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einen Feldherrn und Staatsmann ausmachen, wie wir ſie bei Perikles vereinigt finden, nur bei äußerſt ſeltenen Perſönlichkeiten anzutreffen iſt. Zuerſt trat Eukrates, ein ungebildeter Mühlen⸗ beſitzer, als Redner in den Vordergrund, wurde aber bald durch den Viehhändler Lyſikles ver⸗ drängt, der auch ſchon 428 als Feldherr in Karien umkam ¹). Ihre Thätigkeit war ſchon wegen der Kürze derſelben ohne Belang; auf ſie folgte Kleon, der Sohn des Kleainetos, der in Athen große Gerbereien beſaß und Lederhandel betrieb.
Das überkommene Urtheil über den Athenienſer Kleon war bis auf nicht allzu fern lie⸗ gende Zeit keineswegs ein getheiltes; mit Uebereinſtimmung hatte man ihn als pöbelhaften Gerber, als rach⸗ und habſüchtigen Menſchen, nichtswürdigen, verrufenen Demagogen, kriechenden Volks⸗ ſchmeichler, polternden Schreier, gefährlichen Sykophanten, als eine Art politiſches Ungeheuer, als atheniſchen Robespierre, als eine Mörſerkeule, die den Staat und die Freiheit in Trümmer ſchlägt, bezeichnet.
Fr. Kortüm, in den philologiſchen Beiträgen der Schweiz von Bremi und Döderlein, I. Bd. Zürich 1819, ſchildert uns Kleon als einen habſüchtigen, beſtechlichen, feigen und prahleriſchen Menſchen, der den Staat wie ſeine Gerberei benutzt, um ſich Reichthümer zu verſchaffen, der die öffentlichen Aemter an reiche, dumme und laſterhafte Menſchen verſchleudert und einen wahren Terrorismus ausübt. Bei den Vorgängen von Pylos iſt ihm durch eine ſonderbare Verkettung von Umſtänden die unglaubliche Ruhmredigkeit des Kleon in Erfüllung gegangen, den er in Ver⸗ bindung mit einer wohl geordneten, geſchloſſenen Partei eine Reihe bisher unerhörter Schand⸗ thaten ausüben läßt. Er überſchüttet ihn mit einem Uebermaaß von derben Schimpf⸗ und Spott⸗ reden; doch iſt er ihm ein Mann von nicht gewöhnlichen Geiſtesanlagen. Wachsmuth, helleniſche Alterthumskunde I., 2, 182, ſagt über ihn:„Kleon trat nach Perikles Tode als Aufwiegler und lärmender Herold des Pöbels mit hündiſcher Unverſchämtheit und wahrer Wolfsgier nach Gut und Blut gegen Nikias und die Gemäßigten in die Schranken. Mehr Schreier und Polterer als Redner, heftig ſich gebehrdend und auf der Rednerbühne umhertobend, Großprahler und Sykophant, Poriſt und Egoiſt, gewann er den ihm gleichgearteten Pöbel für ſich, ſetzte deſſen vernunftloſen Sinn durch Ungeſtüm, Verläumdung und unverſchämtes Pochen in Gährung, machte das Wort der geringen Zahl Einſichtiger verſtummen und hielt endlich die Maſſe in ſolcher Be⸗ fangenheit, daß dieſe auch mit Bewußtſein beſſeres Wollen zurückſtieß und dem Götzen, wenn auch nur um Scherz mit ihm zu treiben, fröhnte. Ueber Kleons Unverſchämtheit und Nichts⸗ würdigkeit iſt bei den Alten nur Eine Stimme.“
Fragen wir nach den Quellen, die für dieſe Auffaſſungen maßgebend waren, ſo werden wir finden, daß hauptſächlich Ariſtophanes in ſeinen„Rittern“,„Wespen“,„Acharnern“, zur Grundlage gedient hat; ob dies aber mit Recht geſchehen iſt, wird unſer Verſuch weiter unten beantworten.
In neuerer Zeit hat man angefangen, den Demagogen in ein günſtigeres Licht zu ſetzen. So hat dies zuerſt Droyſen, gelegentlich ſeiner geiſtvollen, anregenden Ueberſetzung zu Ariſto⸗ phanes, Berlin 1837 II. Theil. Einleitung zu den Rittern, verſucht, und ihm ſind dann der engliſche Geſchichtsſchreiber Georg Grote, der Anwalt der atheniſchen Demokratie, der über einen
¹) Thuk. III, 19.


