Aufsatz 
Samson Raphael Hirsch
Entstehung
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20. Oktober. Königl. Prov.-Schulkoll. übersendet ein Exemplar der vom Verein für Naturkunde in Cassel zur Feier seines 50jährigen Jubiläums herausgegebenen Festschrift als Geschenk für die Bibliothek.

16. Januar 1889. Königl. Prov.-Schulkoll. macht auf einen im Druck erschienenen Vortrag des Professor Dr. Schmidt-RümplerSchule und Auge aufmerksam und hebt einige in hygienischer Beziehung wichtige Punkte aus demselben hervor.

29. Januar. Königl. Prov.-Schulkoll. genehmigt die Zulassung der angemeldeten Abi- turienten zur Entlassungsprüfung.

III.(hronik der Schule.

Das nunmehr sich zum Ende neigende Schuljahr war ein Jahr ernster Verhängnisse füs das Vaterland, bang und qualvoll waren seine ersten Monate. Umstand doch damals die ganze Nation in stummen Schmerze voll Bewunderung und Ehrfurcht im Geiste das Schmerzens- lager des edlen Fürsten, der so oft sein Volk zum Siege geführt, und der jetzt in erhabener Seelengrösse den letzten Kampf kämpfte mit nie sinkendem Mute, mit nimmer erschlaffendem Pflichtgefühl, ein würdiger Sohn seines Helden raters, ein Sieger auch in diesem letzten, schwersten Kampfe. Und als am fünfzehnten Juni in den ersten Nachmittagsstunden die Kunde kam, dass er heimgegangen, der hehre Dulder auf dem Kaiserthrone, da war es ein Gefühl des Schmerzes, das die ganze Nation, ja die ganze Kulturmenschheit zu einer Familie vereinte. Wir beriefen sofort die ganze Schule in die Aula und gaben unserseits diesem Gefühle dahin Ausdruck, dass, wenn Kaiser Friedrich so viele Jahre regiert hätte, als es ihm leider nur vergönnt war, nur Tage den Thron zu zieren, nicht grösser sein könnte die Summe der Verehrung und Liebe, die er mit hinübergenommen in die Ewigkeit. Am 29. Juni vor dem Beginn der Ferien wurde eine besondere Gedächtnisfeier veranstaltet, bei welcher wir diesen dem ersten Schmerze entströmten Worten in einer Zeichnung des Lebens- bildes des verewigten Kaisers die Begründung gaben.

Dieses Jahr, das der Gesammtnation so Schmerzliches gebracht hatte, sollte nicht zu Ende gehen, ohne einem engeren Kreise innerhalb derselben, nämlich der jüdischen Religions- genossenschaft, noch einen herben schweren Verlust zu bringen. Am Morgen des 31. Dezember 1888, erreichte das hieniedige Leben des Herrn Rabbiner Hirse h, des geistigen Schöpfers und Hauptes unserer Gemeinde, im einundächtzigsten Lebensjahre nach fast sechzigjähriger Wirk- samkeit sein Ziel. Was er dem Judentume, was er der Menschheit war, darauf haben wir bereits oben in schwacher Andeutung hingewiesen. Ebenso auch darauf, dass er der Gründer und langjährige Leiter unserer Schule war. Er gab vor zwölf Jahren die Leitung erst auf, als ihn die Abnahme der Kräfte mahnte, diesen Teil seiner Wirksamkeit jüngeren Kräften zu überlassen. Wenn wir hoffen dürfen, dass seitdem die Schule nicht zurückgegangen ist, so sind wir uns tief bewusst, dies nur dem Streben zu verdanken, in seinem Sinne die Leitung fortzusetzen. Glücklich, wann einst auch für uns die Stunde kommt die Hand vom Pfluge lassen zu müssen, wenn wir uns dann sagen könnten, dass es uns gelungen sei, die Schule mit seinem Geiste zu erfüllen. Bereits ist ein mit diesem Geiste getränktes Geschlecht, herangeblüht mögen die Enkel die Väter noch in Treue überragen!

Isr. Realschule. 6