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keit vorgeschrieben. Friedrich rühmt wiederholt, dass er wie seine Geschwister in durchaus bürgerlicher Weise erzogen seien. Mit besonderem Ernst war es den Erziehern ans Herz gelegt, dafür zu sorgen, dass der Prinz von schlechtem Umgang und auch von schlechten Büchern fernge- halten würde, die geeignet seien, die Keuschheit seines Sinnes zu schädigen. Wie nöõtig das gerade in jener Zeit war, erfährt durch die Folge eine Bestätigung, indem durch den bekannten Besuch in Dresden, bei dem Friedrichs Sinnlichkeit in die gefährlichste Versuchung geriet, hauptsächlich mit der Grund zu dem traurigen Zerwürfnisse mit dem Vater gelegt wurde.
Was Friedrichs Erziehung in wissenschaftlicher Hinsicht betrifft, so kann ich mich, da dies Thema eine erschöpfende Behandlung durch Bratuscheck erfahren hat, hierüber an dieser Stelle kurz fassen. König Friedrich Wilhelm war zwar durchaus nicht, wie man wohl behaupten hört, ein Gegner der Künste und Wissenschaften, vielmehr mass er nur denjenigen eine Bedeutung bei, von denen er eine praktische Verwertung vor Augen sah. Hohen Wert legte er insbesondere auf den Unterricht in der Geographie und noch mehr der Geschichte, deren erziehliche Bedeutung er auf das entschiedenste betont.„Der Lehrer soll die Exempel derjenigen Könige und Fürsten, welche Gott wegen ihrer Frömmigkeit und Gottesfurcht mit einer glücklichen Regierung gesegnet hat, wie auch im Gegenteil die Exempel derer, die durch Abfall von Gott und lasterhafte Conduite sich und ihre Lande in alles Unglück stürzten, unablässig vorhalten, dergestalt solcher Exempel sowohl die heilige Schrift als auch die weltlichen Geschichtsbücher voll sind.“
Auf die angegebene Weise wollte Friedrich Wilhelm, wie er sich selbst ausdrückte, seinen Sohn zu einem guten Christen und tüchtigen Wirt erziehen. Die dritte Seite seiner erziehlichen Thätigkeit, ihn zu einem tüchtigen Soldaten auszubilden, worauf der Soldatennatur des Königs entsprechend die meiste Zeit und Mühe verwendet wurde, kann ich füglich hier übergehen, zumal sie genug allgemein bekannt ist.
In jeder Beziehung verlangte er von seiten des Prinzen einen unweigerlichen Gehorsam, doch sprach er es wiederholt aus, dass derselbe kein knechtischer, sondern ein kindlich vertraulicher sein und aus der Liebe des Prinzen erwachsen solle, dessen Bestes er ja im Auge habe und dem er als seinem Sohne mit herzlicher Vaterliebe zugethan sei; sein Sochn könne und solle ihn als seinen besten Freund betrachten und eine brüderliche Liebe zu ihm fassen. Aber wie er, der König, sich beugte vor Gott, so sollte der Prinz sich beugen vor der besseren Einsicht, der Autorität des Vaters, im Hinblick auch auf den Grundsatz, dass, wer einst befehlen will, zuvörderst und vor allen Dingen das Gehorchen gelernt haben muss.
Wenn Friedrich Wilhelm nun bei der praktischen Durchführung seines Erziehungsplanes mit unnachsichtlicher Strenge verfuhr, so war das eine notwendige Konsequenz seiner ganzen An- schauung. Er stand in allen Stücken, namentlich aber hier auf dem Boden des alten Testamentes. „Wer seine Rute schonet, der hasset seinen Sohn, wer ihn aber liebet, der züchtiget ihn,“ dieser Spruch hat ihm als Richtschnur seiner praktischen Erziehungsmethode gedient. Härte und Strenge und eine gewisse Rücksichtslosigkeit, deren er allerdings unter den damaligen Verhältnissen des Staates nicht entraten konnte, wenn er seinen Massregeln Geltung verschaffen wollte, waren dem Könige zur zweiten Natur geworden, und bei dem eigenen Sohne, der einst in seinem Geiste weiter regieren sollte, war er am allerwenigsten geneigt, eine Ausnahme zu machen. Wenn wir deshalb die harten Massregeln, die er zuweilen ergriff, ebensowenig rechtfertigen wollen wie seinen Jäh- zorn, dem er unterworfen war, so dürfen wir doch nicht verkennen, dass er auch da überall von
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