auf ein Jahr geſchloſſen wurde, mit der Beſtimmung, daß der gegenwärtige Beſitzſtand unver⸗ ändert bleiben ſollte. Doch Braſidas ließ ſich in ſeinen Plänen im Norden durch die Vorgänge in der Heimath nicht irre machen. Zwei Tage nach Abſchluß des Waffenſtillſtandes, ehe dieſer bekannt wurde, ſiel Skione auf Pallene an den lakedämoniſchen Feldherrn ab, und dieſer ver⸗ weigerte die Herausgabe. Als dies nach Athen gemeldet wurde, ſchlug die friedliche Stimmung ſofort wieder um. Man beſchloß alsbald einen Zug gegen Skione, und auf Kleons Antrag wird die Hinrichtung der ſämmtlichen Bürgerſchaft feſtgeſetzt. ¹) 1.
Hier ſehen wir den Demagogen ganz in derſelben Weiſe mit conſequenter Strenge gegen die abgefallenen Bundesgenoſſen vorgehen, wie bei der mytilenäiſchen Angelegenheit; ihm galt nun einmal die äußerſte Härte als das einzige Mittel, die Großmacht Athens zu erhalten, den Bund vor Auflöſung zu bewahren. t 19 4 11
Zu derſelben Zeit als die Abgeſandten von Sparta und Athen im Norden ankamen, fiel auch noch Mende an Braſidas ab, und letzterer ging, nachdem er für die Vertheidigung dieſes Ortes und Skiones Vorbereitungen getroffen hatte, nach Makedonien, um dem Perdikkas gegen die Lynkeſten Hülfe zu leiſten. Inzwiſchen war Nikias mit einer Flotte bei Potidäa gelandet, hatte Mende zurückerobert und Skione in Belagerung gehalten. Perdikkas war wieder auf die Seite der Athener getreten und hatte ein lakedämoniſches Heer, welches Braſidas unterſtützen ſollte, zum Rückzuge genöthigt. 1 1d.
Die Zeit des Waffenſtillſtandes war abgelaufen, der, wie wir geſehen haben, in Thrakien gar nicht beachtet worden war.
Im Frühjahr 422 erſcheint eine bedeutende atheniſche Heeresmacht unter dem Oberbefehl des Kleon, der, wie Thukydides uns mittheilt, die Athener zu dieſem Zuge beredet hatte ²). Er führte 1200 Schwerbewaffnete und 300 Hopliten, die aber mit Widerwillen mit ihm zogen, mit ſich und wollte ſich in Eion durch makedoniſche und thrakiſche Truppen verſtärken, bevor er ſeinen Angriff auf Amphipolis beginnen wollte. Zuerſt überraſchte er Torone und nahm es, ehe Braſidas zu Hülfe kommen konnte, dann lief er in den Strymon ein und machte von Eion aus einen glücklichen Zug nach den Bergwerksdiſtrikten, indem er Galepſos in ſeine Gewalt brachte. Da die gewünſchten Verſtärkungen nicht ankamen, blieb er einige Zeit unthätig in Eion, und Braſidas, der wenig gute Krieger, meiſtens thrakiſche Miethstruppen, deren Ausrüſtung mangel⸗ haft war, hatte, aber eine ſehr gute Stellung einnahm, hielt ſeine Truppen vorſichtig in der Stadt zurück und beobachtete genau das Heer des Kleon. Die atheniſchen Hopliten und Ritter wurden aber über die Unthätigkeit in Eion ungeduldig, ſie ſtellten die Unwiſſenheit und Verzagt⸗ heit des Kleon der Erfahrung und Kühnheit des feindlichen Führers gegenüber und nöthigten jenen durch ihren Unwillen ſeine Stellung zu verlaſſen und eine Recognoscirung auf die Amphi⸗ polis gegenüber liegenden Höhen vorzunehmen. Kleons Abſicht war, wieder in das Lager zurück⸗ zukehren und dann mit den makedoniſchen Hülfstruppen zum Angriff vorzugehen. Aber Braſidas, der die Entſcheidung vor dem Eintreffen der makedoniſchen Hülfsvölker wünſchte, hatte den An⸗ griff ſchon vorbereitet. Als Kleon den Rückzug antreten wollte, brach er plötzlich aus einem
¹) Thuk. IV, 122. Tricιασμ⁴ eνᷣ˙ς 6rοιαασσνναο, KXH.εν †τνόφην neεο˙ενυννε, r‿ναάeu 6EeeT- re xœ ozretvat.
*) Thuk. V, 2 Kœν Ʒε Asνναέouς eidas 6s rA ir* Oedeæus XGœia ekérheuoev.


