Aufsatz 
Lampert von Hersfeld, der Geschichtsschreiber König Heinrichs des IV. : [zwei Vorträge, gehalten im Geschichtsverein zu Cassel] / vom ... August Eigenbrodt
Entstehung
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Königs an dem Widerspruche von Rom: Petrus Damiani kam auf Siegfrieds Bericht über die Alpen und enthob den Mainzer Erzbischof der Verlegenheit gegenüber dem Könige durch unverblümt zurechtweisende Verwerfung des unsittlichen Verlangens. Sie sehen, wiederum liegt ein verwickelter, für Nichteingeweihte, dem Hin und Her in den höheren Regionen ferner Stehende, nicht so leicht erkenntlicher Sachverhalt vor; dem charakter- schwachen und habgierigen Siegfried von Mainz war eine Bestechung der gedachten Art unzweifelhaft zuzutrauen; so kann sich die Meinung, daſs ein solch unsauberer Handel vorliege, selbst unter den zu Worms versammelten Fürsten sehr wohl gebildet haben. Lampert erzählte den Handel, wie er ihn gehört hatte und wie er ihn glaubte.

Die Vorgänge auf der Erfurter Synode von 1073, wo Heinrich die Zehnt- pflichtigkeit der Thüringer durchsetzte, sind nach Ausfeld und Holder-Egger von Lampert vollkommen unrichtig wiedergegeben worden.(L. p. 141 ff.) Holder-Egger spricht von einer boshaft giftigen Entstellung der Hergänge und der Beweggründe der handelnden Personen; es soll unter anderem vollkommen freie Erfindung sein, wenn sich der König nach Lampert bei den Thüringern und bei den Abten von Fulda und von Hersfeld die Berufung an die Curie bei Vermeidung seiner Ungnade schlechthin verbittet. Sehen wir aber näher zu, so finden wir zwar, daſs uns Lampert von den Vorgängen der langen Tagung nur einiges heraushebt, daſs er in seiner Weise erregt ist über die Schädigung seines Klosters, daſs er seine subjektiven Eindrücke sehr drastisch, ja sarkastisch wiedergiebt; aber es ist die Wahl der Erzählungsform das gute Recht eines Schriftstellers: wir Neueren haben den Schriftsteller zu nehmen, wie er vorliegt, und aus seiner Veröffentlichung für uns zu entnehmen, was wir herauslesen. Ich suche in Lamperts Darstellung vergeblich nach einer Thatsache, die den König Heinrich wirklich belastet. Heinrich tritt zu Erfurt echt königlich auf. Die vorhin erwähnte Kuſserung des Königs über eine etwaige Berufung an die Curie ist nach meiner Meinung gar nicht zu bezweifeln; denn Heinrich hatte sich damals bei anderen Gelegenheiten die Anrufung der Curie ganz ebenso diktatorisch verbeten wie hier zu Erfurt. Warum auch nicht? Das herrische Auftreten Heinrichs, wie es hier von Lampert für Erfurt geschildert wird, stimmt gleichfalls zu den Schilderungen anderer Quellen hinsichtlich anderer Vor- gänge. Dazu ist nun noch Ausfeld gleich bei dem Eingange von Lamperts Bericht in ein sprachliches Miſsverständnis hineingeraten, das ihm zu der Meinung Anlaſs gab, daſs Lampert völlig gedankenlos darstelle. Die anderen Gelehrten Heyer von Anonau, Holder-Egger sind in diesem Milsverständnisse dem Vorgange Ausfelds einfach gefolgt: seitdem steht die Erfurter Synode in dem Sündenregister Lamperts, während Lampert vollkommen wahrheitsgetreu in den Thatsachen, anschaulich in der Schilderung, allerdings erregt und einseitig im Urteile erzählt hat.

So scheidet also auch die Zehntsache aus dem Anklagematerial gegen Lampert aus, soweit es sich um die Anklage der wissentlich falschen Berichterstattung handelt. Die Lügenhaftigkeit Lamperts ist eine unbewiesene, nach der angestrengten Bemühung Delbrücks zu schlieſsen, unbeweisbare, nach der Persönlichkeit des Verfassers als Dunmöglich anzusehende Behauptung; sie muſs verschwinden, wenn die Lampertkritik