Beitrag zur Würdigung des Athenienſers Rleon. Von Carl Pauli.
Die Periode, in welcher wir Athen unter der Leitung des Perikles, jener phänomenalen Er⸗ ſcheinung, jenes Redeadlers, vortrefflichen Feldherrn und genialen Staatsmannes, zur Metropole der Biidung und des Kunſtlebens werden ſehen, dürfen wir wohl als diejenige bezeichnen, in welcher Hellas ſeinen welthiſtoriſchen Beruf erfüllt hat. Unbeſtritten der Erſte ¹) unter ſeinen Mit⸗ bürgern, hatte dieſer durch hohe Begabung und Bildung ausgezeichnete, gewaltige Beherrſcher des atheniſchen Demos, für den wir in der ganzen griechiſchen Welt vergeblich nach einer Parallele ſuchen würden, Athen zum Herzen und zur Lehrmeiſterin von Hellas gemacht. Das Steuer des Staatsſchiffes hielt er feſt in ſeiner Hand; ſicher lenkte er das rührigſte, geiſtreichſte Volk, das je exiſtirt hat, nach ſeinem Willen, ſo daß Thukydides von ſeiner Staatsverwaltung ſagt:„Dem Namen nach beſtand Demokratie, in der That aber Regierung des erſten Mannes ²).“
Die Schranken der Demokratie waren gebrochen; Alle wurden als gleichberechtigte Glieder des Gemeinweſens angeſehen, der Einzelne wurde nicht nach Stand und Reichthum, ſondern nach perſönlicher Tüchtigkeit geſchätzt; aber dieſe Art der Volksherrſchaft konnte bei dem bewegten und ſchwankenden Gemeinweſen, bei dem ſich die Demokratie bis zur äußerſten Grenze entwickeln mußte, nur von Dauer ſein, ſo lange ein beſonnener Führer, der ruhig über der wogenden Menge ſtand, alle Angelegenheiten leitete. Als nun Perikles Freunde, die in ſeinem Sinne die Politik weiter zu führen geeignet geweſen wären, durch die Peſt dahin gerafft waren, und auch er im Herbſt 429 einem ſchleichenden Fieber erlag, mochten wohl viele der denkenden Athener ſich fragen, was aus Athen ohne ihn werden ſollte, ob er einen Nachfolger erhalten werde, der das Staats⸗ ſchiff ruhig und ſicher zu lenken im Stande wäre, oder ob letzteres haltlos hin⸗ und herſchwan⸗ ken würde.
Wer wird in Abrede ſtellen wollen, daß eine überaus ſchwierige Stellung deſſen wartete, der die Leitung der öffentlichen Angelegenheiten in die Hand nehmen wollte, da das launenhafte Volk allzu geneigt war, denſelben nach dem Dahingegangenen zu beurtheilen und ſo zur Pyg⸗ mäengeſtalt herabſinken zu laſſen, wenn wir bedenken, daß die Verbindung der Eigenſchaften, die
¹) Thuk. I, 139. Arie zar' érerpoy r0 OO vO rdτ ASvαν, JEeiy re Ad αemσν υpa- rdτπαιος. ¹) Thuk. II, 65. 6 νε τ τε 10†⁶◻ uεν Suοναααia,&oο& νmνμ roν πραάον νεεσς dexν.


