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verweise ich auf Bratuschecks Buch selbst; an dieser Stelle muss ich mich auf die Hervorhebung der wichtigsten Punkte beschränken.
„Indem Leibniz,“ sagt Bratuscheck über die genannte Abhandlung dieses Philosophen,„davon ausgeht, dass die Erziehung überhaupt eine Vervollkommnung der menschlichen Natur bezweckt, unterscheidet er drei Grade von Vollkommenheiten, welche dem Fürsten durch die Erziehung mit- zuteilen sind: der erste Grad umfasst die notwendigen, der zweite die nützlichen, der dritte die zur Zierde gereichenden Eigenschaften. Notwendig ist, dass der Fürst zu einem sittlich guten, d. h. frommen und pflichtgetreuen Menschen, zu einem Manne von Mut, von gesundem Urteil und gesell- schaftlichem Anstand erzogen werde. Nützlich ist es dann, dass er seinen Beruf, die Staats- und Kriegskunst, gründlich verstehen lerne. Denn wenn er sich auch durch geschickte Minister und Generale vertreten lassen kann, so ist es doch für ihn selbst und den Staat vorteilhafter, wenn er selbst regiert und kommandiert. Zur Zierde endlich gereicht es ihm, wenn er über das Bedürfnis hinaus aufgeklärt und von herzgewinnender Anmut ist.“ Ebenso stellt die Instruktion von 1695, wie Bratuscheck dann weiter ausführt(S. 9), die moralische und religiöse Erziehung an die Spitze. „Von der ersten Jugend an soll dem Prinzen Lust und Liebe zur Tugend und Abscheu vor dem Laster beigebracht werden, und zwar hauptsächlich durch Einpflanzung der Gottesfurcht und Er- weckung des rechten Ehrgefühls, welches auf der Erkenntnis beruht, dass er erst den Ruhm, ein rechtschaffener Mann zu sein, erwerben müsse, ehe er zu dem Rufe gelangen könne, ein grosser und löblicher Fürst zu sein. Als notwendigster Unterrichtsgegenstand erscheint deshalb die Religion und die auf Reflexion über die Geschichte gegründete Moral. Hieran reihen sich die Studien, die zur Zierde des Fürsten gereichen. Für dieselben werden zunächst die von Leibniz hervorgehobenen methodischen Grundsätze eingeschärft: der Fortschritt im Lernen soll den Jahren angepasst werden; das Nötigste, also vor allem das für den künftigen Beruf Nützliche, zuerst, alles aber ohne Ekel und Verdruss, vielmehr, soweit dies möglich, mit Lust und gleichsam spielend gelernt, der Prinz zum Studieren nicht gezwungen werden.“ Hierauf werden die einzelnen Unter- richtsfächer, sowie die zu handhabende Methode genauer besprochen.
Am Schlusse seiner Abhandlung hatte Leibniz einst bemerkt, dass er einen Fürsten, der ein tüchtiger Soldat sei, sich auf die Bewirtschaftung und Verwaltung seines Staates mit allem Ernste lege, ihn durch seine Betriebsamkeit zur Blüte bringe und vor allem die Frömmigkeit und Gerechtigkeit hochhalte, dem geschicktesten Monarchen der Welt vorziehe, der alle wissenschaft- lichen und ritterlichen Ubungen verstünde, alle Sprachen redete, alle schönen Manieren hätte und in der Unterhaltung glänzte, aber die Besorgung der Geschäfte und das Wohl derjenigen, deren Leitung ihm Gott anvertraut habe, um seiner Vergnügungen willen vernachlässige. Aus diesen Worten, die in der That das eigentliche Wesen jenes Erziehungsplanes treffend kennzeichnen, be- greift es sich schon, wenn Friedrich Wilhelm mit Freuden die einst zu seiner Erziehung erlassene Instruktion ergriff und sie im Jahre 1718 für die Erzieher seines Sohnes Friedrich mit nur wenigen Abänderungen erneuerte. Namentlich aber war es ihm aus der Seele gesprochen, wenn die Religion und die auf dieselbe begründete Moral als die Hauptpunkte der ganzen Erziehung an die Spitze gestellt wurde.„Vor allen Dingen“, heisst es nämlich in der Instruktion,„wird darauf zu sehen sein, dass das Gemüt, woraus alle menschlichen Handlungen herfliessen, dergestalt formieret werde, dass der Prinz von der ersten Jugend an eine Lust und Hochachtung zur Tugend, dagegen einen Abscheu und Ekel vor dem Laster bekomme. Hierzu kann nichts mehr helfen, als dass die wahre


