Aufsatz 
Beitrag zur Würdigung des Atheniensers Kleon
Entstehung
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Gewalt bekommen. Kleon wird nun zum Feldherrn gewählt, erhält auf ſeinen Wunſch den tüch⸗ tigen Demoſthenes, von dem er wußte, daß er eine Landung auf Sphakteria beabſichtige, zum Mitſtrategen und geht nach Pylos ab. Am Tage nach ſeiner Ankunft wird nun unter der Lei⸗ tung des Demoſthenes mit den pyliſchen und den von Kleon mitgebrachten Truppen, es waren etwa 10,000, ein gut ausgeführter dingriff auf die Spartaner gemacht, dieſe werden nach tapferer Gegenwehr überwunden, und Kleon führt 292(darunter 120 Spartiaten) als Gefangene nach Athen. Und das Verſprechen des Kleon ging, ſo wahnſinnig es auch war, in Erfüllung; denn innerhalb 20 Tagen führte er die Männer her, wie er es verſprochen. ¹) Und dies war, fährt Thukydides fort, von allen Ereigniſſen des Krieges das unerwartetſte für die Griechen, denn ſie verlangten, daß die Lakedämonier weder durch Hunger oder durch eine andere Noth bewogen ihre Waffen über⸗ liefern, ſondern mit dieſen nach Kräften kämpfend ſterben würden. Soweit Thukydides.

Die traditionelle Beurtheilung hat nun Kleon hart angeklagt und verdammt, daß er die Veranlaſſung der Abweiſung der Geſandten und damit des Nichtzuſtandekommens eines ehren⸗ vollen Friedens geweſen ſei.

Unſeres Erachtens war die Forderung Kleons, die die Rückgabe früher herausgegebener Orte bezweckte, keineswegs ungerechtfertigt. Die Athener hatten die Leiden des Krieges in ſo hohem Maße erduldet, die Belagerung von Potidäa, die Bezwingung des mytilenäiſchen Abfalls hatte ſie finanziell zerrüttet, die mehrere Jahre hindurch wüthende Peſt hatte ihnen tiefe, unheil⸗ bare Wunden geſchlagen, unter den wiederholten Einfällen in das attiſche Gebiet ſeitens der Spartaner hatten ſie ſo ſchwer gelitten, daß wir es für ganz natürlich finden müſſen, wenn ſie die Gelegenheit, unter möglichſt günſtigen Bedingungen Frieden zu ſchließen, wahrnahmen. Die unerwartet günſtige Nachricht über die Ereigniſſe in Pylos und Sphakteria hatte bei ihnen Selbſtvertrauen und Selbſtüberhebung wach gerufen, ſie glaubten die Spartaner auf der Inſel in ihren Händen zu haben und in Folge deſſen ihre Forderungen ſtellen zu dürfen. Dann muß⸗ ten ſie auch eine feſte Garantie für den Frieden haben. Der peloponneſiſche Krieg war unver⸗ meidlich geweſen, die beiden ſich diametral entgegengeſetzten Staaten, Athen und Sparta, konn⸗ ten nicht mehr nebeneinander mit ihrer Macht beſtehen, einer mußte ſich fügen. Wenn wir nun auch nach der Rede, die die ſpartaniſchen Geſandten in Athen hielten, annehmen dürfen, daß es den Lakedämoniern Ernſt war, Frieden zu ſchließen, wer bürgte dafür, daß derſelbe erhalten blieb? Konnten die Spartaner nicht gerade ſo gut, wie ſie im Augenblick ihre Bundesgenoſſen verlaſſen haben, indem ſie für ſich allein um Frieden baten, auch Athen wieder aufgeben und ſich an jene anſchließen, an die ſie ihre Lage und Geſchichte band? War denn anzunehmen, daß die Bundesgenoſſen ſich dem Frieden Spartas mit Athen anſchließen würden? Daß alſo die Athener hohe Forderungen ſtellten und ſtellen mußten, wenn ſie ihr eigenes Intereſſe wahren wollten, dünkt uns völlig begreiflich, daß aber Kleon, das emphatiſche Organ, der den Gefühlen der Verſammlung nur den heftigen Ausdruck gab, von den Spartanern die Rückgabe von Orten verlangte, die nicht dieſen, fondern den Bundesgenoſſen, die doch wohl gefragt werden mußten, gehörten, war nicht nur übertriebene, durch ſeine maßloſe Leidenſchaft hervorgerufene, ſondern auch ungerechte Forderung, und können wir nicht mit Tüllmann übereinſtimmen, der meint,

¹) Thuk. IV, 39. 2aα τoον KAGνοσ, zins œlνενυ⁸οπ duœa, drσeαεαις u.