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großartig und des geliebten Todten würdig veranſtalten könne. Tacitus gibt eine lange Aufzählung von all' den Ehrenbeſchlüſſen, in denen Senat und Volk wetteiferten. Er ſelbſt findet es zu lang, einen genauen und vollſtändigen Bericht darüber zu geben, und auch wir können uns des Verſuches enthalten. Nur Einen Vorfall müſſen wir erwähnen, deſſen Ver⸗ lauf den Kaiſer in hohem Maße ehrt. Schmeichler ſtellten nämlich im Senate den Antrag, weil ſich Germanicus auch mit literariſchen Arbeiten beſchäftigt habe, ſo möge ſein Medail⸗ lonbildniß auf goldenem Schilde von ungewöhnlicher Größe unter den Heroen römiſcher Poeſie und Beredtſamkeit auſgeſtellt werden. Dieſem ſchmeichelnden Antrag trat Tiberius mit aller Energie entgegen, indem er die beſtimmte Erklärung abgab, er werde ſeinem Sohne nur ein ganz gewöhnliches weihen.„Denn in der Literatur mache die äußere Lebensſtellung „keinen Unterſchied, und es ſei Ehre genug für Germanicus, wenn er überhaupt in die Ge⸗ „ſellſchaft der alten Schriftſteller aufgenommen werde.“ ²)
Agrippina, kurz nach dem Tode ihres Gatten völlig geknickt von Schmerz, kennt, nach⸗ dem ſie ſich wieder einigermaßen geſammelt, kein anderes Gefühl als Durſt nach Rache an den vermeintlichen Mördern des Germanicus. In aller Eile ſchifft ſie ſich mit ihren Kin⸗ dern und den traurigen Aſchenreſten des geliebten Todten ein, um möglichſt raſch in Rom die Anklage der verhaßten Feinde bewerkſtelligen zu können. An der Küſte von Lycien und Pamphylien ſtießen ihre Schiffe auf das Geſchwader Piſo's, der damals nach Syrien eilte, um dort den oben geſchilderten Aufſtandsverſuch zu unternehmen. Zuerſt glaubte man, die beiden Flottillen würden einen Kampf wagen, und man ſchimpfte denn auch weidlich hin⸗ über und herüber, ließ es aber, wohl aus Furcht vor der Strafe des ſtrengen Kaiſers, nicht zu Thätlichkeiten kommen. Vibius Marſus, ein Freund des verſtorbenen Germanicus, ging ſo weit, dem Piſo zuzurufen, er möge nach Rom kommen und ſich vor Gericht verant⸗ worten, worauf Piſo entgegnete, er werde kommen, ſobald der in Vergiftungsſachen unter⸗ ſuchende Prätor Ladung ergehen laſſe. Dann eilte Piſo nach Syrien, Agrippina aber in ununterbrochener Fahrt nach Corcyra, wo ſie leiblich und geiſtig im höchſten Grade erſchöpft, wenige Tage auf ihre Erholung verwandte. Bei der Landung in Brunduſium wurde ihr ein großartiger, ergreifender Empfang zu Theil. Betannte und Unbekannte, Officiere, die ehemals unter Germanicus gedient hatten, und die Behörden der benachbarten Municipal⸗ ſtädte waren zum Empfang der unglücklichen Prinzeſſin herbeigeeilt und bedeckten in unab⸗ ſehbaren Maſſen die Uferränder. Noch war man im Zweifel, ob man die hohe Trauernde bei der Ausſchiffung ſtillſchweigend oder mit irgend einem Beileidsrufe empfangen ſolle, als auch die Flotte ſchon in nächſter Nähe war. Langſam und lautlos fuhren die Schiffe he⸗ ran und wurden auch von den am Lande Harrenden mit bangem Schweigen empfangen. Als aber Agrippina mit der Aſchenurne im Arme an's Land ſtieg, begleitet von ihren Kin⸗ dern und den trauernden Freunden, da machten ſich die gepreßten Herzen in einem einzigen Seufzen und Stöhnen Luft, und erfüllten Männer und Frauen, Freunde und Unbetannte, Nahe und Entfernte, die Luſt mit Jammergeklage und Wehgeſchrei.— Darauf ſetzte ſich der traurige Zug nach der Hauptſtadt in Bewegung. Auf Befehl des Kaiſers waren zwei Cohorten der Leibwache gekommen, um als Chrenescorte die Reſte des Prinzen nach Rom zu begleiten, die Behörden der Municipalſtädte, welche der Zug berühren mußte, hatten Weiſung erhalten, für würdige Trauerfeierlichkeiten in ihren Städten Sorge zu tragen, und auch von entfernteren Ortſchaften, welche der Zug nicht berührte, kamen Theilnehmende in Maſſe herbeigeſtrömt. Von der kaiſerlichen Familie gingen Druſus und des Germanicus Bruder
², II. 83. Cum censeretur clipeus auro et magnitudine insignis inter aucto res eloquentiae, adseveravit Tiberius solitum paremque ceteris dicaturum: neque enim eloquentiam fortuna discerni, et satis in lustre, si veteres inter scriptores haberetur.


