Aufsatz 
Beitrag zur Würdigung des Atheniensers Kleon
Entstehung
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lieferung der Kriegsſchiffe und die Niederlegung der Mauern verlangen, im Falle der Weigerung aber die Stadt angreifen. Der Verſuch der Ueberrumpelung wurde durch die benachrichtigten Mytilenäer vereitelt, und Kleippides beging nun den Fehler, ſich mit der Bevölkerung in Ver⸗ handlungen einzulaſſen, anſtatt die Stadt ſofort zu belagern. Er ſchickte eine Geſandtſchaft nach Athen und gab ſo den Mytilenäern Gelegenheit und Zeit zu rüſten und nach Sparta um Hülfe zu ſchicken. Zum Glück für Athen zeigten ſich die Spartaner wieder in dem ihnen eigenen unent⸗ ſchloſſenen Weſen und ſchickten die Geſandtſchaft nach Olympia zum Feſte, wo die Glieder des peloponneſiſchen Bundes verſammelt wären. Hier halten nun die Abgeſandten eine Rede, in der ſie den Athenern nicht Unrecht und Bedrückung vorwerfen, ſondern ſogar ſagen, daß ſie mit Aus⸗ zeichnung behandelt ſeien¹); ſie führen als Grund ihres Abfalls nur die Befürchtung an, daß es ihnen gerade ſo, wie den übrigen Verbündeten, die Athen in Unterwerfung gebracht hätte, gehen würde; die Beſorgniß um die eigene Exiſtenz treibe ſie zum Krieg, auch wollten ſie den Ehrgeiz Athens nicht unterſtützen und daſſelbe in einem Krieg gegen Griechenland zur Behaup⸗ tung einer Herrſchaft über die anderen Staaten fördern. Schließlich nahmen ſie die Hülfe Spar⸗ tas, der Beſchützerin griechiſcher Selbſtſtändigkeit, in Anſpruch.

Die Rede fand allgemeinen Beifall; man nahm die Lesbier in die Symmachie auf und machte einen Einfall in das attiſche Gebiet, der aber von den Athenern, die 100 Triremen an den Iſthmus geſchickt hatten, vereitelt wurde. Von Sparta wurde nun Alkidas mit 40 Triremen nach Mytilene geſchickt, um es zu entſetzen. Klelppides hatte unterdeſſen Hülfe von Lemnos, Im⸗ bros und Methymna erhalten, und die Athener ſchickten im Herbſt Paches mit 1000 Hopliten zur Uebernahme des Befehls. Schon Anfang Winter wurde Mytilene zu Waſſer und zu Lande eingeſchloſſen, und im Frühjahr 427 war die Noth ſo geſtiegen, daß man an Capitulation dachte, die aber noch hinausgeſchoben wurde, da ein Spartaner Salaithos, der ſich in die Stadt ge⸗ ſchlichen hatte, die baldige Ankunft des Alkidas in Ausſicht ſtellte. Da aber dieſer zu lange zögerte, zweifelte man an ſeinem Kommen und beſchloß einen Ausfall, zu welchem Zwecke man auch das Volk bewaffnete, das ſich aber gegen die regierende Partei auflehnte und mit den Athenern in Einvernehmen zu treten drohte. Deshalb verhandelte man mit Paches, und dieſer verſprach bis zur Rückkehr der mytilenäiſchen Geſandten, die in Athen ihre Sache führen ſollten, Keinen zu binden, zu knechten oder zu tödten. Die Athener rückten nun ein, und die Oligarchen wurden nach Tenedos in Gewahrſam gebracht. Am achten Tage nach der Uebergabe der Stadt kam Alkidas bei Mykonos an, that aber nichts, als daß er wieder zurückging und gegen alles Völkerrecht Handelsſchiffe aufgriff und die Leute umbringen ließ. Nachdem Paches ſich zum Herrn der Inſel gemacht hatte, wurden die Haupträdelsführer der Oligarchen mit Salaithos nach Athen geſchickt. Die Hinrichtung des Spartaners wurde einſtimmig beſchloſſen, über die Andern aber ſollte in öffentlicher Verſammlung verhandelt werden. In der augenblicklichen Erregung beſchließt die auf⸗ gebrachte Menge, daß die geſammte männliche Bevölkerung mit dem waffenfähigen Alter hin⸗ gerichtet und die Weiber und Kinder in Sklaverei verkauft werden ſollten, weil die Mytilenäer den Aufſtand nicht als Unterthanen, ſondern als freie Bundesgenoſſen im Bund mit den Pelo⸗ ponneſiern gemacht, deren Schiffe es gewagt, Jonien in Gefahr zu bringen.

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