Aufsatz 
Marryats Masterman Ready als Lesestoff der dritten Realschulklasse : 1. Teil
Entstehung
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Kapitel 1.

Welches ſind die Schwächen der neueren Methode, und wie läßt ſich Abhilfe ſchaffen d

Faſt könnte es als Vermeſſenheit erſcheinen, heute noch von einer Schwäche der imitativen Methode zu reden! Nachdem ſeit beinahe 2 Jahrzehnten dem ſtaunenden Europa die Sprach⸗ erlernung erſt in das richtige Licht geſetzt wurde, ſollte man annehmen, daß mit dem endlichen Siege der Neuerer volle Üübereinſtimmung und Zufriedenheit erzielt ſei. Dem iſt jedoch nicht ſo. Eine Einigung iſt nur hergeſtellt über die Grundanſchauungen; betreffs der in Frage kommenden Ausführungsmöglichkeiten ſowie über die Erfolge gehen die Anſichten noch vielfach weit auseinander. Immerhin können wir uns des Errungenen freuen in dem Bewußtſein, daß von einer Rückkehr zu der einſeitig grammatiſchen Methode keine Rede mehr ſein kann. Darüber dürfen wir aber nicht vergeſſen, daß den gerühmten Vorzügen auch Schwächen gegen⸗ überſtehen, und daß da, wo die Lichtſeiten ſo ſehr hervorgehoben werden, auch Schattenſeiten zu finden ſein dürften. Unſere Aufgabe iſt es nun, feſtzuſtellen, welche Schwierigkeiten ſich hier der Möglichkeit eines vollen Erfolges entgegenſtellen, und Mittel zur Abhilfe zu finden.

Freilich, wenn wir ideale Schulverhältniſſe hätten, dann ließe ſich unſere Aufgabe ſpielend löſen. Da der Lehrer aber nur mit dem mäßig begabten Durchſchnittsſchüler rechnen darf, ſo müſſen wir uns eben innerhalb der Grenzen des Erreichbaren halten und die Wege zum Ziele möglichſt zu ebnen ſuchen. Denn ohne den Verdienſten ſo mancher Reformer zu nahe treten zu wollen, muß man doch ſagen, daß ſie ſich in ihren Forderungen zuweilen arg ver⸗ ſchoſſen haben, und infolge deſſen in Wahrheit doch nicht alles ſo iſt, wie es ſcheint. Recht vieles, was wie ein glänzender Erfolg ausſieht, iſt in Wirklichkeit Selbſttäuſchung oder nur Teilerfolg. In dieſem Sinne ſchreibt auch Fricke¹),daß die Unterrichtserfolge auf unſeren deutſchen Schulen noch nicht voll befriedigen, und zwar am wenigſten im Sprachunterricht. Sollten aber irgend welche Unfehlbare ſich gekränkt fühlen ob ſolcher Behauptung, ſo mögen ſie ſich damit tröſten, daß ein Vorhandenſein wirklicher Erfolge ja anerkannt wird(p. 3).

Und Péronne(a. a. O. p. 3) bemerkt in ſeinen Beobachtungen und Erfahrungen: Warnen möchte ich vor allem vor der verhängnisvollen, leider, wie mir ſcheint, nur zu weit

¹) Fricke: Wie erzielen wir noch größere Erfolge, beſonders im Sprachunterricht? Progr. der Realſchule zu Bitterfeld. 1896. 2