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bleibt bei der Erzählung über Canossa der feste Punkt, auf den der Blick des Hersfelder Mönches gerichtet ist; selbst in der Kirche von Canossa soll von den Reichsfürsten und der drohenden Entthronung die Rede gewesen sein.(L. p. 297.)
Es folgen bei Lampert eingehende Mitteilungen über Heinrich und die anti- gregorianischen Lombarden in den ersten Wochen nach den Begebenheiten von Canossa. Hier zeigt sich unser Schriftsteller wieder eingehender unterrichtet.9) Ganz unhaltbar aber ist, was Lampert über die damaligen Beziehungen zwischen dem Papste und dem Könige erzählt. Nach den anderen Quellen, zum Beispiel nach den Briefen von Gregor, müssen die Beziehungen zwischen Papst und König in den ersten Wochen nach Canossa schwankender Natur gewesen sein. Die Kaiserin Agnes, die Markgräfin Mathilde und ihr Anhang bemühten sich, den König an der Seite des Papstes festzuhalten; die gegen- hildebrandsche Geistlichkeit der Lombardei wirkte in entgegengesetztem Sinne; Gregor hegte wenig Zutrauen. Die Dinge trieben den König von dem Papste, den Papst von dem Könige weg; doch abgebrochen wurden die Brücken noch lange nicht. Jahre lang gewährte Gregor dem Salier noch den Königstitel; erst 1080 schritt er notgedrungen zur Entscheidung: er bannte den Salier von neuem und erklärte Rudolf von Schwaben für den rechtmäſsigen König.
Lampert, der nach einfacheren dramatischen Gesichtspunkten Auffassende, hat keine Ahnung von diesem Zickzack: einem damaligen Beschwerdepunkt des Papstes wider Heinrich, die Gefangennahme päpstlicher Boten durch lombardische Unterthanen des Königs, kennt Lampert nicht, obwohl gerade diese Vornahme selbst dem Wortlaute des Eides von Canossa zuwiderlief. Heinrichs einheimische Feinde scheinen später die italische Reise des Königs als Bruch einer— allem Anscheine nach sehr unbestimmt gehaltenen— Abmachung von Tribur/Oppenheim hingestellt und die Gegenwahl mit auf diese Reise gestützt zu haben. Lampert konnte hiervon wissen; aber er bedient sich dieses Rechtfertigungsgrundes nicht. Dagegen läſst er den König noch Frühjahr 1077, also wenige Wochen nach dem Frieden von Canossa, mit dem Papste jählings brechen, sich von den eingegangenen oder vermeintlich eingegangenen Verbindlichkeiten plötzlich lossagen; der König wird in allgemeinen Redensarten als ein Mann hingestellt, der mit einem Male gewissermaſsen dem Teufel wieder verfällt; an Thatsachen aber weiſs Lampert so gut wie nichts anzugeben.(L. p. 300.) Man sieht, Lampert hatte von damaligen Meinungsverschiedenheiten zwischen Heinrich und Gregor nur Unbestimmtes vernommen; vielleicht erschien ihm die Stellungnahme des päpstlichen Legaten zu den Forchheimer Vorgängen als ausgesprochene Lossagung des Papstes von dem Salierkönige; jedenfalls gestaltet Lampert sich die Meinungsverschiedenheiten zu einem richtigen Bruche zwischen den beiden Männern aus, ja er bezieht auf diesen Bruch Thatsachen, die damit gar nichts zu schaffen haben. Der Grund ist leicht ersichtlich. Lampert sucht in dem Verhältnisse zwischen Papst und König die Erklärung für die Neuwahl von Forchheim; er benutzt die Thatsache dieser Wahl gewissermaſsen als geschichtliche Quelle und legt sich nach ihr das Vorhergegangene zurecht. Nicht daſs er die Wahl Rudolfs von Rheinfelden in parteipolitischer Absicht rechtfertigen will; dann würde


