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spricht, so hat er auf der andern Seite gar manchen Ausspruch gethan, der namentlich im Munde eines Königs nachteilig wirken konnte. Dass er in dieser Hinsicht vielfach gefehlt, dass die Frei- geisterei, die in seinen Worten lag, in das Volk getragen grosses Verderben veranlassen konnte, dass auch in dieser Hinsicht einem Monarchen heilige Pflichten obliegen, der im Interesse der All- gemeinheit persönliche Anschauungen zurücktreten lassen muss, das hat in den späteren Jahren seines Lebens Friedrich selbst am besten eingesehen. So manches Wort belehrt uns über die Anderung seiner Gesinnung, belehrt uns, dass er seinen Irrtum erkannt, die Bedeutung der Religion, namentlich auch in ihrer äusseren Form, für das Volk zu unterschätzen.„Herr, schaffe er mir Religion ins Land, oder schere er sich zum Teufel,“ rief er in seiner drastischen Weise einem Minister zu, und als ihm sein Kanzler ein Edikt vorlegte, das die Verminderung der in beängstigender Weise zunehmenden Ehescheidungen zum Zweck hatte, da rief er, von schmerzlichem Gefühl über- wältigt, aus:„Gern gäbe ich einen Finger meiner Hand, wenn ich die Sitten wieder so rein machen könnte, wie sie unter meinem Vater waren.“ S. darüber Fischer a. a. O. S. 148 u. S. 210 ff.
Wenn wir somit gerade über die wichtigsten Grundprincipien der Pädagogik ein klares Bild von Friedrichs Anschauungen nicht gewinnen können, so liegt das vielleicht zum Teil daran, dass er selbst darüber nicht klar und konsequent genug dachte, zum Teil aber auch, dass er zwar für seine Person seine bestimmte UÜberzeugung besass, jedoch mit Recht Bedenken trug, das, was für ihn, den hochbegabten, eine subjektive Wahrheit war, als für die Allgemeinheit, für das Volk richtig hinzustellen.*)
Mit besonderer Klarheit und Eindringlichkeit aber spricht sich Friedrich aus über den hohen sittlichen Wert der Arbeit für die Erziehung der Jugend.„Die Menschen beschäftigen,“ sagt er, „heisst sie hindern, lasterhaft zu sein.“ In dem Müssiggang findet er vornehmlich alle Fehler des weiblichen Geschlechtes begründet, das wegen fortwährender Zerstreuung durch Vergnügungen zu keiner inneren Einkehr und damit auch zu keiner Besserung gelangen könne.„Müssiggang ist aller Laster Anfang“; man könnte hinzufügen, und der Fleiss der Vater aller Tugenden. Das ist bezeugt durch die Erfahrung aller Zeiten und Orte. Wenn das alles nicht genügt, um zu über- zeugen, so muss ich eine Stelle aus der heiligen Schrift anführen:„im Schweisse deines Ange- sichtes sollst du dein Brod essen!“ Wir sind in der Welt, um zu arbeiten. Und nur unermüdlich fortgesetzte Arbeit sei die einzig wirksame, die dem Arbeiter selbst und seinem Mitmenschen wahren Segen bringe, während der Fehler der Faulheit mit dem der Bosheit auf einer Stufe stehe. Man solle daher die Kinder von früher Jugend zur Pflicht gewöhnen.„Die Gewohnheit hat eine herrschende Gewalt über den Menschen. Sie kann zum Guten führen wie zum Bösen, und es ist ein vorzügliches Verdienst einer weise geleiteten Erziehung, dass die Kinder in der Gewohnheit der Pflicht aufwachsen.“
Damit soll Einfachheit und Genügsamkeit Hand in Hand gehen; der Körper ist zu stärken durch eifrige Ubungen; nichts ist verächtlicher als selbstverschuldete Schwäche.„Was würde Armin wohl sagen, dieser stolze Befreier Deutschlands, wenn er die entarteten Söhne der Sueven und Semnonen sähe, so entnervt und verächtlich.“ Von edeln geistigen Genüssen hielt der König sehr viel, weil sie zu neuem Schaffen anregten; die Beschäftigung mit der Literatur, der Poesie
*) Wer sich über die Denkart des grossen Königs genauer informieren will, lese die darauf bezüglichen Bemerkungen in dem inzwischen erschienenen Buche von Zeller„Friedrich der Grosse als Philosoph,“ das ich erst
nach Vollendung dieser Arbeit zu Gesichte bekam. 3


