Aufsatz 
Beitrag zur Würdigung des Atheniensers Kleon
Entstehung
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Doch wir kommen auf die Sache ſelbſt zurück und zwar zum Kern derſelben: Von der oben wiedergegebenen Definition derSchulgeographie ausgehend, ſpricht ſich L. über das Ver⸗ hältniß des geographiſchen Unterrichtes zu anderen Disciplinen aus. Die Aufgabe der Schule be⸗ ſtehe darin, die ſichtbare Erdoberfläche zum Zwecke der Orientirung in Bezug auf allgemeine Natur⸗ und Culturverhältniſſe und für größere Ganze kennen zu lehren. Dieſes Feld könne der Geographie keine andere Viſſenſchaft ſtreitig machen, ſelbſt die Aſtronomie nicht, welche ja nur die äußere Erſcheinung eines Weltkörpers verzeichne.Alſo den eigentlichen Kern der Geogra⸗ phie und nur dieſen, beanſprucht Dr. L. für die Schule.Da aber die Wiſſenſchaft nur Eine iſt und die einzelnen Wiſſenſchaften alſo auch auf der Schule ſchon ineinander greifen ſollen, ſo müſſen wir, meint Langenſiepen, wenn auch oder gerade weil die Geographie nur den Schau⸗ platz der Geſchichte und Naturkunde zeigen ſoll, vor Allem den bisherigen Irrweg verlaſſen, die Geographie zu einem buntſcheckigen Allerweltsrepertorium, einem Cento undSammelſurium alles Wiſſenwerthen zu machen. Er ſpricht weiterhin vonverführeriſchen Redensarten einer leicht⸗ fertigen, aber unfertigen Theorie, die da Geſchichts⸗ und Naturkunde, Handel und Verkehr als Requiſite ſpäteren Berufes der Geographie aufzubürden nicht erröthet(!) Schlachtfelder, Friedens⸗ ſchlüſſe, Denkmäler, Lumina, Thiere, Pflanzen, Mineralien, Waaren u. ſ. w., die der Schüler noch dem Namen nach gar nicht kennt, würden unverſtanden und mit hohlem Tand den eitlen jungen Kopf aufblähend, obendrein mit ihrer Maſſe das wirklich zu erlernende ſpecifiſch Geo⸗ graphiſche verdunkeln und erdrücken. Nachdem ſodann verſtändigeren Lehrbrüchern, wie dem des Prof. Pütz,der ſich trotz ſeiner Anſicht von nie zu vermittelnder Verſchiedenheit der Anſichten über das Zuviel und Zuwenig des rein Geographiſchen vor Allem bewußt blieb, ein Lob ge⸗ ſpendet worden, wendet ſich Dr. Langenſiepen(man denkt unwillkürlich an Karl d. Gr. in der Schule) mit umwölkter Stirne gegen ſüddeutſche Lehrbücher der Geographie, die auf faſt 400 Seiten, oder in ihren zwei Theilen auf doppelt ſo vielen, ihre kleinen und großen Schülerköpfe gewiß noch viel enger zuſammendrücken.

Da nicht geſagt iſt, gegen welche ſüddeutſche Lehrbücher dieſe Rüge eigentlich ſich wendet, ſo entzieht ſich dieſelbe jeder Beurtheilung; doch will es uns, abgeſehen von dem doch gar zu äußerlichen Moment der Seitenzahl, worauf ſie zunächſt ſich ſtützt, ſcheinen, als ſei dieſelbe der Ausfluß einer Stimmung, in welcher Herr Dr. Langenſiepen desrein Geographiſchen ſich kaum noch bewußt geblieben. Immerhin iſt es aber ſehr bemerkenswerth, daß nach einer Decennien hindurch fortgeſetzten Bemühung um Vertiefung und Belebung des geographiſchen Unterrichts die Methode kaum beſſer beſtellt ſein ſoll, als zu jener Zeit, da Raumer(freilich ungleich wohl⸗ wollender) ſich dahin ausſprach:Es iſt, als hätten ſich in unſerer Zeit alle Wiſſenſchaften und Künſte ein Rendezvous zu einem Familienfeſte gegeben, weil ſie erſt jetzt ſich ihrer Verwandt⸗ ſchaft bewußt geworden. Da kommen Aſtronomen, Phyſiker, Botaniker, Zoologen, Mineralogen, Sprachforſcher, Statiſtiker zuſammen, bringen die Früchte unſäglicher Arbeit, um dieſe Früchte in Ein großes gemeinſames Werk zuſammen zu faſſen. Sie möchten gern alles, was die weite Erde bietet, ſo zuſammenſtellen, daß es überblickt und begriffen werden könnte. ¹)

So ſehr indeſſen die beiderſeitigen Einwendungen gegen eine weit verbreitete Methode zu⸗

¹) Geſchichte der Pädag. III, 318.