Aufsatz 
Beitrag zur Würdigung des Atheniensers Kleon
Entstehung
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1I

ſeinen politiſchen Gegner Nikias wendet und ihm mit den Worten,wenn unſre Feldherrn Männer wären, würde es leicht ſein, die Beſatzung der Inſel gefangen zu nehmen, wäre ich Stratege, ich würde es fertig bringen, den Vorwurf der Energieloſigkeit, wohl auch der Un⸗ fähigkeit macht, ſo erklären wir uns dies Vorgehen lediglich aus ſeiner Stellung als Oppoſitions⸗ mann, als öffentlicher Ankläger, die er einnehmen mußte, um ſich bei den ſtarken Vorurtheilen, die gegen ſeine Perſon beſtanden, Bahn zu brechen, zumal er in einer Verſammlung ſpricht, welche wir uns bei den ſchneidendſten Gegenſätzen der Parteien als aufgeregt und ſtürmiſch denken müſſen, in welcher der Sprecher, deſſen heftigſtes Temperament wir ja ſchon kennen gelernt haben, zu leicht zu perſönlichen Angriffen durch die lebhafte Debatte geführt wird, ein Vorgang, wie er wohl bei Vertretern einer Oppoſitionspartei zu allen Zeiten ſtattgefunden hat und ſtattfinden wird. Nikias hat gegen den Vorwurf nichts zu erwidern, ſondern erklärt nur in ſeinem und ſeiner Mitſtrategen Namen, daß er die Strategie in Kleon's Hände legen wolle, worüber wir uns ſehr wundern müſſen bei einem Manne, der das angeſehenſte Amt bekleidet. Kleon, der die Erklärung für ſcherzhaft hält, geht nun auch ſeinerſeits im Scherz auf dieſelbe ein und erklärt ſich zur Uebernahme des Oberbefehls bereit, als er jedoch einſieht, daß Nikias ſeine Aeußerung im Ernſte gemeint, tritt er zurück mit den Worten, nicht er, ſondern jener ſei Feldherr. Sollen wir dies Benehmen tadeln? Nein! Gerade durch ſeinen Rücktritt zeigt ja der Demagog, daß er keineswegs glaubte, ein Feldherr zu ſein, daß er ſich nicht in den Oberbefehl hinein⸗ drängen, eine Stellung einnehmen wollte, der er ſich nicht gewachſen fühlte. Thukydides läßt Kleon aus Furcht und Ueberraſchung zurücktreten.¹) Ihm, der in ſeinem unſterblichen Werke, durch das er ſich die dauernde Bewunderung der Nachwelt erworben hat, uns überall auf das Deutlichſte Zeugniß von ſeiner Ruhe gibt, konnte das ganze Auftreten des polternden, anklagenden, verleumdenden Demagogen nicht gefallen, bei ihm hatte die Vorſtellung Platz gegriffen, daß die Spartaner Helden ſeien, auf denen noch der Geiſt des Leonidas ruhte, und aus dieſer Auffaſſung heraus mochte er wohl das Zurückweichen des Kleon auf Furcht zurückführen, obwohl uns das kurz darauf folgende Auftreten des Demagogen, welches uns der Geſchichtsſchreiber mittheilt, die Ueberzeugung, Kleon habe ſich feige benommen, nicht beibringen kann. Ueberraſcht wird er in der That geweſen ſein; denn das Gefühl des Staunens wird ſich wohl Aller in der Verſamm⸗ lung bemächtigt haben, als man ſah, daß Nikias im Ernſte die Strategie niederlegte, was noch kein Feldherr im ganzen Verlauf der griechiſchen Geſchichte gethan hatte. Als nun die Ver⸗ ſammlung immer ſtärker in ihn dringt, den Oberbefehl zu übernehmen, und er ſich dem Willen derſelben nicht entziehen kann, ohne ſich lächerlich und verächtlich zu machen, nimmt er die Lei⸗ tung des Zuges an, erbittet ſich Verſtärkung und verſpricht mit dieſer und den Truppen in Pylos die Lakedämonier in 20 Tagen entweder lebendig nach Athen zu bringen oder ſie auf der Inſel zu tödten. Ueber dieſe Prahlerei ſollen nun die Athener gelacht haben, wie Thukydides uns be⸗ richtet; und warum auch nicht? Der bewährte Führer Demoſthenes hatte die Ergebung der 420 Spartaner nicht herbeiführen können, die Lage der Athener war mit jedem Tage mißlicher geworden, man begann ſchon an dem glücklichen Erfolg des Unternehmens zu zweifeln, und nun will ein Mann, der noch nie an der Spitze eines Heeres geſtanden, der nichts von Kriegsführung

¹) Thuk. IV, 28. deduας ε˙νðν◻να ονeν 0i,εν⁴ε oi Aurdr roMcα ⁴υᷣnoxaetoat. 3