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richtige Auswahl des Stoffes und das richtige Maß(vgl. ſeine Geſchichte der Pädagogik III, 318). Und heute, nach weiteren vierzig Jahren, welche ſo manche geographiſche Leiſtung brachten, die wegen ihrer pädagogiſchen Brauchbarkeit den geographiſchen Unterricht beherrſchten(man denke an Grube's Charakterbilder), wird dieſelbe Klage wieder laut.
Im Programm der Realſchule zu Siegen vom Jahre 1869 findet ſich eine bemerkenswerthe Abhandlung von dem Oberlehrer Dr. Langenſiepen:„Ueber Grenzen, Zweck und Me⸗ thode der Schulgeographie“, namentlich„mit Rückſicht auf planmäßiges, einfaches Karten⸗ zeichnen.“ Die Lehrer der Geographie finden darin mancherlei Neues und Anregendes, wohl aber auch manches„Unerhörte.“ So das ſchroffe Urtheil über die„ſpezielle Heimathskunde“, über die bisher beliebte Art des Kartenzeichnens(vgl. übrigens dazu auch die Anſicht Raumers a. a. O. III, 316, und Palmers, welcher das Kartenzeichnen als eine Species des Zeichnens den Oberreal⸗ klaſſen zuweiſt. Pädagogik, S. 623.)
Doch berühren derartige Meinungsäußerungen nur ſolche Theile des geographiſchen Unter⸗ richtes, über welche man auch bei weſentlicher Uebereinſtimmung in den Principien verſchiedener Anſicht ſein kann. Aber der Verfaſſer genannter Abhandlung richtet ſeine Pfeile nicht blos gegen discutirbare Modalitäten einer faſt allgemein acceptirten Methode, ſondern gegen das Centrum derſelben; er findet, daß man bisher den Anfänger in der Geographie und den Geographen von Fach verwechſelt habe.„Geographie iſt ihm vor Allem eine Wiſſenſchaft der Anſchauung, Schulgeographie aber eine Anleitung zum Verſtehen des Atlas. Globus, Schul⸗ atlas und Wandkarten ſind die Autoren, die der Schüler verſtehen lernen ſoll, das Lehrbuch die Grammatik und das Lexikon, die das Verſtändniß näher aufſchließen. Die geographiſchen Kunſt⸗ ausdrücke ſind den Deklinationen und Conjugationen vergleichbar, ohne deren Kenntniß man keinen Schritt weiter thun kann, die man aber nicht alle auf einmal vorzunehmen braucht. Der Syntax entſpricht die zuſammenhängende Lehre von Bodengepräge(CTerrain), das überall be⸗ ſtimmten Regeln folgt, unbeſtimmt Verhältniß der Cultur zur Folge hat. Das Lexikon, mehr oder weniger vollſtändig, zählt auf und erklärt. Wo Namen fehlen, da fehlt auch Bevölkerung; die Schule hat es vor Allem mit dem bewohnten Theile der Erde zu thun.“(S. 2 f.) Alſo Aufgabe der„Schulgeographie“ iſt(nach Langenſiepen) lediglich die,„den Atlas(als Autor) verſtehen zu lernen.“(„Die Erdoberfläche ſelbſt iſt ein anderer, größerer Autor, den lehrt die Schule nicht unmittelbar.“[S. 5.)) Um aber jene Aufgabe vollſtändig zu löſen, müſſe ein die Grammatik ergänzendes Uebungsbuch Anleitung zum Kartenzeichnen geben.(S. 3.) In dem poſitiven Theile ſeiner Abhandlung entwickelt nun Langenſiepen ſeine Methode, den Atlas ver⸗ ſtehen zu lernen; er bezeichnet ſie zum Unterſchied von zwei anderen Methoden(welche er die accumulirende und die comparative nennt), als die„conterminirende oder Vergegenwärtigungs⸗ lehrart(Atlas⸗Methode).“ Indem wir Fachgenoſſen dazu einladen, ſich mit der dankenswerthen Arbeit Dr. Langenſiepens bekannt zu machen, erlauben wir uns die Bemerkung, daß man zwar ſeinen methodiſchen Vorſchlag als eine neue Methode immerhin acceptiren kann, aber ohne damit zuzugeben, daß die zu Grund liegenden Gedanken nicht da und dort mehr oder weniger betont ausgeſprochen oder in der Praxis verwerthet worden ſeien. Es ſind ja die meiſten Prak⸗ tiker in demſelben Falle, wie Dr. L., daß ſie ſich ihre eigene Methode herausbilden ohne dazu zu gelangen, dieſelbe weiteren Kreiſen mitzutheilen.


