Beilagen. I. Aus dem Stadt⸗Archiv zu Frankfurt a. M.) J.
Die Frankfurter Judengemeinde verſetzt, um ſich ihrer großen Geldſchuld zu entledigen, ihre Synagoge, ihren Synagogenhof, ihren Kirchhof und die zu demſelben gehörigen Häuſer auf beſchränkten Wiederkauf an Wigand von Kolnhuſen. Dat. 1316 Oct. 15. Kriegk, Deutſches Bürgerthum im Mittelalter. Neue Folge S. 412 ff.— Hier genau nach dem Original abgedruckt.
In godes namen amen. Wir scultheise Vorat ein ritter, die.. scheffin vnde der.. rat von Frankenuord bekennen vffinliche an diesem brieue vnde begeren sa den geinwortigin sa den zükunftigin dirre dinge, die hernach gescrebin sint, kuntschaft zü vernemene, das die gemeinschaf der Juden gü Frankenuord vor vns waren vnde cleiden ir not vnde irn kummer vnde groze schold da sie grabeliche inne waren, vnd wan sie anders nicht inhatin anzegrifene da sie ir schold mide mochtin geldin vnde ir not etlichermaze verwinden, des wurdin sie vnder in zů rade: won dise not vnde diese scult die gemeinde der Juden ane- gieng, das sie von der gemeinen Juden gude ouch etlicher maze sich dan vz wundin; des inkunden sie bessers nit vinden noch erdenken wan das sie vf ir scole vnde scolhob vnde ir kirchob vor derstad vnde die hus die zü deme kirchobe horent hant verkouft deme ersamen manne Wigande von Kolnhusin vnsin burger vnde Kuntzelin siner elichen wirtin vnde iren erbin acht- vntzwenzig marc Colscher phenninge ane zwenvntrizig Colsche phen- ninge, dri haller vur den phenning, ie die marc Vmme zwelf marc phen- ninge der selbin werunge,*) alle jar vf sente Mychels dag vnde binnen den nesten achte dagen die dar nach volgint ze gebene, mit vnderscheiden, alse hernach volgint. Das erste ist, das sie nü zu wienachten suln gebn zu invarndeme zinse seszehn marc phenninge vorgenanter werunge zuschen deme Crist- dage vnde deme jarsdage, darnach Ses jar nach einander vf sente Mychels dag vollen- kumen zins also vor gered ist, alsa bescheidenliche: wers das die Juden der vornanten
¹) Unſere mit wiſſenſchaftlichem Sinne geleitete ſtädtiſche Archiv⸗Verwaltung gewährt allen auf ſie angewieſenen Studien die willkommenſte Erleichterung; ich bin aber unſerm Stadtarchivar, Herrn Dr. Grotefend auch außerdem noch für mannigfache Belehrung Dank ſchuldig. Auch Herrn Dr. Richard Froning habe ich für freundliche Hilfe zu danken.
²)„Das Pſund Heller im Jahre 1325 ungefähr hat ſeinem Silberinhalte nach heute einen Wert von 6 Mark 88 Pfennigen. Dem Pfunde Heller ſtand damals gleich der Goldgulden, welcher ſeinem Goldinhalte nach heute einen Wert von 9 Mark 71 Pfennigen hat. Da man am Anfange des 14. Jahrhunderts Silber zu Gold in das Verhältnis von 1: 10, heute aber in das von 1: 15 ½ ſtellt, ſo wird man je nach dem gewählten Maßſtabe bei der Umrechnung von Beträgen aus dem Mittelalter zu ganz verſchiedenen Summen gelangen. Es ſind wert 50 Pfund Heller in Silber 344 M., in Gold 485.50 Mark; 200 Pfund Heller 1376 bezw. 1942 Mark, 1000 Pfund Heller 6880 bez. 9710 Mark, erner 4 Mark kölniſcher Denare oder 576 kölniſche Denare gleich 1728 Hellern heute 49,54 Mark, bezw. 69,91 Mark. Die Kaufkraft des Geldes während des Mittelalters iſt im Allgemeinen viel höher geweſen als ſie jetzt iſt, ſie war mindeſtens das zehnfache. Demnach ſtellt die Rente von 50 Goldgulden heute eine von 500 Goldgulden oder 500 9,71= 4855 Mark deutſcher Reichswährung dar, das Kapital aber 58 260 Mark Reichswährung.“ Dieſe Anmerkung verdanke ich dem Kenner unſeres mittelalterlichen Münzweſens, Herrn Paul Joſeph, Lehrer an der hieſigen Uhlandſchule.


