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der Leichen beſtimmt war.¹) Der Zugang zum Friedhof war von der Riedaaſſe, der jetzigen Aller⸗ heiligengaſſe, durch eine Straße, welche damals„Judengaſſe“ genannt wurde, jetzt„hinter der Juden⸗ mauer“ heißt.²) Der Grund und Boden des Friedhofs und die Häuſer darauf waren volles und ausſchließliches Eigenthum der jüdiſchen Gemeinde. Das ergiebt ſich aus einer noch im Original vorhandenen Urkunde vom 15. Oktober 1316. Um dieſe Zeit nämlich war die hieſige jüdiſche Ge⸗ meinde wegen der mannigfachen und hohen auf ihr laſtenden Steuern in einer Geldverlegenheit. Die Juden ſtanden als Kammerknechte des Kaiſers unter kaiſerlichem Schutz. Dieſer Schutz hatte freilich die Judenſchlacht des Jahres 1241 nicht verhindern können, allein die Bürgerſchaft hatte dadurch den Unwillen des Kaiſers erregt, ſchon deshalb, weil mit der Vernichtung der hieſigen jüdiſchen Ge⸗ meinde dem Kaiſer eine Einnahmequelle verloren gegangen war. Die darüber angeordnete Unter⸗ ſuchung hatte endlich dahin geführt, daß König Konrad IV. im Jahre 1246 in Berückſichtigung ihrer ſonſt bewährten Treue den Bürgern Strafe und Schadenerſatz erließ.²) Indem nun die Gemeinde, die ſich wohl ſchon während des Interregnums hier wieder anſiedelte, unter kaiſerlichen Schutz trat, unterließen es weder Rudolf von Habsburg noch ſeine Nachfolger, ſie ſtark zu beſteuern. Adolf von Naſſau wurde 1292 nur von dem Frankfurter Schultheißen Heinrich von Praunheim daran verhindert, von den Juden die Koſten ſeiner Krönung einzutreiben,¹) im Jahre 1297 aber verlieh er dem Erzbiſchof von Mainz 300 Mark jährlicher Einkünfte von den Juden und behielt ſich dabei das Recht vor, von den Juden das Kapital dieſer Rente zu erheben, um damit nicht etwa die Juden von der Zahlung der 300 M. Zinſen zu befreien, ſondern die Rente von dem Erzbiſchofe von Mainz wieder zurückznkaufen. Von König Albrecht erwarb der Erzbiſchof von Mainz 1299 weitere 500 Pfund Heller Rente. So waren die Juden in der Hand des Erzbiſchofs von Mainz, ihm allein hatten ſie jährlich 300 Mark und 500 Pfund Heller und anderweitig noch 45 Mark zu zahlen.) Dieſes alles hinderte aber den Kaiſer nicht, in Geldverlegenheiten ſie dennoch zu beanſpruchen.⁰) Schon 1315 vermehrte ſich ihre Steuerlaſt: Ludwig der Bayer, welcher ſich im übrigen der Frankfurter Juden ſehr annahm und ſie vor den Verfolgungen der Schlägler zu ſchützen bemüht war, verpflichtete
¹) In der im Anhange mitgeteilten Urkunde vom Jahre 1306 heißt es: unde ir kirchob vor der stad unde die hus, die czu deme kirchobe horent. Vergl. auch Battonn, V, 318: 1390 Henne ym Juden Kirchhoffe; Bedebuch 1400 Girlach in dem Judenkirchhoffe.
²) Baldemar von Peterweil, Beſchreibung der Kaiſerlichen Stadt Frankfurt a. M. aus dem 14. Jahrhundert, hrsg. v. Dr. Euler in Mitteilungen des Vereins für Geſch. und Altertumskunde in Frankfurt a. M. I, 65. Impertransibiles. (Sackgaſſen). Rydergazze, latere meridionali unus judeorum a cemiterio eorumdem et fossato antiqui opidi ad vicum Rydergazze ex opposito quasi Burnheymergazze, sed plus ad orientem. Vergl. noch ibid 100.
¹) Urk. apud Rotinburc 1246 wahrſcheinlich im Mai. Boehmer Cod. Moenofr. 76 und Regesta imperii inde ab 1198 usque ad 1254 Conrad. IV. Reg. no. 78.
4) Rex exactionem in Judeos tentavit, sed non potuit, resistente sculteto Francfordiano Chron. Colm. ed. Jaffé M. G. SS. XVII 257. Dem Schultheißen Heinrich von Praunheim(von 1273 bis 1303. S. Kriegk, Deutſches Bürgerthum im Mittelalter I. 509) hatte Rudolf von Habsburg am 10. Februar 1281 von jedem zu Frankfurt wohnenden Juden bis auf Widerruf eine Mark jährlich verliehen(Boehmer Cod. Moenofr. 202). Vielleicht, daß der Schultheiß durch eine neue Belaſtung der Juden den prompten Eingang dieſer Steuer bedroht ſah. Das würde dann das Verhalten des Schultheißen erklären, welches Kriegk, Bürgerzwiſte S. 413 auffallend findet und in ſeiner Geſchichte Frankfurt's S. 132 als eine mutige That bezeichnet.
⁵) Wie viel das nach unſerem Gelde ausmacht, vermögen wir nicht genau zu berechnen, da uns die deutſchen Münzpverhältniſſe im 13. Jahrhundert nicht genügend bekannt ſind. S. Kriegk, Bürgerzwiſte S. 415.
) S. Boehmer, Cod. Moenofr. 274, 281, 353, 380.


