchern enthaltenen Stücke Umarbeitungen.

Aber gerade, um dieſen Satz mehr und mehr zur Wahrheit zu machen, verdient wohl der Vorſchlag Beachtung, unter Darbietung von Hilfen für Lehrer und Schüler, den Unterricht allgemeiner auf Schriftſteller zu begründen und zu verſuchen, ob das Übungsbuch nicht doch entbehrlich iſt. Auch die Bemerkung Spenckers ¹)(p. 35), daß wir des letzteren bedürften zur Erwerbung eines geſicherten Vokabelſchatzes, wozu die Lektüre nicht ausreicht, iſt nicht ganz einwandfrei. Ich erinnere nur an die reichhaltigen und guten Ausgaben von Bahlſen und Hengesbach, beſonders ſolche die den mehr techniſchen Wortſchatz liefern und gewiß den Gebrauch eines Übungsbuches entbehrlich machen.

Die weitere Klage Spenckers, daß der Lehrer häufig gezwungen ſei weiter zu leſen, ohne der vollſtändigen Einübung des Geleſenen gebührend Rückſicht geſchenkt zu haben, um einen irgend wie nennenswerten Abſchnitt innerhalb eines Jahres in der Lektüre zu bewältigen, haben eben ihren Grund in der Unvollſtändigkeit unſerer Schulausgaben. Wären dieſelben

¹) Spencker: Die franzöſiſche Grammatik in der Realſchule. Programm der Realſchule vor dem Holſtenthore zu Hamburg. 1896.