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ſinnigen Geſchichtsforſcher oft gelingt, undatierten Urkunden das ihnen gehörende Datum zu geben, ſo verſtand er es, für die in ſeinen Bereich gehörenden, beziehunglos überlieferten Mitteilungen die Stellen der heiligen Schrift zu bezeichnen, an die ſie ſich anlehnen. Er ordnete das mit ſtaunens⸗ wertem Fleiß und Scharfſinn geſammelte Material überall mit genauer Quellenangabe nach den Büchern der heiligen Schrift, zu welcher ſein Werk— das er Jalkut, d. h. Sammlung, betitelte— eine durchaus eigenartige, lehrreiche, ſeitdem unaufhörlich benutzte Erläuterungsſchrift darbietet, ab⸗ wechſelnd teils Homilie, teils Commentar. ¹)
Die Thatſache, daß ein ſo hervorragendes litterariſches Produkt aus der erſten Hälfte des 13. Jahrhunderts einen Frankfurter zum Verfaſſer hat,²) beweiſt zweifellos, daß mindeſtens ſchon im 12. Jahrhundert und wohl auch ſchon früher eine jüdiſche Gemeinde hier exiſtiert hat. Sie hat exiſtiert, obgleich ihrer vor dem Jahre 1241 nirgends Erwähnung geſchieht, und ſo iſt die Über⸗ lieferung von der Exiſtenz eines israelitiſchen Friedhofes innerhalb des alten Judenquartiers wegen Mangels zeitgenöſſiſcher Berichte nicht ohne weiteres zu verwerfen. Wir wollen keinen beſonderen Wert auf die Mutmaßung legen, daß bei den älteſten Erwähnungen des jetzigen alten Friedhofes die Bezeichnung„der Friedhof außerhalb der Mauern“(cymiterium extra muros) auf einen Friedhof innerhalb der Mauern ſchließen laſſe, wohl aber fällt es ins Gewicht, daß dort, inner⸗ halb des alten Judenbezirkes, in der Nähe der ehemaligen Synagoge, welche an der Stelle ſtand, wo heute das Archivgebäude ſich befindet, in der Tiefe Grabſteine gefunden worden ſind.³) Drei Trümmer ſolcher Grabſteine bewahrt das ſtädtiſche Archiv. Die Bruchſtücke ihrer hebräiſchen In⸗ ſchriften enthalten einige lesbare und verſtändliche Wörter, leider aber kein Datum; die Schrift weiſt auf ein weit zurückliegendes Jahrhundert; ſie hat Aehnlichkeit mit der der älteſten Grabſteine unſeres Friedhofes aus dem 13. Jahrhundert, ſie mag aber auch älter ſein.
II.
Mörderiſche Judenverfolgungen pflegen im Mittelalter auch von der Vernichtung der jüdiſchen Grabſtätten begleitet zu ſein. Die Iudenſchlacht des Jahres 1241, die einzige von Frankfurter Bürgern ausgegangene Judenverfolgung, trug den Charakter eines Vernichtungskampfes: wie man die Gemeinde ausrottete, die Thorahrollen zerriß, zwei Lehrhäuſer vernichtete, die Synagoge zerſtörte,) ſo wird man auch die Gräber der Toten nicht verſchont haben. Als ſich dann in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts hier wieder eine jüdiſche Gemeinde ſammelte, erſcheint der jetzige alte Friedhof als ihr Begräbnisplatz. Er lag außerhalb der damaligen Stadtmauer und jenſeits des alten Stadt⸗ grabens, auf freiem Felde, von Bleichgärten begrenzt. Er war ſchon früh von einer Mauer um⸗ geben, und es ſtanden ein paar Häuſer auf demſelben, davon das eine wahrſcheinlich zur Waſchung
¹) Eine eingehende Charakteriſtik des Werkes ſiehe bei Zunz, Gottesdienſtliche Vorträge S. 295, 303 und Horovitz, Frankfurter Rabbiner I, 2—5 und S. VI.
²) Vergl. Zunz 1. c. Auch Ranke, Weltgeſchichte III 2, 27, ſetzt die Abfaſſung des Jalkut in die erſte Hälfte des 13. Jahrhunderts.
³) Battonn, Oertliche Beſchreibung der Stadt Frankfurt a. M. hrsg. v. Euler III, 357 in der Beſchreibung der Häuſer auf der Südſeite des Garküchenplatzes erwähnt bei dem Hauſe Lit. M. No. 10.„Drei Säukopf“ genannt: „1791 entdeckte man vor dem Brunnen einen Stein, darauf eine alte hebräiſche Grabſchrift eingehauen war.“
⁴) Trauergeſänge für den 9. Ab l. c. no. 43.


