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Sofort wurde eine Trireme abgeſchickt, um Paches dieſen Beſchluß zu übermitteln; am andern Tage aber trat ein Rückſchlag ein, Leidenſchaft hatte der Menſchlichkeit Platz gemacht, die Geſandten thaten das Ihrige, und ſo kam es, daß nochmals eine Berathung angeſetzt wurde, und bei dieſer Gelegenheit wird Kleon zuerſt von Thukydides erwähnt. Unter mehreren Rednern trat auch Kleon, der Sohn des Kleainetos, der auch am vorhergehenden Tage den grauſamen Beſchluß durchgeſetzt hatte, auf,„der bei Weitem gewaltthätigſte unter den Bürgern und der damals auf das Volk den größten Einfluß ausübte.“¹)
Dann theilt uns Thukydides eine lange Rede des Kleon mit, deren Hauptgedanken folgende ſind.(cap. 37— 40).
„Wieder zeigt ſich, daß, was ich ſchon oft geſagt habe, es einer Demokratie unmöglich iſt, über Andere zu herrſchen. Ein Herrſcher muß mit ſeinen Unterthanen anders verfahren, als ein Bürger mit ſeinen Mitbürgern; die Bundesgenoſſen ſind nichts als lauernde Feinde, bei denen Milde nicht am Platze iſt. Die Geſetze müſſen unverbrüchlich gehalten, an einmal gefaßten Be⸗ ſchlüſſen muß feſtgehalten werden; wer etwas anders vorſchlägt, iſt entweder beſtochen oder will durch ſophiſtiſche Redekünſte glänzen; es wäre beſſer, die Athener ſeien weniger klug, aber den Geſetzen treuer. Ich bin immer derſelbe,²) aber ihr laßt euch an dem für Recht Erkannten irre machen, weil ihr auf künſtleriſche Reden Gewicht legt; die Mytilenäer haben ſich ohne Urſache empört und euch vernichten wollen, deshalb komme über ſie die Vernichtung. Milde bringt weitere Verluſte, neuen Abfall; der Demos iſt nicht ohne Schuld, da er den Aufſtand nicht verhindert hat; Gnade gegen Mytilene iſt Verrath an Athen, eiſerne Strenge muß man zeigen als drohende Warnung.“
Ihm entgegen trat nun Diodot, der Sohn des Eukrates(cap. 42— 48).„Er appellirt an die Vernunft der Verſammlung und bekämpft den Vorſchlag des Kleon nicht aus Gründen der Humanität, ſondern der Staatsklugheit, ſucht das Mißtrauen, welches Kleon gegen anders Rathende hat, zu entfernen, bezeichnet die, welche das Volk zu unüberlegten Handlungen treiben, als Feinde des Staates, welche verleumdeten, um den Gegner von der Rednerbühne zu treiben. Er ſagt, daß es ſich nicht darum handle, die Größe der Schuld der Mytilenäer zu unterſuchen, ſondern zu erwägen, was das Intereſſe des Staates verlange; Abſchreckungstheorie ſei verkehrt; die Gegenwehr werde ſo größer, die Unterwerfung koſtſpieliger und der Ruin der Bundesgenoſſen vollſtändiger; Großmuth ſolle man üben; in allen Bundesſtaaten ſei der Demos Athen treu und nur gezwungen nähme er an Aufſtandsverſuchen Theil; verfahre man alſo ſtreng und hart gegen den Demos in Myiilene, ſo werde man ſich dieſen überhaupt zum Feinde machen. Schließlich räth er, nur die ſchuldigen Oligarchen zu beſtrafen, die übrige Bevölkerung ſolle man aber ſchonen.“
Es kam nun zur Abſtimmung, und der Antrag des Diodot wurde, jedoch mit geringer Mehrheit, angenommen. Schnell wurde jetzt ein zweites Schiff abgeſchickt, welches die Aus⸗ führung des erſten Beſchluſſes durch die Meldung des jetzigen milderen verhindern ſollte. Die mytilenäiſchen Geſandten verſahen die Ruderer gut mit Vorräthen, machten ihnen Verſprechungen, und ſo kam es, daß die Trireme noch rechtzeitig ankam, zumal das Schiffsvolk der erſten ſich
¹) Thuk. III, 36. Klich KJeuεrou, dy zᷣ&᷑ rA deνλμα αα⁴ᷣτατοσ τν τσανιν τφ τe S raꝑd ον εν— röre ⁴ε‿αναεαατοs.
¹) Perikleiſche Wendung cf. Thuk. II, 61; zMꝰ*!m³ ν½ ατ⁶ς εiμι τα õwdνα iοταmν⁴ι.


