Kleon habe mit Recht als Bürgſchaft für die Dauer des Friedens die Herausgabe der vier Orte, welche früher den Athenern gehört, verlangt, deren Beſitz einerſeits Attika gegen die Einfälle der Spataner ſchützen, andererſeits die Ehrlichkeit derſelben dokumentiren ſollte, auch ihre Bun⸗ desgenoſſen, in deren Gebiet dieſelben lagen, zum Frieden anzuhalten. Wenn aber Kleon durch ſeine ungerechtfertigte Forderung der Verfechter der Kriegspolitik war, ſo befand er ſich auf dem Standpunkt des Perikles, der ſelbſt kräftige Führung des von den Gegnern Athens hervorge⸗ rufenen Krieges verlangte. Außerdem war Ankämpfen gegen den Frieden für den Demagogen geboten, da er wohl bedachte, daß das Zuſtandekommen deſſelben die ariſtokratiſche Partei ſtärken und zum Kampfe wider die Volksherrſchaft und deren Führer treiben würde.
Das Benehmen Kleons gegen die Geſandten der Spartaner, die gekommen waren, um ſich vor Athen zu demüthigen und um Frieden zu bitten, muß jedenfalls beleidigend, rückſichtlos und ungerecht genannt werden und zeugt eben von der geringen Bildung, der niederen Herkunft, dem aufbrauſenden, zankſüchtigen Weſen und der natürlichen Neigung zu oft ungerechtfertigten In⸗ vectiven des Demagogen. Es war, wie Grote es ſehr richtig bezeichnet,„a grave abuse of publicity“ ein ſchwerer Mißbrauch der Oeffentlichkeit. Daß er ſich aber der Einſetzung einer Specialcommiſſion energiſch widerſetzt, wird durch den Standpunkt des Führers des Volkes, der bei ſeiner mißtrauiſchen Natur, bei ſeiner Furcht vor den Intriguen der Gegenpartei daran denken mochte, daß Leute aus den Reihen der Oligarchen, die Hinneigung zu Sparta und Vorliebe für den Frieden hatten, in die Commiſſion gewählt würden, gerechtfertigt. Als nun die mißliche Lage der Truppen in Pylos nach Athen gemeldet wurde, erfolgte ein ſtarker Umſchlag. Von Tag zu Tag hatte man erwartet, von der Ergebung der Spartaner zu hören, und jetzt wird die Lage des Belagerungsheeres ſo dargeſtellt, daß man ſogar an dem endlichen Erfolg des kühnen Wag⸗ niſſes zu zweifeln beginnen mußte. Der allgemeine Unwille wandte ſich gegen Kleon, gerade als hätte er allein die Abweiſung der Geſandten veranlaßt und den jetzigen prekären Zuſtand her⸗ beigeführt, obwohl doch die ganze Verſammlung die Anſicht des Demagogen verfochten hatte ¹). Erbittert über dieſe unverdienten Angriffe ſucht Kleon ſeinen ſchwankend gewordenen Einfluß bei der Menge dadurch wiederherzuſtellen, daß er getrieben durch ſeinen rhetoriſchen Pathos in ſeiner leidenſchaftlichen Art die Ausſagen der Abgeſandten kurzweg als unwahr bezeichnet, eine Hand⸗ lungsweiſe, die ihn wiederum als Verleumder kennzeichnet und über die wir unſere völlige Miß⸗ billigung ausſprechen müſſen, wenn wir auch zugeben wollen, daß Kleon die Lage der Truppen unter dem anerkannt tüchtigen Führer Demoſthenes in Wirklichkeit nicht für verzweifelt hielt. Raſch thut er nun einen glücklichen Griff und räth den Athenern, wenn ſie den Bericht für wahr und die Gefahr für ſo bedeutend hielten, ſofort mit Verſtärkungen abzuſegeln und nicht die Zeit durch Abſendung einer Unterſuchungscommiſſion, die ihn in Verlegenheit verſetzt hätte, zu ver⸗ ſchwenden, was doch jedenfalls für den Augenblick das Richtige war, da die rauhe Herbſtzeit nicht mehr fern war, und die Möglichkeit den Truppen Proviant zuzuführen, täglich geringer wurde, eine baldige Entſcheidung alſo herbeigeführt werden mußte. Die kriegeriſche Geſinnung, die ſich in der Verſammlung kund gab und die ihm nicht entging, wird ihn wohl auch noch zu ſeiner ſchnellen Wendung und ſeinem Vorſchlag aufgemuntert haben. Wenn ſich darauf Kleon gegen
¹) Thuk. IV, 21. oi de rA εν απσννς, Ʒmφ⁊0WüÜt rouν Avρανο er v†, d eiciν 6,ιεμον 5roiειμοοιςι ενα, dπαραιανν οeνπαοων³ι, ousοα r00 ατ⁴σοις 00 d A6O& 6 06 ον τ0.


