Aufsatz 
Marryats Masterman Ready als Lesestoff der dritten Realschulklasse : 1. Teil
Entstehung
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die alsbedingungslos brauchbar in der Schule geleſen werden können! Die nächſte Aufgabe beſteht darin, dieſen Kanon für die einzelnen Schulen bezw. Provinzen zu beſchränken auf ſolche, die dort geleſen werden müſſen. Außerdem muß feſtgelegt werden, was aus jedem Schriftſteller inhaltlich und grammatiſch für jede Stufe gewonnen werden ſoll. Wir dürfen nicht in den Fehler verfallen, in den Tag hinein zu dozieren. Den großen Vorzug der früheren Methode, Beſchränkung des Ziels, gilt es mutatis mutandis! durch Be⸗ ſchränkung der Mittel auf unſere Lehrweiſe zu übertragen.

Es wird gewiß von Vorteil ſein, Schriftſteller mit bedeutendem Inhalte in der Schule zu pflegen, aber darüber dürfen wir nicht vergeſſen, daß wir Lehrer einer lebenden Sprache ſind, die der Schüler, wenn auch in beſcheidenem Maße zu handhaben angeleitet werden ſoll. Sprachliche Form und Schulung dürfen eben nicht mit jener Nonchalance betrachtet werden, die zur Zeit bei unſeren noch unentwickelten Verhältniſſen ſo vielfach herrſcht.

Wie ſteht es denn eigentlich mit der Ausführung der ſchönen Grundſätze in der Praxis? Da wird unter dem Deckmantel der Viſeenſchaftlichkeit darauf losgewirtſchaftet, daß es eine Art hat. Die Anhänger der alten Methode ſind gewiß heute noch ebenſo zahlreich unter den Neuphilologen als die Heiden unter unſeren Sonntagschriſten, es wird nur nicht zugeſtanden. Die Lehren ſind in aller Mund, aber mit der Ausführung hapert's? Oder wie ſich Péronne) ausdrückt(p. 14):Nichts als das Aushängeſchild wurde geändert. Sonſt blieb alles gemächlich beim Alten. Aber dieſe Auswüchſe ſind nur möglich, weil es an ge⸗ eigneten Vorarbeiten fehlt. Schon im Jahre 1888 wünſcht Klinghardt) zuſammen⸗ hängende Berichte aus der Feder praktiſcher Reformer. Dieſelbe Forderung wird im Jahre 1892 inDrei weitere Jahre Erfahrung wiederholt, und Mangold) verlangt ebenfalls, daß weitere Verſuche zu machen und weitere Erfahrungen zu ſammeln ſeien. Dieſelbe ſollen in möglichſter Kürze mit genauen Maß⸗ und Zeitangaben veröffentlicht werden. Aber heute noch ſind die Forderungen beider Herren nur in geringem Maße erfüllt¹). Hier heißt es nun in gemeinſamer Arbeit einſetzen, und durch Bearbeitung der geläufigſten Texte die Wege zu einer immer vollkommeneren Methodik zu bahnen. über den Anfangsunterricht ſind ſich längſt die Kundigen klar. Auch für die Behandlung des Stoffes auf der oberſten Stufer dürften in Anbetracht der bereits erworbenen ſprachlichen Bildung der Schüler leichter Mittel und Wege zu finden ſein. Allein was uns fehlt iſt eine beſtimmte Richtſchnur für die mittleren Klaſſen. Hier müßte durch fortwährende Verſuche Klarheit geſchaffen werden über

¹) Péronne: Über den neuſprachlichen Unterricht. Beobachtungen und Erfahrungen. Progr. der V. ſtädtiſchen Realſchule zu Berlin. 1896.

2) Klinghardt: Ein Jahr Erfahrungen mit der neuen Methode. Marburg, Elwert 1888 und Drei weitere Jahre Erfahrung mit der imitativen Methode, ebenda 1892.

³) Mangold: Gelöſte und ungelöſte Fragen der Methodik. Berlin, Springer 1892.

4) Ich denke dabei an Schriften wie:

Münch: Shakespeares Macbeth im Unterrichte der Prima. Progr. des Realgymnaſiums zu Barmen. 1884.

Wack: Shakespeares Richard II. im Unterrichte der Prima. Progr. des Realgym. Kolberg. 1898.

Tendering: MolièresFemmes Savantes im Unterrichte der Prima. Progr. des Realgym. des Johanneums zu Hamburg. 1898..

Leja: Angiers LuſtſpielLe Gendre de Mr. Poirier als Schullektüre. Gymnaſium zu Neuſtadt, Ob.⸗Schl. 1898.

Schaeffer, Engliſche Syntax in Beiſpielen aus Scott's Tales of a Grandfather. Lehrproben 47,33.