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hielt alsdann Gregor eine strafende Ansprache. Weiteres wurde in der Kapelle von Canossa und bei Gelegenheit des darauf von der Markgräfin Mathilde veranstalteten Frühstücks gesprochen. Der Inhalt dieser Gespräche entzieht sich bei dem Stande der Quellen bis auf Bruchstücke unserer näheren Kenntnis; auch die Zeitgenossen erfuhren augenscheinlich nichts Genaueres. Jedenfalls gingen in Deutschland unmittelbar nach dem merkwürdigen Vorgange von Canossa, während Heinrich selbst noch in Italien weilte, höchst seltsame Gerüchte um, welche den politischen Versprechungen, die Heinrich dem Papste eidlich gegeben hatte, einen ganz anderen Charakter andichteten. Man muss sich diesseits der Alpen über die Vorgänge von Canossa und die Natur des Friedens von Canossa in völligem Nichtbegreifen befunden haben. Hatte ja doch auch die Lage thatsächlich eine volle Klärung nicht gefunden; blieben ja doch die wider den König erhobenen Anklagen bestehen, sollten sie doch nach wie vor der Jurisdiktion des Papstes unterliegen.
So traf alles zusammen, um auch Lamperts Auffassung in die Irre zu führen. Weder hatte Lampert über die Verhandlungen von Canossa mehr als die umgehenden Gerüchte erfahren, noch verstand er die staatsrechtlichen Fragen und die diplomatischen Vorgänge. Wohl hat Lampert Heinrichs Absicht, sich vor dem Verfalltage der Exkommunikation mit dem Papste ohne die deutschen Fürsten zu einigen und der beabsichtigten Entthronung den Rechtsboden zu entziehen, von seinem deutschen Stand- punkte aus recht wohl gewürdigt und an mehreren Stellen deutlich hervortreten lassen. Aber Gregors Standpunkt, seine Uberraschung über Heinrichs Erscheinen, sein verlegenes Handeln weiss Lampert gar nicht zu würdigen. Hier verliert sich ihm alles in das Nebelhafte, in das Wunderbare. Lamperts Auffassung von Canossa ist ein getreues Spiegelbild der auf der Höhe angelangten Begriffsverwirrung von 1077. Alle anderen Geschichtsquellen nehmen an dieser Verwirrung reichlich teil; die ganze gegenheinricianische Partei in Deutschland ist davon ergriffen; ja Gregor selbst scheint die kirchenrechtlichen, die politischen Folgen der seiner eigenen Erfindung entsprungenen Mafsnahmen damals nicht ganz überschaut zu haben Nun bemüht sich unser Geschichtschreiber bei den vielen richtig, halbrichtig oder ganz falsch eingegangenen Einzelheiten in seiner Weise um die Herstellung eines gewissen Zusammenhanges. Aber dadurch wird seine Zeichnung erst recht unzutreffend. Wollten wir Lamperts Berichte über den Frieden von Canossa Glauben schenken, so mülſsten wir annehmen, daſs sich der König zu einer Reihe von Zugestäündnissen bequemt habe, deren Sinn neben anderen Verstrickungen dahin ging, daſs er sich bis zur päpstlichen Entscheidung über die ihm zur Last gelegten Vergehungen der Regierung zu enthalten habe und daſs auch die eben erst erteilte Wiederaufnahme in die Kirche als verwirkt zu betrachten sei von dem Augenblicke an, da der König in irgend einem Punkte nach dem Ermessen des Papstes von seinen Versprechungen abgewichen zu sein schiene.(L. p. 293.) In der Lombardei hat aber nachher Heinrich, so wird dann von Lampert weiter dargestellt, durch die Macht der Verhältnisse gedrängt, nämlich unter dem Drucke der gegengregorianischen Lombarden diesen Abfall von seinem Gelöbnisse begangen: also mulste seine Krone verwirkt sein.(L. p. 300.) Die Krone Heinrichs


