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freund- und freudlos den reichen Schatz seines Herzens in sich verschloss. Nicht mehr einer einzelnen Person galt fortan seine Liebe, sein gesamtes Volk, sein geliebtes Vaterland— es war von nun an ihm Freund, Schwester und Mutter.
Sein Volk zu beglücken, ihm nach dem Lärm der Schlachten und den schweren Opfern des Krieges die Segnungen einer weisen friedlichen Regierung zuzuwenden, ist fortan sein einziges Ziel, Gutes thun und nicht müde werden seine eigentliche Lebensmaxime geworden. Jene uner- müdliche Thätigkeit aber, die er für sein Volk gezeigt hat, für das er mit bewunderungswürdiger Arbeitskraft Tag und Nacht arbeitete, findet eben darin erst ihre rechte Weihe, dass sie aus echter Liebe, aus einer warm empfindenden Seele hervorging, aus der Seele eines Königs, der im tiefsten Herzen spürte, was er mit seiner Hand erschuf. Eben darum aber ist diese Arbeit für ihn auch ein hoher und edler Genuss gewesen, die Quelle inneren Glückes und innerer Zufriedenheit und zugleich zu immer neuer Kraft, zu immer erneuter Begeisterung für sein schweres Werk. Das ist neben der Liebe und dem Danke seines Volkes, den er in reichem Masse einernten durfte, sein einziger Lohn gewesen, die einzige Entschädigung für ein ganzes Leben der Entsagung.
Wie ideal dachte dieser König über die Pflichten eines Regenten! Er tritt in dieser Be- ziehung ganz in die Fusstapfen seines Vaters, dem er, je älter er wurde, immer ähnlicher erscheint; nur sind seine Anschauungen höher, edler, sein ganzes Wesen durchgeistigter.
Über seine Auffassung in dieser Beziehung mögen uns seine eigenen Worte belehren:„Die Geschichte eines Monarchen muss in einem Verzeichnisse von Wohlthaten bestehen.“—„Ein Herrscher gehört nicht sich selbst, sondern seinem Volke, dessen Interessen er mit den seinigen als identisch aufzufassen hat.“„Meinet nicht“, ermahnt er den jungen Herzog von Würtemberg, „dass das Land Würtemberg für Euch gemacht ist, sondern glaubt, dass die Vorsehung Euch hat. auf die Welt kommen lassen, um dies Volk glücklich zu machen. Stellt immer sein Wohlergehen Eurem Vergnügen voran, und wenn Ihr es versteht, in Eurem zarten Alter Eure Neigungen dem Wohle der Unterthanen zu opfern, so werdet Ihr nicht allein die Freude, sondern auch die Be- wunderung der Welt sein.“„Ein wohlregiertes Königreich“ sagt er an einer anderen Stelle, „muss wie eine Familie sein, deren Vater der Herrscher ist; die Bürger sind seine Kinder. Wohl und Wehe ist ihnen allen gemeinsam; denn der Monarch würde nicht glücklich sein können, wenn seine Völker elend sind.“— In der Arbeit zum Nutzen seines Staates kennt er keine Schonung seiner Person.„Je mehr man sich pflegt“, meint er,„desto zarter und schwächer wird der Körper. Mein Beruf erfordert Arbeit und Thätigkeit. Mein Körper und Geist beugen sich ihrer Pflicht. Es ist nicht nötig, dass ich lebe, wohl aber, dass ich thätig bin, dass ich handle, und dabei habe ich mich auch immer wohl befunden.“ Rührend klingt es, wenn er dem Minister, der eine Deputation armer Leute zurückweisen will, weil solche oft dem vielbeschäftigten Monarchen mit einfältigen Anliegen nahten, zuruft:„Die armen Leute haben sehr oft Unrecht, aber ich muss sie doch hören; denn dafür bin ich da“, oder wenn er einer Deputation, die ihm den Dank für eine Wohlthat aus- sprechen soll, entgegnet:„Ihr habt nicht nötig, Euch zu bedanken; es ist meine Schuldigkeit, meinen verunglückten Unterthanen aufzuhelfen; dafür bin ich da.“
Einem Monarchen von solchen Grundsätzen musste namentlich auch die Erziehung seines Volkes ein wichtiger Gegenstand der Sorge sein. Friedrich besass keine eigenen Kinder, für deren Erziehung er zu sorgen gehabt hätte; zur Erziehung seines Neffen, des Kronprinzen Friedrich Wilnelm, hat er eine eigene Instruktion verfasst, an dessen Erzieher, den Major von Borcke,


