Aufsatz 
Marryats Masterman Ready als Lesestoff der dritten Realschulklasse : 1. Teil
Entstehung
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konzentrieren, um einmal eine richtige, nach pädagogiſchen Grundſätzen geordnete Stoffauswahl zu treffen, und dann eine pädagogiſch durchdachte Behandlung der einzelnen Schriftſteller in der Schule aufzuſtellen. So wünſcht er denn,daß einzelne Monographien ausgearbeitet würden, in welchen die Erfahrungen, der Stoff und die Behandlung desſelben mitgeteilt werden.(p. 33.)

Nur nach ſolchen Vorarbeiten wäre es möglich durch geeignetere Behandlung des Lehrſtofſes den Unterricht ergiebiger, für Lehrer und Schüler befriedigender zu geſtalten. Freilich die ſprachlich grammatiſche Seite, die ich hierbei im Auge habe, wird von Wehrmann nur geſtreift, ſeine Hauptausführungen gelten dem Inhalte der Lektüre. Er bedauert geradezu, daß man ſolange ausſchließlich die formale Seite des neuſprachlichen Unterrichts ausgebildet, die inhaltliche dagegen vernachläſſigt habe. Es gelte, den ungeheuer großen Stoff, der in den Schriftwerken der neueren Sprachen vor uns liege, zu verarbeiten, um zu einer Einführung in das Geiſtes⸗ und Kulturleben der Franzoſen und Engländer die ja mit den übrigen Nationen nur ein ethiſches Kulturganze bilden und damit zum Verſtändnis der heutigen Welt zu kommen. Nur ſo könne der Unterricht zu einem wahrhaft humaniſtiſchen d. h. wirklich menſchenbildenden werden. Aber, läßt ſich entgegnen, warum ſollte das eine das andere ausſchließen? Warum ſollten wir in den Fehler verfallen, nun gleich uns ausſchließlich dem Inhalte zuzuwenden zu einer Zeit, da der Schüler mit der Sprachform noch ſo viel zu thun hat? Geht denn die altſprachliche Methodik ebenfalls darauf aus, ſofort den hohen Ideen⸗ gehalt vollendeter Autoren dem jugendlichen Geiſte darzubieten, oder läuft nicht vielmehr nach gründlicher grammatiſcher Schulung bei der einführenden Lektüre leichterer Schrift⸗ ſteller eine intenſive Beſchäftigung mit der Form neben der Erfaſſung des Inhaltes her? Allerdings wird merkwürdigerweiſe von recht vielen unſerer Reformer die Lektüre als ein Heiligtum betrachtet, das nicht durch irgendwelche grammatiſche Fragen geſchändet werden dürfe. Dies verträgt ſich aber kaum mit dem Grundſatze, daß der grammatiſche Stoff induktiv an der Lektüre zu behandeln ſei. Auch Münch hat verſchiedentlich darauf hingewieſen ¹), daß die Stellung der Lektüre trotz ihrer Erhebung über die Grammatik keine abſolut ſelbſtändige ſei. Um wie viel mehr muß man ſie ſich nutzbar machen, wenn die geringe zur Verfügung ſtehende Zeit dies gebieteriſch verlangt.

Wenn nun mit Recht gefordert wird, daß der aus jedem Schriftſteller zu ziehende ethiſche Gewinn feſtgelegt werde, warum ſoll dies nicht auch mit dem ſprachlichen geſchehen? Wir müſſen endlich einmal dahin kommen zu wiſſen, was wir an jedem Autor haben. Der Anfang hierzu iſt ja bereits gemacht durch die Arbeiten zur Aufſtellung eines Kanons. Aber das ſind eben nur vorbereitende Arbeiten, denn die zu Pfingſten 1898 für das Franzöſiſche erſchienene Liſte*), umfaßt die Namen von ungefähr 107 Schriftſtellern und Sammlungen,

¹) Münch a. a. O.§ 58. Es ſoll durch ſie der Geiſt bereichert und gebildet, und ſoll an ihr wirk⸗ liches ſprachliches Können gewonnen werden. Eine dienende Stelle bleibt in gewiſſem Sinne auch der vornehmſten Lektüre, Übung und Schulung bleibt auch an ihr zu ſuchen.§ 83. Um jedoch beſtimmtere Beziehungen im einzelnen zu erwähnen, ſo blickt ſelbſtverſtändlich die Grammatik, ebenſo wie die Stiliſtik, Synonymik, Metrik, auf die Lektüre als ihr natürliches Nährgebiet hinüber, und dieſer wird von jener Deutung und Hilfe zu teil.

*) Ich lege hierbei die im VI. Bande derNeueren Sprachen p. 441 erſchienene Liſte des Kanon⸗ Ausſchuſſes zu Grunde.