Aufsatz 
Marryats Masterman Ready als Lesestoff der dritten Realschulklasse : 1. Teil
Entstehung
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der Sprache notwendige Grammatik herbeigeführt. Die Herren, die ſo ſehr die ehemalige Herrſcherin und jetzige Allerweltsfeindin ſchmähen, ſollten doch nur einmal verſuchen, Schrift⸗ ſteller verſchiedener Art, Zeitungen u. ſ. w. in Bezug auf den grammatiſchen Gehalt auszu⸗ ziehen, ſie würden über ihren Umfang ganz anders denken lernen. Daß eine Einſchränkung nötig ſei, hat ſchon Altmeiſter Münch ausgeführt, zugleich aber nicht verfehlt, auf die Schwierigkeiten aufmerkſam zu machen. So heißt es in§ 30 ſeiner Methodik:In der That wird die Einſchränkung der Bedeutung der Grammatik ſchon dadurch von ſelbſt bewirkt, daß anderen Zweigen oder Aufgaben des franzöſiſchen Unterrichts eine höhere Bedeutung zuerkannt iſt. Und die Beſchränkung des Umfangs wird im Zuſammenhang damit zugleich aus inneren und äußeren Gründen Pflicht. Wenn hierüber Einigkeit herrſcht, ſo iſt die Ausführung nicht ſo einfach wie es den Meiſten ſcheint. Man ſetzt ſich Beſchränkung auf das Regelmäßige, das Gewöhnliche, das Nötige, das Wichtigſte vor. Aber der Strom der lebendigen Sprache iſt ſo breit, des Gewöhnlichen, Regelmäßigen, Wichtigen, ja Unentbehrlichen iſt in der Nähe beſehen ſo viel, daß doch immer ein ſehr anſehnlicher Beſtand von Grammatikſtoff zu lernen bleibt. Was aus dem voll beladenen Fahrzeug hinausgeworfen werden kann, ſind doch nur geringe Laſten. So viel leichter als der alte Wagen geht der neue nicht, wie er höher geprieſen wird. Um recht einfache Gedanken in der fremden Sprache fehlerlos auszudrücken, bedarf es ſchon der Beherrſchung zahlreicher Normen. Es wird darum allen Schulen ſchwer werden, inner⸗ halb der der Grammatik unter den neuen Grundſätzen und Beſtimmungen gebliebenen Zeit das wirklich Nötige zu ſicherer Aneignung zu bringen. Denn auch für diejenigen Anſtalten, welche im ganzen mehr Unterrichtsſtunden für das Fach zur Verfügung haben, treten dafür die ver⸗ ſchiedenen ſonſtigen Ziele dieſes Unterrichts mit um ſo größerem Gewichte auf. Nur große Beſonnenheit und Kunſt wird zu einem befriedigenden Ergebnis führen oder doch zu einem erträglichen.

Und weiterhin weiſt er den gänzlichen Verzicht auf grammatiſchen Sprachbetrieb zurück, wie dieſer auch zumeiſt von Laien empfohlen ſei.(§ 31.)Weder ſind für einen ſo natürlichen Weg der Spracherlernung im Jugend⸗ und Maſſenunterricht die Vorbedingungen gegeben, noch paßt er zu dem uns vorſchwebenden, den geiſtigen Zuſammenhang und die begriffliche Klarheit mit fordernden Bildungsziele, noch auch wird ein Ergebnis von ſicherem praktiſchem Werth herauskommen. Auch die rein gelegentliche Behandlung des Grammatiſchen je nach dem Be⸗ dürfnis der Lektüre und ohne beſtimmten Lerngang kann nicht ernſtlich in Frage kommen, und die Bedenken können auch dann noch nicht ſchwinden, wenn nachträgliche Zuſammenfaſſung der vor⸗ gekommenen verwandten Spracherſcheinungen und damit allmählich eine Art von Syſtem und Ueberblick in Ausſicht genommen iſt. Nicht nur die Menge der einander kreuzenden Lerngebiete ſteht hinderlich entgegen, ſondern auch das geringe Maß der bereits erzielten all gemeinen geiſtigen Klärung, außerdem aber auch die Knappheit der verfügbaren Zeit; denn jener Weg erfordert in Wahrheit nicht ein kürzeres, ſondern ein längeres Zeitmaß. Und am Schluſſe dieſes Abſchnittes über die pädagogiſche Nothwendigkeit der Grammatik ſagt er:Und ſo be⸗ deutet denn auch, um auf die maßvollſte der Reformforderungen zu kommen, der induktive Betrieb der Grammatik nicht ſo vollkommen Schönes, wie man gerne glaubt; die Freude des Selbſtbeobachtens bleibt nicht ſtets lebendig, ein hinlänglich breiter Anſchauungsſtoff kann nicht immer beſchafft werden, die Menge des Geicerichen wird ſich doch zu Zeiten über⸗ mächtig erweiſen.