Aufsatz 
Der alte Friedhof der israelitischen Gemeinde zu Frankfurt a.M : mit urkundlichen Beilagen
Entstehung
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neuen Hoſpitals auf dem Bleichgarten, zwiſchen den Backöfen und dem Friedhofe, wurden mehrere Wohnhäuſer für das Hoſpital gebaut, daneben wurde ein FederviehSchlachthof eingerichtet, hinter demſelben ein Spritzenhaus.

So blieb es auch, als nach Beſeitigung der Stadtmauer mitſamt den drei Türmen und nach Ausfüllung des Rechneigrabens die Rechneigrabenſtraße hergeſtellt wurde. Seit einem halben Jahrhundert aber hat ſich alles verändert. Wo einſt die Backöfen ſtanden, ſteht jetzt das ſtattliche Haus der Krankenkaſſe; auf dem Terrain des Holzplatzes und Gartens erhebt ſich unſer Schulhaus mit dem dazu gehörigen Neubau; ſowohl das alte als auch das neue, 1715 erbaute Hoſpital ſind beſeitigt, an ihrer Stelle ſteht die neuerbaute Gemeindeſynagoge. Nur der Friedhof,das ewige Haus ¹), hat allen Wechſel der Zeiten überdauert. Auch kommende Generationen werden noch auf ihn herabſchauen; denn als, nach Ablöſung aller darauf haftenden Gülten und Zinſen, die Über⸗ ſchreibung desalten Todtenhofes der Israeliten er umfaßt ein Areal von 5 Morgen 2 Viertel und 23, 62 Ruthen oder 114 Ar in dem Transſcriptionsbuche auf den Namen der hieſigen israelitiſchen Gemeinde erfolgte, wurde feſtgeſetzt, daß derſelbe vom Jahre 1828 an hundert Jahre ruhig und unbenutzt zu verbleiben habe.

III.

Die Grabſchriften, ſagt Zunz²)ſollten das Gedächtnis der Toten über die Zeit hinaus, in welcher die fromme Liebe der Verwandten und Verehrer ſie errichtet, den Nachkommen erhalten, und der Beſitz oder die Kunde von dieſen Denkmälern, reichten dieſelben auch nur bis in das elfte Jahrhundert hinauf, würde für die ſo mangelhafte Familienkunde der Juden, ſelbſt für Litteratur und Geſchichte, einen unſchätzbaren Wert haben. Aber mit kälterer Gleichgültigkeit, mit heißerem Fanatismus iſt nichts zerſtört, ausgerottet worden, als jüdiſche Leichenſteine; was aus älterer Zeit in Europa, Aſien und Afrika an zahlloſen Orten von Grabdenkmälern der Art vorhanden war, hat man bald gefliſſentlich vernichtet, bald ſorglos untergehen laſſen. Freilich waren die gekauften Grabſtätten nebſt den Denkſteinen das Eigentum der Einzelnen, und die für ſchweres Geld von Fürſten, Reichsſtädten, Biſchöfen erworbenen Begräbnisplätze Eigentum der Gemeinden: nichts deſtoweniger hat man im dreizehnten Jahrhundert und ſpäter in Spanien, Italien, Frankreich, Deutſchland die Gräber ent⸗ weiht und geplündert,die heiligen Steine zum Schimpf auf die Straßen geworfen, die Gebeine der Gottesverehrer aus den Gräbern geriſſen, und vor den Augen der Überlebenden die Leichen getreten und geplündert,(altes Synagogalgebet) oder nach Verjagung und Ermordung der Juden die Gottesäcker genommen, die Leichenſteine zertrümmert und anderweitig benutzt. In ganz Deutſch⸗ land namentlich ſind zwiſchen dem vierzehnten und dem ſechzehnten Jahrhundert Wälle, Grund mauern, Kirchen und Häuſer mit ſo erworbenen jüdiſchen Leichenſteinen ausgebaut worden.

Bedenkt man dieſes, ſo erkennt man ſogleich die Bedeutung des hieſigen israelitiſchen Fried⸗ hofes, deſſen Denkmäler bis in die zweite Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts zurück reichen. ³)

¹) beth olam; andere Bezeichnungen ſind:Das Gräberhaus,das Haus des Lebens,der Friedhof,der gute Ort. Vergl. übrigens Zunz, Zur Geſchichte und Litteratur I, 442.

²) Zunz, Zur Geſchichte und Litteratur I, 395.

¹)Erweislich älter als das elfte Jahrhundert iſt kein gegenwärtig noch vorhandener mit hebräiſcher Inſchrift verſehener jüdiſcher Leichenſtein, und der älteſte möchte der vom Jahre 1083 in Worms ſein Zunz 1. c. 394. Die Meinung, daß die Grabſteine unſeres hieſigen Friedhofes in ununterbrochener Continuität vom 13. Jahrhundert an noch vorhanden ſind, iſt freilich ausgeſchloſſen. Es beſteht die Tradition, der Friedhof ſei fünfmal überſchüttet worden; beglaubigte Nachrichten darüber habe ich nicht ermitteln können; daß man aber zu verſchiedenen Zeiten verſchiedene Teile des Friedhofes wirklich überſchüttet habe, ergibt die Beſchaffenheit des Terrains.